Am Morgen ist das Wetter noch unentschieden. Über Dänemark liegt dichte, dunkle Bewölkung, über Deutschland scheint die Sonne. Zum Glück hat der Wind abgenommen, denn es soll heute ausnahmslos nach Westen gehen und das wäre mit dem Wind von gestern nicht erquicklich.
Mit dem Frühstück und den anderen Verrichtungen sind wir zur gleichen Zeit fertig, wie die Gruppe aus Hannover. Bei denen ist die Frage der Bekleidung auch durchaus unterschiedlich beantwortet worden. Die Antworten reichen von Trockenanzug bis kurze Hose mit kurzärmliger Jacke. Wir sind gleichzeitig auf dem Wasser und haben das gleiche Ziel, die Ochseninseln. Aber wir ziehen es doch von Anfang an vor, unser eigenes Tempo zu fahren. Wir werden uns ja "später" noch einmal treffen.
Auf der Förde herrscht Rum-Regatta. Da ist viel altes Holz auf dem Wasser und noch mehr weißes Tuch. Zu so einem Anlass gehört eigentlich eine frische Brise und vor allem Sonnenschein. Beides ist heute nicht zu haben - der Himmel ist grau und der Wind lustlos. Trotzdem macht es Spaß, den alten Schiffen zuzusehen und ihre interessanten Riggs zu bewundern. Ich kann sogar das erste Mal in meinem Leben einem Rah-Segler aus nächster Nähe dabei zusehen, wie er ein Wendemanöver durchführt. Ausgesprochen anspruchsvoll und interessant!
Auf den Ochseninseln machen wir eine ausgiebige Pause sowie den obligaten Spaziergang über die Insel. Kaffee und Kuchen muss auch sein. Als wir uns wieder auf den Weg machen wollen, läuft auch die Hannoveraner Gruppe ein. Es war schon die richtige Entscheidung, dass wir unser eigenes Tempo gefahren sind.
Während wir in Richtung Flensburg laufen, verdunkelt sich der Himmel immer weiter. Wir passieren die großen Mengen an Traditionsseglern, die sich hier im Hafen eingefunden haben und treffen auf einen, der mit seinem Seitenschwert die Wendetonne geknutscht hat. Da ist einiges an Reparatur fällig in der nächsten Zeit. Kurz vor dem definitiven Ende der Förde finden wir einen klitzekleinen Sandstrand, an dem wir unser Boote aus dem Wasser holen. Ich organisieren kurz unsere Rückholung und Peter eine Duschmöglichkeit im Hafengebäude. Während wir das Salz und die Kälte der letzten Tage mit wohlig warmen Wasser aus Haaren und Körper duschen, setzt draußen sintflutartiger Regen ein, der auch die folgenden Tage nicht aufhören soll. Ein besseres Timing für unsere Tour hätte wir gar nicht treffen können.
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Samstag, 11. Mai 2013
Freitag, 10. Mai 2013
Kiel Flensburg Teil 2: von Schleimünde nach Broager
Am Morgen lacht die Sonne. Der Wind kommt noch aus einer Richtung, die der Vorhersage genau ins Gesicht bläst. Für den gesamten Tag ist aber recht kräftiger Westwind angesagt, so dass wir unseren ürsprünglichen Plan, in die Schlei hinein zu fahren, aufgeben. Stattdessen überlegen wir, nach Flensburg zu paddeln. Leider haben wir beide von diesem Gebiet keine Seekarten dabei, so dass wir nicht genau beurteilen können, wie weit das eigentlich ist. Mir kommt die Idee, die anderen Paddler danach zu fragen, schließlich geht man ja nicht auf Tour, ohne Karten vom Zielgebiet mitzuführen. Und tatsächlich: sie haben einen Jübermann dabei, dem wir alle notwendigen Informationen für unseren geänderten Plan entlocken können.
