Montag, 25. Mai 2026

EPP4-Prüfungsersatzfahrt

Nachdem Elke und ich in den letzten zwei Jahren etwa zwanzig Aspiranten für ein EPP4-Zertifikat verwurstet haben, gab es für das diesjährige Angebot nur eine einzige Anmeldung. Ich finde das nicht sonderlich verwunderlich, denn die Anzahl möglicher Kandidaten für eine solche Prüfung ist ja eher begrenzt. Offensichtlich haben wir da bereits einen gewissen Berg abgetragen und nun muss sich erst wieder einer anhäufen.

Aber Elke wäre nicht Elke und ich nicht ich, wenn wir uns durch solche Kleinigkeiten aus dem Konzept bringen ließen. Wenn sich keine Opfer freiwillig melden, suchen wir uns eben selbst Begleitung für ein Wochenende auf Hooge! Aus Bremen war eine gute Anzahl Paddler angekündigt, so dass ich nur Lena gefragt habe, ob sie Lust hätte, uns zu begleiten. Hatte sie!

Das Abendhochwasser in Schlüttsiel sollte etwa um 19 Uhr sein. Lena muss freitags bis 18 Uhr arbeiten, zwei Stunden Hinfahrt, eine Stunde Packen vor Ort — vor 22 Uhr wären wir vermutlich nicht los gekommen. Das lohnt nicht und würde nur Stress aufkommen lassen! Wir fahren gemütlich am Freitag Abend von Kiel nach Ockholm und übernachten dort auf der Kirchwarft. Zivile 15 Euro kassiert man hier für zwei Erwachsene mit Zelt.

Nachdem die Bremer Delegation eintrifft, die sich mittlerweile auf vier Nasen eingedampft hat, entwerfen wir kurz einen Plan für den nächsten Tag. Hochwasser ist um halb acht, losfahren wollen wir um halb neun. Ich bringe die Option ins Spiel, dass wir wegen des frühen Starts und der vergleichsweise lieblichen Bedingungen überlegen könnten, an Hooge vorbei direkt weiter bis zum Wrack der Pallas zu fahren — eine Unternehmung, für die die Bedingungen nicht allzu häufig so günstig sind. Die Aussicht auf dieses Abenteuer wird allgemein mit einer gewissen Begeisterung aufgenommen. Was die Sache so einfach macht, ist die Tatsache, dass man sich nicht schon am Anfang dazu bekennen muss, sondern erst einmal bis Hooge paddeln, sich dort in die Augen sehen und fragen kann, wie sich die Fahrt bis hierher entwickelt hat, wie man sich fühlt, und ob die Begeisterung nach zwanzig gepaddelten Kilometern noch für vierzig weitere reicht!

Außer Elke und mir sind unsere Mitpaddler alle relative Neulinge in diesem Revier. Hannes und Frank sind das erste Mal hier — Frauke und Lena das zweite Mal! Alle sind aber hinreichend kompetent, dass sie sich hier auch alleine zurecht finden können. Damit sie aber nicht nur passiv hinterherfahren, sondern die Navigation selbst aktiv bestreiten müssen, überlasse ich ihnen die Wegfindung. Das klappt sehr gut — auch wenn wir statt zur eigentlich angedachten Tonne SA 26/Schlütt 2 zur Tonne SA 28 gefahren sind. Das ist nicht falsch sondern nur anders. Aber dadurch können alle lernen, dass man sich erstens verdammt schnell die erste sichtbare Tonne als nächste anzusteuernde aussucht. Danach hält man an ihr fest, auch wenn sich die Anzeichen mehren und verdichten, dass es die falsche ist. Und zweitens kann man lernen, wie man erkennen kann, dass es nicht das richtige Ziel ist: der Kompasskurs weicht immer drastischer vom Erwartungswert ab, und im Hintergrund ist Pellworm zu sehen und nicht Hooge, wie es eigentlich sein müsste.

