Sonntag, 29. März 2026

Schleimünde im "Februar"


"Schleimünde Februar 2026" heißt die Signal-Gruppe, in der wir uns über unser Vorhaben für das erste Wochenende des titelgebenden Monats abstimmen. Leider sind die Temperaturen aber Wochen vor dem geplanten Termin dergestalt, dass Zweifel an der Klimaerwärmung aufkommen könnten: die Schlei ist in großen Teilen zugefroren!

Eine längliche Diskussion hebt an, wie wir mit dem misslichen Aggregatzustand umgehen. Am Ende steht ein neuer Termin für unsere Unternehmung: das letzte Wochenende im März. Bis auf eine Teilnehmerin können alle auch diesen Termin ermöglichen. Ein Nachrücker ist schnell gefunden — die Signal-Gruppe behält ihren Titel.

Es sind fünfzehn Teilnehmer angemeldet, und Anja hat es mal wieder geschafft, das Lotsenhaus für uns zu mieten. Es sind alles alte Schleimünde-Hasen, so dass die Abstimmung, wer was für die gemeinsame Essenszubereitung mitbringt, kein großes Aufheben macht.

Startort soll wieder Sieseby sein. Das sind rund 18 Kilometer und damit eine gute Tagestour. Der Wind bläst einigermaßen frisch aus einer gnädigen westlichen Richtung. Ulrich hat sogar sein Segel mitgenommen und rauscht gleich mächtig davon. Ich strenge mich am Anfang kurz an, um ihn einmal beim Segeln zu filmen. Danach rauscht er der Gruppe davon, und ich trödele ihr gemächlich hinterher. 

Durch den kooperativen Rückenwind sind wir mächtig zügig unterwegs und kommen nur in Arnis einmal kurz zum Sammeln zusammen — eine wirkliche Pause brauchen wir nicht. Ganze zwei und eine viertel Stunde dauert die Hinfahrt. Trotz des hohen Tempos ist niemand über das für die noch junge Saison vertretbare Maß angestrengt. Dass das für die Rückfahrt am Sonntag vermutlich nicht gilt, ist uns schon jetzt klar.

Peter hat sich ein neues Zelt gegönnt und muss dessen Performance ausprobieren, Sven ist wieder minimalistisch unterwegs und stellt sein Tarp auf den Sand. Auch ich lasse mir die Gelegenheit nicht entgehen, unter freiem Himmel zu übernachten. Aus der eindrücklichen Erfahrung am Wochenende vor vierzehn Tagen habe ich diesmal sogar meinen Schlafsack eingepackt! Damals hörte meine Körperwahrnehmung in der Nacht südlich der Kniee auf  — jenseits davon befanden sich nur noch irgendwelche fremdartigen Eiszapfen. Die Nachttemperatur betrug da aber nur etwa drei Grad, heute soll es nur auf fünf Grad herunter gehen.

Während wir unsere Stoffhütten aufbauen, wird im Lotsenhaus die Zimmerbelegung ausgefochten. Offensichtlich geht das aber ohne Blutvergießen vonstatten. Die Anzahl der Zimmer in dem Gebäude ist aber geeignet, durchaus auch noch größere Gruppen zu beherbergen. Danach wird zügig zum Abendessen übergegangen. Jeder hat irgend etwas mitgebracht, das auf den Tisch kommt und allen zur Verfügung steht. Es gibt leckeren Chinoa-Salat, einen Salat mit roten Beeten, Fladenbrot, Zimtbrötchen, leckere Dinger von Lena mit Äpfeln und Tomaten und ich weiß nicht, was alles noch. Und alles in schier unbewältigbaren Mengen, so dass wir fürchten, wir müssen unseren Aufenthalt hier verlängern, damit wir nicht die Hälfte davon mit zurück nehmen müssen.

Die Nacht war entspannt. Es ist kaum zu glauben, was so ein Schlafsack für einen Unterschied macht! Auch die beiden anderen Draußen-Schläfer sind zufrieden mit der Performance ihrer Ausrüstung. Beim Frühstück werden Pläne für den Tag geschmiedet. Nicht alle wollen nach Kappeln, um dort ein Fischbrötchen abzugreifen, einige ziehen eine Fahrt zum Leuchtturm Falshöft vor. So bilden wir zwei Gruppen — die Falshöft-Fraktion startet deutlich früher, denn sie hat ja eine weitere Strecke zu bewältigen. Ich möchte zum einen nicht so früh starten und will vor allem nicht auf das Fischbrötchen verzichten!

In Kappeln müssen wir am Ostufer anlegen, weil die andere Seite fest im Griff der zahlreichen Angler ist und wir fürchten, gegen deren Überzahl im Konfliktfall nicht bestehen zu können. Aber hier können wir die Boote auch viel problemloser deponieren. Unser Weg führt direkt zum amtlichen Fischbrötchen-Händler von Kappeln, der Fischräucherei Föh. Leider setzt unterwegs Regen ein, so dass Elli mit ihrer Daunenjacke einen beschleunigten Schritt vorlegt. Aber die Fischbrötchen sind einfach exquisit! Peter muss sich sogar noch ein Zweites bestellen.