Peter fotografiert kurzerhand die für uns relevanten Seiten mit seinem Super-Duper-Kann-alles-Handy, damit wir im Zweifelsfalle noch mal nachsehen können. Im Gespräch mit der anderen Gruppe erkennt Peter im Gegenüber anhand dessen charakteristischen Ohrringes einen Eingeborenen der Insel Norderney. Da Peter dort einmal gearbeitet hat, folgt ein detaillierter Austausch über gemeinsame Bekannte, ob es sie noch gibt und wo sie denn gelandet sind. Mit der Seekarte im Handy gut gerüstet verlassen wir die Schlei und fahren mit dem sich nun der Vorhersage angepassten West-Süd-West-Wind die Küste von Angeln entlang nach Norden.
Der Unterschied zwischen dem heutigen Wind und dem von gestern ist, dass er nicht mehr so wirklich von hinten schiebt, sondern deutlicher von der Seite drückt. Das Gemeinsame mit dem Wind von gestern ist die Tatsache, dass er uns immer noch Richtung Ärö treibt. Da wir durch das ausgefallene Essen in der Giftbude nun eine Portion Proviant zu wenig haben, müssen wir unterwegs noch einmal nachfassen. Wir schätzen, dass es auf dem Campingplatz Hasselberg mindestens einen Kiosk gibt, an dem man seine Vorräte auffüllen kann. Wir sind unbemerkt ein deutliches Stück Richtung Ärö versetzt worden, so dass wir uns schließlich mühsam gegen den Wind zurückarbeiten müssen, um den Campingplatz noch zu erreichen.
Wir gönnen uns eine kleine Pause am Kiosk, aber mit meiner kurzen Hose kommt bei den wenig sommerlichen Temperaturen und dem frischen Wind nur ein geringes Maß an Gemütlichkeit auf. So sitzen wir bald wieder in den Booten und passen ab jetzt besser auf, dass wir Ärö nicht zu nahe kommen. Bei Falshöft macht der Küstenverlauf einen deutlichen Knick nach Westen, so dass wir ab hier praktisch gegen den Wind fahren. Das führt natürlich dazu, dass es spritzt und man ständig vom acht Grad frischen Wasser nass wird. Das führt auch dazu, dass uns der Gestank der Kormorankolonie, deren Einwohner auf dem trockengefallenen Flach vor der Geltinger Birk ihren ätzenden Kot verteilen, schon auf weite Entfernung in die Nase sticht. Zusammen mit den in der Flensburger Förde recht hoch gehenden Wellen führt es auch dazu, dass der See auf meiner Spritzdecke immer gut gefüllt ist und beständig ins Innere sickert. Im Laufe der Jahre ist meine Neoprenspritzdecke wohl doch so porös geworden, dass man sie nicht mehr als wirklichen Verschluss des Cockpits bezeichnen kann.
Im Inneren meines Bootes steht daher ständig so viel Wasser, dass meine nackten Beine satt umspült werden. Zweimal pumpe ich es während der Fahrt über die Förde ab, damit die Beine wenigstens eine kurze Zeit mal Gelegenheit haben, sich etwas aufzuwärmen. Ich bin froh, dass ich dafür mit meiner Schenkelpumpe das Paddeln nicht unterbrechen muss. Aber mit den ständig übergehenden Wellen dauert es nicht lange, bis wieder genügend Wasser nachgefüllt ist, das meine Beine darin schwimmen. Sie versuchen zwar, es von ihren acht Grad auf angenehmere Temperaturen aufzuheizen, haben aber nicht so viel Erfolg, dass ich sagen würde, es sei angenehm. Ich habe meine Schimrmütze auf, die wenigstens etwas Schutz gegen Wind, Wasser und Kälte bietet, aber mein Südwester wäre wesentlich besser geeignet. Ich habe ihn zwar griffbereit im Cockpit, mache mir aber bei dem strammen Wind doch nicht die Mühe, ihn rauszukramen. Auch Peter fühlt sich nicht wirklich mollig, obwohl er im Gegensatz zu mir im Long-John fährt. So sind wir vermutlich rechtschaffen unterkühlt, als wir endlich unter dem Steilufer von Broager ankommen.