Start um 8:30 Uhr; Ende 11:30 Uhr
Nach diesem kleinen Schlenker geht es  mustergültig weiter in das Hooge-Fahrwasser bis zur Tonne Ho 5, die genau nördlich vor der Einfahrt des Segelhafens liegt. Hier blicken wir uns in die Augen und ins Gemüt und versuchen zu ergründen, wie es um unser inneres Verhältnis zur Option "Wir fahren durch bis zur Pallas!" bestellt ist. Wir hatten die gesamte Zeit über Gegenwind von vier Beaufort, der ließ die Boote unangenehm platschen und stahl uns immer wieder erklecklich Fahrt. Die Mehrzahl der Augen, in die ich blicke, lassen eine klare "war schön — aber eigentlich reicht es auch"-Gemütslage erkennen. Wir verschieben die Eroberung der Pallas auf den nächsten Tag.

Wir steigen östlich der Hafeneinfahrt aus. Das Wasser steht noch so hoch, dass man mit dem Schiff noch auf Sand und Muschelschalen aufsetzt und nicht durch den Schlick stapfen muss. Generell kommt man hier mit einer Gruppe gefahrlos an Land bzw. ins Wasser — um den Preis, dass man seine Boote um das Hafenbecken herumrollern muss. Aber das ist mir lieber, als Invaliden zu produzieren, die im Zweikampf mit den amerikanischen Austern auf der Westmole den Kürzeren gezogen haben.

Nach der kurzzeitigen Verwirrung, dass das  Zelten auf Hooge aus Naturschutzgründen absolut untersagt ist, ist eine pragmatische Lösung gefunden worden, dass Einzelpaddler und kleine Gruppen auf der Wiese direkt unter dem Segelheim übernachten können. Eine Seekajak-Woche kann man aber vermutlich nicht mehr ausrichten. 

Es ist Pfingsten, und es herrscht angesagt gutes Wetter — aber außer uns sind keine weiteren Zelte im Hafen — nur Segler! Keine Ahnung, wo all die anderen sind! Vielleicht auf Sylt, wo an diesem Wochenende großes Gedränge herrscht? Mir soll es sehr recht sein.

Wir sind ja bereits um die Mittagszeit auf Hooge angekommen, so dass wir einen herrlich entspannten Tag verbringen können. Als erstes muss der überwiegende Teil der Gruppe baden gehen. Ich kann ja leider wieder nicht dabei mitmachen, weil ich wie immer fotographieren muss 😐! Danach ist gemütliches Kochen angesagt. Da ich meinen üblichen Privatkoch Jörg diesmal nicht dabei habe, habe ich mich auf Einfachstverpflegung beschränkt: Hühnerfrikassee mit Reis, das ich nur aufwärmen muss. Die anderen kochen aufwendiger, und Hannes hat mit seinen Kindern wieder leckere Backwaren in großer Menge produziert, an denen wir uns gerne bedienen.

Das Ziel für morgen steht ja schon fest, aber ein solider Plan fehlt noch. Wir müssen uns Gedanken machen, wann wir am besten losfahren und wie wir navigieren, damit wir gut und sicher zur Pallas kommen — und wieder zurück!

Der Strömungskipp an der Pallas ist zwischen vier und fünf Stunden vor Hochwasser Helgoland. Das ist heute um 19 Uhr. Wir möchten also zwischen 14 und 15 Uhr am Wrack sein, um sowohl auf dem Hin- wie auch auf dem Rückweg nicht gegen die Tide fahren zu müssen. Die Strecke beträgt gute zwanzig Kilometer — benötigt also etwa drei Stunden Fahrzeit. Das bedeutet eine Startzeit zwischen 11 und 12 Uhr. Das ist ausgesprochen christlich und lässt ein gründliches Ausschlafen und ein ebensolches Frühstück zu. Andererseits ist das recht dicht am Niedrigwasserzeitpunkt auf Hooge und würde einen schlickigen Start bedeuten. Wir einigen uns auf den Kompromiss, etwas früher zu starten und dafür eine ausgiebige Pause auf dem Jappsand zu machen. Bingo! Plan steht!

