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Samstag, 28. August 2010

Zweite Leuchtturmfahrt 2010

Samstag, 28. August


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Wie schon im letzten Jahr habe ich auch dieses Jahr wieder eine Leuchtturmfahrt parallel zur Schwentinewanderfahrt im Verein angeboten, die nicht so arg lang sein sollte. Daher habe ich als Startpunkt die Badeanstalt in der Heikendorfer BUcht gewählt. Das spart gute zehn Kilometer gegenüber einem direkten Start von unserem Bootshaus aus.

Dieter vom Nachbarverein und Klaus-Peter wollen mich an diesem sonnigen Samstag Morgen begleiten. Das Wetter ist entgegen den Erwartungen überraschend sonnig, aber der Wind ist so wie angesagt. Es weht recht konstant mit einer mittleren Fünf aus West bis Nordwest. Das stimmt mich ganz zuversichtlich, denn die Stärke können wir ganz gut handhaben und die Richtung bürgt dafür, dass wir für die Rückfahrt bei nachlassenden Kräften eine gute Unterstützung haben. Die knapp zehn Kilometer bis Bülk sind in anderthalb Stunden bewältigt. Hier machen wir kurz Pause und blicken uns tief in die Augen, ob wir die Überfahrt tatsächlich antreten wollen.

Der Himmel ist immer noch makellos blau und der Wind hat sich sogar etwas gelegt, so dass er während unserer Pause nur noch mit vier Beaufort weht. "Das sollte machbar sein.", ist die einhellige Einschätzung.

Als wir Bülk deutlich hinter uns gelassen haben und der Blick auf die weite Ostsee frei wird, sehen wir gleich, dass in weiter Ferne bereits Regenwolken aufgezogen sind. Es besteht eine große Wahrscheinlichkeit, dass sie uns erreichen, aber eben auch eine kleine, dass sie an uns vorrüberziehen. Nicht dass wir den Regen fürchten würden, aber Regenschauer bedeuten eben auch immer größere Windgeschwindigkeiten und Böen. Da wir nur zu dritt und sichere Paddler sind, wollen wir unsere Chance nutzen.

Die Wellen während der Überfahrt sind bis einen Meter hoch aber gutmütig und es macht Spaß, in ihnen zu fahren. Allerdings werden wir durch Wind und Strömung kräftig nach Osten versetzt, so dass ich mit 30 Grad einen gehörigen Vorhaltewinkel fahre. Leider zeigt sich bald nach der Kabeltonne, dass die Front natürlich nicht geräuschlos vorüberzieht sondern uns demnächst erreichen wird. Als sie dann eintrifft, steigt die Windstärke auf sechs, so dass wir mit der Nase direkt in den Wind gehen, damit wir uns nicht so sehr um das Aufrechtbleiben kümmern müssen. Wenn es sich um eine einzelne Front gehandelt hätte, mag es Sinn gemacht haben, diese abzuwettern und dann im folgenden Lull weiterzufahren. Aber der Blick an den fernen Himmel zeigt deutlich, dass mit dem schönen Wetter von heute morgen Schluss ist und die nächste Front nicht lange auf sich warten lassen wird. So steht also mein Entschluss fest: Bülk ist der nächste Leuchtturm, den wir anlaufen.


Natürlich wütet die Front nur genau so lange, bis wir im Windschutz der Küste sind. Aber so können wir unsere ausgiebige Pause wenigstens im strahlenden Sonnenschein verbringen. Als es dann wieder ungemütlich wird, schlüpfen wir in unsere getrockneten Sachen und machen uns auf den Rückweg. Noch ein paar durchziehende Fronten beglücken uns mit steifem Wind und ergiebigem Regen mit dicken Tropfen. Aber wir sind so gut dabei, dass wir uns entschließen, nicht bereits in Heikendorf an Land zu gehen, sondern direkt zum Vereinsheim zurückzufahren. Zwar unterstützt uns der Wind wie erhofft, aber leider hat er doch in der Stärke etwas gegenüber dem Vormittag nachgelassen.

Heute ist "Extreme 40"-Regatta direkt vor unserem Vereinssteg. Das kenne ich schon vom letzten Jahr, da kann man nicht einfach hinpaddeln, sondern muss ich mit den Begleitbooten abstimmen und einen günstigen Zeitpunkt abpassen. Als wir uns dem Regattafeld nähern, spreche ich die Besatzung eines Rettungsbootes an, aber die haben keinen Funkkontakt zur Rennbegleitung wie erhofft. Da sich niemand um uns kümmert, fahren wir eben auf eigene Faust dicht an die Kaimauern geschmiegt zu unserem Steg. Etwas lax die Absperrung dieses Jahr für meine Begriffe. Schwieriger als das Passieren der Rennboote erwies sich dann der Transport der Boote durch die Zuschauerreihen, die die Katamarane beobachten und natürlich für nichts anderes Augen hatten. Es hat mich überrascht, wie rege der Besuch dieser Veranstaltung war, obwohl das Wetter alles andere als einladend war. So ist er eben der Kieler: regendicht und wassersportbegeistert!