Dort liegen bereits etliche Boote am Strand. Als wir unsere daneben legen, fällt Peters Blick in das Cockpit eines fremden Bootes, wo der Name des Besitzers in großen Buchstaben zu lesen ist. "Den kenn ich!", sagt er. "Von Norderney?" "Nein, aus Hannover!" Als ich den Steilhang hochgehe und auf die oben bereits campierende Gruppe treffe, fallen mir auch sofort zwei bekannte Gesichter auf. Mit der einen Paddlerin bin ich während der Seekajak-Woche paddeln gewesen, der andere hat ein RST in Kiel besucht, das ich veranstaltet habe. Die Gemeinde der Seekajak-Fahrer ist eben überschaubar.
Wir sind gestern über dreißig Kilometer gepaddelt und heute wieder. Wir sind heute die letzen fünfzehn Kilometer gegen einen satten fünfer Wind angekeult. Und es ist erst das zweite Mal in diesem Jahr, dass Peter im Boot sitzt! Ich weiß nicht, wie er das macht, aber einmal ins Boot gesetzt, schnurrt er ab wie ein aufgezogenes Kinderspielzeug. Ich wäre zusammengebrochen! Immerhin ist er so erledigt, dass er sofort einschläft, als er sich probehalber in seinen Zelt in die Waagerechte legt!
Der Unterschied zwischen dem heutigen Wind und dem von gestern ist, dass er nicht mehr so wirklich von hinten schiebt, sondern deutlicher von der Seite drückt. Das Gemeinsame mit dem Wind von gestern ist die Tatsache, dass er uns immer noch Richtung Ärö treibt. Da wir durch das ausgefallene Essen in der Giftbude nun eine Portion Proviant zu wenig haben, müssen wir unterwegs noch einmal nachfassen. Wir schätzen, dass es auf dem Campingplatz Hasselberg mindestens einen Kiosk gibt, an dem man seine Vorräte auffüllen kann. Wir sind unbemerkt ein deutliches Stück Richtung Ärö versetzt worden, so dass wir uns schließlich mühsam gegen den Wind zurückarbeiten müssen, um den Campingplatz noch zu erreichen.
Im Inneren meines Bootes steht daher ständig so viel Wasser, dass meine nackten Beine satt umspült werden. Zweimal pumpe ich es während der Fahrt über die Förde ab, damit die Beine wenigstens eine kurze Zeit mal Gelegenheit haben, sich etwas aufzuwärmen. Ich bin froh, dass ich dafür mit meiner Schenkelpumpe das Paddeln nicht unterbrechen muss. Aber mit den ständig übergehenden Wellen dauert es nicht lange, bis wieder genügend Wasser nachgefüllt ist, das meine Beine darin schwimmen. Sie versuchen zwar, es von ihren acht Grad auf angenehmere Temperaturen aufzuheizen, haben aber nicht so viel Erfolg, dass ich sagen würde, es sei angenehm. Ich habe meine Schimrmütze auf, die wenigstens etwas Schutz gegen Wind, Wasser und Kälte bietet, aber mein Südwester wäre wesentlich besser geeignet. Ich habe ihn zwar griffbereit im Cockpit, mache mir aber bei dem strammen Wind doch nicht die Mühe, ihn rauszukramen. Auch Peter fühlt sich nicht wirklich mollig, obwohl er im Gegensatz zu mir im Long-John fährt. So sind wir vermutlich rechtschaffen unterkühlt, als wir endlich unter dem Steilufer von Broager ankommen.
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Donnerstag, 9. Mai 2013
Kiel - Flensburg Teil 1: von Bülk nach Schleimünde
Weder Peter noch ich konnten einen fahrbaren Untersatz für dieses Wochenende organisiseren. Damit sind unsere hochtrabenden Träume von Unterelbe und Ostfriesland zerplatzt. Immerhin habe ich eine hilfsbereite Tochter zu bieten, die sich bereit erklärt, uns und unser reichhaltiges Gepäck etwas näher an das geliebte Meer zu kutschieren. So können wir also von Bülk aus starten und müssen uns nicht im Boot durch die ganze Kieler Förde quälen.