Frank hat eine anstrengende Woche hinter sich und möchte eine Tag der Entspannung auf der Hallig verbringen. Er erhält von uns den Auftrag, ins Kino zu gehen und dort den ebenso einzigen wie legendären Film über das Halligleben bei Hochwasser anzusehen.

Wir starten bei angenehmem Wasserstand um kurz nach zehn. Nach der einstündigen Pause fahren wir von Jappsand aus erst einmal stumpf nach Westen und steuern die Tonne St22 an, die praktisch an der Gabelung der beiden Prielsysteme Schmaltief und Rütergatt steht. Recht bald merken wir, dass wir erklecklich gegen Strom und Wind nach Norden vorhalten müssten, um dieses Zwischenziel zu erreichen. Das macht nicht wirklich Sinn, wenn wir im Grunde nach Süden wollen. Also lassen wir diese Tonne, wo sie ist und steuern die nächst südlichere an. Auf dem GPS-Track sieht man sehr schön, wie wir in den Pausen, in denen wir innehalten und unsere Navigation abstimmen, mit ca. 3km/h genau nach Süden versetzt werden.

Der Wind weht heute anfangs mit drei Beaufort aus Nordwest, später mit vier aus West. Dafür ist die See erstaunlich glatt. Wir sind durchgehend mit sechs bis sieben Stundenkilometern unterwegs, was für ein Tidengewässer eher gemächlich ist, was aber perfekt zu unserem Plan passt, unser Ziel nicht vor Strömungskipp zu erreichen. Als wir nur noch wenigen hundert Meter vom Wrack entfernt sind, taucht ein Kajak auf, das uns entgegen fährt! Es ist Simone, die von Sylt aus alleine hierher gefahren ist. Respekt!

Da die Verhältnisse heute so lieblich sind, erkunden wir die Überreste des Holzfrachters sehr gründlich von allen Seiten. Es ist ein ziemlich magischer Ort: eigentlich ist hier nichts, nur ein trostloser Rosthaufen in the middle of nowhere. Aber es bedarf eben schon einiger Navigation, ihn zu finden und der festen Entscheidung, auch wirklich soweit raus zu fahren. Und wenn man diesen Punkt dann gefunden und erreicht hat, ist man auch ein bisschen Stolz, denn hier kommen nur ganz wenige Menschen hin — definitiv weniger als auf den Gipfel des Mount Everest!

Simone ist recht bald nach unserer Begegnung abgefahren — genau nach Osten. Sie war bereits nach wenig mehr als fünf Minuten nicht mehr zu sehen. Wir schlagen den gleichen Weg ein, folgen dann aber ab Tonne 8 dem Verlauf des Rütergatts nach Nordosten. Es herrscht sehr gute Sicht. Amrum ist die gesamte Zeit über zu sehen, Föhr auch irgendwann, dann die Außensände und schließlich Hooge. Was verschwunden zu sein scheint, ist Langeness! Keine Spur davon zu sehen, obwohl Hooge und Föhr eindeutig zu erkennen sind! Erst als wir schon recht nah an Jappsand sind, erkennt man Langeness und die Welt ist wieder im Lot! Die Hallig ist einfach zu flach und unsere Augenhöhe zu niedrig ist, um früher etwas davon zu sehen zu bekommen. 

Nach unserer Ankunft auf der Zeltwiese kommen bald noch drei Paddler aus Husum dazu. Sie sind früher mal hier gepaddelt und haben beschlossen, in ihrem Ruhestand ihr altes Hobby wiederzubeleben. Sie haben aber noch nicht alle Veränderungen mitbekommen, die sich in diesem Gebiet in den letzten 30 Jahren ergeben haben. Es ist heute einfach um so vieles sensibler und restriktiver geworden, dass man sich sehr viel umsichtiger verhalten muss als früher. 