Dienstag, 30. März 2010

Die Trave zur Münde

Klaus-Peter, der Gewissenhafte, fährt die Touren, die er anbietet, immer im Vorhinein ab. Diesmal soll der letzte, noch fehlende Teil der Trave bezwungen werden. Richard und ich haben das Angebot zur Mitfahrt dankend angenommen.

Allerdings ist dieses Angebot mit der unangenehmen Tatsache verbunden, dass wir um 6:00 Uhr aufstehen müssen, denn Lübeck ist weit und verkehrstechnisch schlecht zu erreichen. Zum Teil geht der frühe Start aber auch auf meinen Wunsch zurück, dass ich abends gerne noch an meinem Schwedisch-Kurs teilnehmen möchte, wenn irgend möglich. Aber für eine schöne Fahrt nehmen wir manches Manko in Kauf.

Wir starten beim Lübecker Ruderklub, wo unsere letzte Tour ihren Abschluss gefunden hatte, und umrunden eben noch die gesamte Altstadt, denn das kostet nichts extra. Vorbei am Holstentour kommen wir wieder zu der Stelle, wo tatsächlich noch Wäsche auf Leinen im Freien getrocknet wird. Ein seltener Ablick heutzutage. Richards Erinnerungen an diese Stelle sind allerdings geringfügig andere: "Hier lag doch damals die Frau im Bikini in der Sonne!".

Aus der Altstadt heraus tauchen wir in ein länger ausgedehntes Industriegebiet, in dem es nach den unterschiedlichsten Dingen riecht: Als erstes nach den Cornflakes der Firma Brüggen, dann nach Zuckerwatte und gebrannten Mandeln unbekannten Ursprungs. Etwas weiter riecht es nach Melasse, was wohl von der Marmeladenfabrik "Schwartau" herrührt. Die Fabrikanlagen an den Ufern machen einen eher verschlafenen Eindruck an diesem Dienstag Vormittag, einzig bei den Speditionen herrscht etwas Leben.

Es wechselt vom Winter noch nicht erwachte Natur mit vom Menschen nach ökonomischen Kriterien optimierten Flächen. Am südlichen Ufer liegt verschlafen das Fischerdorf Gothmund, das aus lauter reetgedeckten Häusern besteht.
 


Auf der anderen Seite beherrschen große Sandhaufen die Szene. Hier stand bis vor kurzem noch die Herrenbrücke, die nun unter Tage verläuft und seitdem Herrentunnel heißt.


Der Wind bläst uns nun ziemlich grimmig ins Gesicht, aber die Landschaft lädt hier auch nicht unbedingt zum Verweilen ein und so kämpfen wir uns wacker an aller Zivilisation vorbei bis zu einem kleinen Sandstrand, an dem wir unsere verdiente Pause machen.
Die Trave wird hier sehr breit, aber die Ufer sind schön hügelig und bewaldet. Am südlichen Ufer gibt es allenthalben schöne Sandstrände, wo man fast überall problemlos Pause machen könnte.

Kurz vor Travemünde macht unser Fluss eine Biegung nach Norden und wir kommen damit endlich in den Genuss eines guten Rückenwindes. Damit sind wir deutlich schneller als bislang. Kurz vor dem Übergang in die offene Ostsee liegt die Viermastbark Passat, die wir uns aus der Nähe ansehen.


Wir verlassen kurz die Trave Richtung Ostsee und legen am frisch geharkten Strand von Travemünde im Schatten des kollossalen Maritim-Hotels an. Klaus-Peter macht sich auf die Socken, mit dem Bus nach Lübeck zurückzufahren und unser Auto zurückzuholen. Währenddessen schleppen Richard und ich unsere Boote in den Kurpark - der bei weitem anstrengendste Teil der Tour! Während wir auf die Rückkehr von Klaus-Peter warten, haben wir Gelegenheit, uns das verhaltene Treiben zwischen Kasino und Kurhaus anzusehen. Im Sommer ist es hier vermutlich nicht halb so beschaulich.

Ich bin Klaus-Peter ehrlich dankbar, dass er immer so schöne Flusstouren anbietet. Ohne ihn wäre ich um etliche Erfahrungen ärmer!



Alle Fotos hier.