Wir stimmen uns kurz über den Kurs ab. Es gibt im wesentlichen nur zwei Optionen: Die Küste entlanghangeln und die Eckernförder Bucht an ihrem Ausgang queren - oder den direkten Weg Richtung Schleimünde. Ich hätte eher für die Hasenlösung plädiert - schließlich ist das unsere erste ernsthafte Tour - aber Peter sagt nur knapp: "Direkt rüber!"
Ich bin ausgesprochen froh über diese Entscheidung, denn es macht einfach mehr Spaß hier draußen und es fühlt sich deutlich mehr nach "Seekajak" an, als am Strand entlang zu rutschen. Der Wind weht schwach und schiebt uns sanft Richtung Ärö. Heute wären die idealen Bedingungen, diese dänische Insel anzusteuern, aber die kleine Richtungskorrektur, damit wir in Schleimünde landen, kostet nicht viel Mühe.
Es sind Unmengen von Seglern unterwegs, die natürlich auch alle den direkten Kurs nehmen und wir so mit ihnen im selben schmalen Korridor fahren. Man sieht einigen deutlich an, dass sie skeptisch auf die zwei Kajaks blicken, die nach ihrer Auffassung so weit draußen eigentlich nicht vorkommen sollten. Aber alle grüßen freundlich - wenn sie uns denn überhaupt sehen!
Normalerweise liegt das Schießgebiet vor dem nördlichen Schwansen so weit draußen, dass man nie Gefahr läuft, mit ihm in Konflikt zu geraten. Heute müssen wir tatsächlich unseren Kurs leicht korrigieren, um nicht in den gesperrten Bereich zu gelangen. Manche Segelyacht sagt sich aber auch "An Himmelfahrt wird nicht geschossen!" und fährt ungerührt mitten durch.
Der Wind weht die gesamte Zeit über beständig aus der gleichen Richtung in der selben Stärke. Man erkennt auf unserer GPS-Spur deutlich, dass wir in den Zeiten unserer Pausen direkt und mit anderthalb Stundenkilometern Richtung Ärö verdriftet werden. Wir hätten nach Ärö fahren sollen!
Wir machen einen kleinen Abstecher nach Olpenitz, um den Baufortschritt zu begutachten. Es sind hier und da ein paar fertiggestellte Häuser zu sehen und einen Strand hat man in dem Areal auch schon angelegt. Aber irgendwie hat das Ensemble doch noch etwas von Geisterstadt. Während wir so im Hafenbereich rumdümpeln, höre ich ein Segelschiff von hinten dicht an uns heranrauschen. Erst denke ich, dass sich da vielleicht jemand verfahren hat und nach dem Weg fragen will, aber dann erkenne ich, dass es sich um die "Mollimauk" handelt. Karen ist heute morgen mit Klaus-Peter und ihrer Schwester auch in Kiel losgefahren und hat uns hier eingeholt.
Wir laufen in die Schlei ein und sind erstaunt, dass sich die Boote im Hafen dort nicht dicht gepackt drängeln. Es sind noch reichlich Liegeplätze frei - und wir sind die ersten, die dort Zelte aufbauen. Es soll uns recht sein, denn so haben wir die Garantie auf einen ruhigen Abend. Was uns allerdings nicht so recht ist, ist die Tatsache, dass die Giftbude geschlossen ist. Der Hafenmeister weiß auch nicht warum - oder wann die wieder auf macht. Ich hatte Peter zu einem Essen hier eingeladen, aber das müssen wir nun ein andermal nachholen.
Außer uns laufen gegen Abend noch zwei paddelnde Paare aus Oldenburg bei Bremen auf der Halbinsel ein. Sie sind die Schlei hoch gepaddelt, wollen morgen ein wenig auf die Ostsee und dann wieder zurück.
Wir machen es uns gemütlich, sehen den vielen in die Schlei einlaufenden Seglern nach, machen einen Spaziergang so weit es dieses begrenzte Areal zulässt und bruzzeln einen Ersatz für das ausgefallene Abendessen auf unseren Trangias.
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