Wer nicht da ist, ist Simone! Wir rätseln, wo sie statt nach Hooge hingefahren sein könnte, aber uns fällt nichts plausibles ein. Erst als wir schon längst das Abendessen vorbereiten, kommt sie schließlich angerollert! Sie hat auf Jappsand Pause gemacht und länglich den Trittstein gesucht. 

Für den Pfingstmontag teilen wir uns in zwei Gruppen auf: Lena und ich wollen mit der frühen Flut zurück, um nicht allzu spät nach Hause zu kommen. Die anderen ziehen einen gemütlichen Vormittag auf der Hallig vor und wollen mit der zweiten Flut zurück — aber so früh wie es eben geht. Ich bitte Elke, mir den Zeitpunkt und ein Foto zu schicken, damit ich weiß, wie gut man bei dem Tidenstand in Schlüttsiel aus dem Wasser kommt. Ergebnis: Ankunft drei Stunden vor Hochwasser — Ausstieg an der nördlichen Rampe kein Problem!

Auf der Rückfahrt lösen wir wieder ein auftretendes navigatorisches Problem: von Tonne SA24 kommend müssten wir zur Tonne SA26 fahren. Auf der Hintour hatten wir hier irrtümlich die Tonne SA28 aufs Korn genommen, weil die früher zu sehen war. Jetzt sehen wir in der Ferne eine rote Tonne, sind uns aber nicht sicher, ob es die 26 oder die 28 ist. Ein Blick auf die Seekarte zeigt, dass Gröde von uns aus direkt hinter unserer Tonne liegen müsste. Wir sehen Gröde sehr deutlich, aber das liegt nicht hinter der Tonne sondern nördlicher! Ist die gesichtete Tonne also wieder nur die 28? Da wir uns nicht sicher sind, fahren wir einfach in die richtige Richtung! 45 Grad noch Nordosten, wie die Daumenpeilung besagt! Damit sind wir auf der sicheren Seite und fahren eine ziemlich ideale Linie zur Tonne Schl4!

Eine Überprüfung zu Hause ergibt, dass Gröde zwar genau hinter der Tonne 26 liegt - aber von unsererm niedrigen Standpunkt aus nicht zu sehen ist! Was wir gesehen haben, ist lediglich die Warft, die halt viel höher liegt als das Land südlich davon! 

Übrigens habe ich wohl auf keiner Nordseetour so wenig Robben gesehen wie auf dieser!

GPS-Daten hier

 

Sonntag, 29. März 2026

Schleimünde im "Februar"


"Schleimünde Februar 2026" heißt die Signal-Gruppe, in der wir uns über unser Vorhaben für das erste Wochenende des titelgebenden Monats abstimmen. Leider sind die Temperaturen aber Wochen vor dem geplanten Termin dergestalt, dass Zweifel an der Klimaerwärmung aufkommen könnten: die Schlei ist in großen Teilen zugefroren!

Eine längliche Diskussion hebt an, wie wir mit dem misslichen Aggregatzustand umgehen. Am Ende steht ein neuer Termin für unsere Unternehmung: das letzte Wochenende im März. Bis auf eine Teilnehmerin können alle auch diesen Termin ermöglichen. Ein Nachrücker ist schnell gefunden — die Signal-Gruppe behält ihren Titel.

Es sind fünfzehn Teilnehmer angemeldet, und Anja hat es mal wieder geschafft, das Lotsenhaus für uns zu mieten. Es sind alles alte Schleimünde-Hasen, so dass die Abstimmung, wer was für die gemeinsame Essenszubereitung mitbringt, kein großes Aufheben macht.