Nach der Ankunft in unserer temporären Herberge auf der Lotseninsel bleibt mir nicht viel Zeit zur Entspannung. Ich kann nur eine kurze Weile in meinem Buch "Das Rosi-Projekt" lesen, da steht schon der nächste Pflichtpunkt auf dem Programm: Kaiserschmarrn essen! Peter hat mal wieder sein Boot voll Eier geladen und brutzelt für uns alle eine fluffige Stärkung. Zentraler und sinnstiftender Bestandteil sind seit einer Woche in kräftigem Rum ertränkte Rosinen! Ich habe Apfelmus und Vanille-Sauce zur Verfeinerung beigesteuert. Wenn ich das esse, weiß ich wieder, wofür ich all die Strapazen, Entbehrungen und Anstrengungen solcher Unternehmungen auf mich nehme!

Das gesellige Beisammensein hat neben allem Spaß und der Freude am Umgang mit liebenswerten Menschen auch den Effekt, dass in größerer Runde locker und unverbindlich Themen diskutiert werden, die im Verein aktuell sind. Es sind tragende Säulen des Vereinslebens mit von der Partie und solche, die es werden wollen oder mindestens könnten. So kommt eine solide Meinungsbildung zu Stande und oft genug sind daraus auch schon Initiativen entstanden, die den Verein voranbringen.

Für die zweite Nacht nehme ich mir eine Decke aus dem Haus mit, die ich mir als zusätzliches Kopfkissen untergelege. Kopfkissen haben in meiner jahrzehnte währenden Outdoor-Karriere kontinuierlich an Bedeutung gewonnen! Anfangs habe ich mir einfach immer nur Kleidungsstücke untergelegt, die ich in der Nacht nicht benötigt habe. Irgendwann habe ich mir dann ein aufblasbares Kissen schenken lassen, dass aber wirklich nicht sehr voluminös ist. Dank der zusätzlichen Decke wird die zweite Nacht noch entspannter, obwohl die Lufttemperatur auf nur zwei Grad zurückgeht. Vielleicht werde ich mir irgendwann einmal ein noch voluminöseres Kopfkissen schenken lassen!

Auch für die Rückfahrt am Sonntag bilden sich zwei Gruppen. Betzi hat am Nachmittag noch einen Termin und will nicht in Verdrückung geraten. Sie will mit Jens früher starten. Für alle anderen wird ein Abfahrttermin von zehn Uhr dreißig festgelegt. Sommerzeit! Allerdings sitzen wir unerklärlicher Weise bereits um zehn Uhr abfahrbereit in den Booten. Der Wind weht immer noch aus Westen und soll heute im Verlauf des Tages weiter zunehmen. Wie erwartet sind wir nicht ganz so schnell wie auf der Hintour. Aber im Grunde bin ich eher überrascht, wie harmlos der Wind ist — bis wir in Arnis aus dem Hafengebiet herausfahren! Während die Schlei zwischen Kappeln und Arnis ziemlich genau in Nord-Süd-Richtung verläuft, öffnet sie sich hier nach Süd-West. Entsprechend ungehindert bläst uns der Wind nun ins Gesicht! Allerdings gehen wir gleich im kleinen Steinhafen beim Spielplatz an Land, um Pause zu machen.

Anja hat in der Zwischenzeit eine Nachricht von Betzi empfangen, die mit Jens bereits in Sieseby angekommen ist. Sie sagt, dass dieses offene Stück keinen Spaß bereitet und bietet an, die Fahrer unserer Fahrzeuge in Sundsacker gegenüber von Arnis abzuholen und nach Sieseby zu fahren. Die paar hundert Meter offenes Wasser zwischen dem geschützten Arniser Hafen und dem Anlanden am Pausenplatz haben allen klar gemacht, dass es ein zäher Kampf werden würde, den Parkplatz unserer Autos auf dem Wasserwege zu erreichen.

Jörg und ich waren den ganzen Winter regelmäßig paddeln, so dass wir im Training sind. Lena geht auch regelmäßig paddeln und ist so jung, dass sie Anstengung ohne Probleme wegstecken kann. Peter ist eh unkaputtbar — und gegen Maditha ist der Duracell-Hase ein Schlappschwanz! Wir machen uns also zu fünft auf den Rückweg, die anderen setzen das kurze Stück auf die andere Schleiseite um und warten auf das Shuttle.

Wir queren zuerst auf die andere Seite und hangeln uns anfangs dicht ans Ufer geschmiegt vorwärts. Es gibt hier zwar keinen Windschutz, aber hier haben die Wellen nicht eine so häßliche Höhe, dass sie das Boot zum Bocken bringen. Nach einiger Zeit stelle ich fest, dass der Wind eigentlich gar nicht so garstig ist und ich keine große Mühe habe, dagegen anzukommen. Also fahre ich doch etwas weiter nach draußen — hier fühlt es sich etwas mehr nach Seekajak-Fahren an! Zu meiner Überraschung benötigen wir nur knapp mehr als eine Stunde, bis wir in das Schilf von Sieseby einlaufen.

Die Daten sind von Sonntag, dem 29.!

Der Wind legte während unserer Rückfahrt tatsächlich kontinuierlich zu. Zum Start (10 Uhr) kamen uns zarte vier Beaufort entgegen, zum Schluss (14:30 Uhr) mussten wir gegen eine solide Fünf ankeulen — mit Böen im Sechser-Bereich. Ein Glück, dass Jens und Betzi früher gestartet sind und uns so den Transfer-Service anbieten konnten, so dass nicht alle die gesamte Strecke gegen den Wind zurückpaddeln mussten. Wir fünf haben zwar alle Spaß gehabt, aber ohne ausreichendes vorheriges Training wäre das für mache bestimmt eine spaßbefreite Schinderei geworden. So können alle das Wochenende als gelungenen Auftakt für eine vielversprechende Saison verbuchen!

GPS-Daten hier