Startort soll wieder Sieseby sein. Das sind rund 18 Kilometer und damit eine gute Tagestour. Der Wind bläst einigermaßen frisch aus einer gnädigen westlichen Richtung. Ulrich hat sogar sein Segel mitgenommen und rauscht gleich mächtig davon. Ich strenge mich am Anfang kurz an, um ihn einmal beim Segeln zu filmen. Danach rauscht er der Gruppe davon, und ich trödele ihr gemächlich hinterher. 

Durch den kooperativen Rückenwind sind wir mächtig zügig unterwegs und kommen nur in Arnis einmal kurz zum Sammeln zusammen — eine wirkliche Pause brauchen wir nicht. Ganze zwei und eine viertel Stunde dauert die Hinfahrt. Trotz des hohen Tempos ist niemand über das für die noch junge Saison vertretbare Maß angestrengt. Dass das für die Rückfahrt am Sonntag vermutlich nicht gilt, ist uns schon jetzt klar.

Peter hat sich ein neues Zelt gegönnt und muss dessen Performance ausprobieren, Sven ist wieder minimalistisch unterwegs und stellt sein Tarp auf den Sand. Auch ich lasse mir die Gelegenheit nicht entgehen, unter freiem Himmel zu übernachten. Aus der eindrücklichen Erfahrung am Wochenende vor vierzehn Tagen habe ich diesmal sogar meinen Schlafsack eingepackt! Damals hörte meine Körperwahrnehmung in der Nacht südlich der Kniee auf  — jenseits davon befanden sich nur noch irgendwelche fremdartigen Eiszapfen. Die Nachttemperatur betrug da aber nur etwa drei Grad, heute soll es nur auf fünf Grad herunter gehen.

Während wir unsere Stoffhütten aufbauen, wird im Lotsenhaus die Zimmerbelegung ausgefochten. Offensichtlich geht das aber ohne Blutvergießen vonstatten. Die Anzahl der Zimmer in dem Gebäude ist aber geeignet, durchaus auch noch größere Gruppen zu beherbergen. Danach wird zügig zum Abendessen übergegangen. Jeder hat irgend etwas mitgebracht, das auf den Tisch kommt und allen zur Verfügung steht. Es gibt leckeren Chinoa-Salat, einen Salat mit roten Beeten, Fladenbrot, Zimtbrötchen, leckere Dinger von Lena mit Äpfeln und Tomaten und ich weiß nicht, was alles noch. Und alles in schier unbewältigbaren Mengen, so dass wir fürchten, wir müssen unseren Aufenthalt hier verlängern, damit wir nicht die Hälfte davon mit zurück nehmen müssen.

Die Nacht war entspannt. Es ist kaum zu glauben, was so ein Schlafsack für einen Unterschied macht! Auch die beiden anderen Draußen-Schläfer sind zufrieden mit der Performance ihrer Ausrüstung. Beim Frühstück werden Pläne für den Tag geschmiedet. Nicht alle wollen nach Kappeln, um dort ein Fischbrötchen abzugreifen, einige ziehen eine Fahrt zum Leuchtturm Falshöft vor. So bilden wir zwei Gruppen — die Falshöft-Fraktion startet deutlich früher, denn sie hat ja eine weitere Strecke zu bewältigen. Ich möchte zum einen nicht so früh starten und will vor allem nicht auf das Fischbrötchen verzichten!

In Kappeln müssen wir am Ostufer anlegen, weil die andere Seite fest im Griff der zahlreichen Angler ist und wir fürchten, gegen deren Überzahl im Konfliktfall nicht bestehen zu können. Aber hier können wir die Boote auch viel problemloser deponieren. Unser Weg führt direkt zum amtlichen Fischbrötchen-Händler von Kappeln, der Fischräucherei Föh. Leider setzt unterwegs Regen ein, so dass Elli mit ihrer Daunenjacke einen beschleunigten Schritt vorlegt. Aber die Fischbrötchen sind einfach exquisit! Peter muss sich sogar noch ein Zweites bestellen.

Nach der Ankunft in unserer temporären Herberge auf der Lotseninsel bleibt mir nicht viel Zeit zur Entspannung. Ich kann nur eine kurze Weile in meinem Buch "Das Rosi-Projekt" lesen, da steht schon der nächste Pflichtpunkt auf dem Programm: Kaiserschmarrn essen! Peter hat mal wieder sein Boot voll Eier geladen und brutzelt für uns alle eine fluffige Stärkung. Zentraler und sinnstiftender Bestandteil sind seit einer Woche in kräftigem Rum ertränkte Rosinen! Ich habe Apfelmus und Vanille-Sauce zur Verfeinerung beigesteuert. Wenn ich das esse, weiß ich wieder, wofür ich all die Strapazen, Entbehrungen und Anstrengungen solcher Unternehmungen auf mich nehme!

Das gesellige Beisammensein hat neben allem Spaß und der Freude am Umgang mit liebenswerten Menschen auch den Effekt, dass in größerer Runde locker und unverbindlich Themen diskutiert werden, die im Verein aktuell sind. Es sind tragende Säulen des Vereinslebens mit von der Partie und solche, die es werden wollen oder mindestens könnten. So kommt eine solide Meinungsbildung zu Stande und oft genug sind daraus auch schon Initiativen entstanden, die den Verein voranbringen.

Für die zweite Nacht nehme ich mir eine Decke aus dem Haus mit, die ich mir als zusätzliches Kopfkissen untergelege. Kopfkissen haben in meiner Jahrzehnte währenden Outdoor-Karriere kontinuierlich an Bedeutung gewonnen! Anfangs habe ich mir einfach immer nur Kleidungsstücke untergelegt, die ich in der Nacht nicht benötigt habe. Irgendwann habe ich mir dann ein aufblasbares Kissen schenken lassen, dass aber wirklich nicht sehr voluminös ist. Dank der zusätzlichen Decke wird die zweite Nacht noch entspannter, obwohl die Lufttemperatur auf nur zwei Grad zurückgeht. Vielleicht werde ich mir irgendwann einmal ein noch voluminöseres Kopfkissen schenken lassen!

Auch für die Rückfahrt am Sonntag bilden sich zwei Gruppen. Betzi hat am Nachmittag noch einen Termin und will nicht in Verdrückung geraten. Sie will mit Jens früher starten. Für alle anderen wird ein Abfahrttermin von zehn Uhr dreißig festgelegt. Sommerzeit! Allerdings sitzen wir unerklärlicher Weise bereits um zehn Uhr abfahrbereit in den Booten. Der Wind weht immer noch aus Westen und soll heute im Verlauf des Tages weiter zunehmen. Wie erwartet sind wir nicht ganz so schnell wie auf der Hintour. Aber im Grunde bin ich eher überrascht, wie harmlos der Wind ist — bis wir in Arnis aus dem Hafengebiet herausfahren! Während die Schlei zwischen Kappeln und Arnis ziemlich genau in Nord-Süd-Richtung verläuft, öffnet sie sich hier nach Süd-West. Entsprechend ungehindert bläst uns der Wind nun ins Gesicht! Allerdings gehen wir gleich im kleinen Steinhafen beim Spielplatz an Land, um Pause zu machen.

Anja hat in der Zwischenzeit eine Nachricht von Betzi empfangen, die mit Jens bereits in Sieseby angekommen ist. Sie sagt, dass dieses offene Stück keinen Spaß bereitet und bietet an, die Fahrer unserer Fahrzeuge in Sundsacker gegenüber von Arnis abzuholen und nach Sieseby zu fahren. Die paar hundert Meter offenes Wasser zwischen dem geschützten Arniser Hafen und dem Anlanden am Pausenplatz haben allen klar gemacht, dass es ein zäher Kampf werden würde, den Parkplatz unserer Autos auf dem Wasserwege zu erreichen.

Jörg und ich waren den ganzen Winter regelmäßig paddeln, so dass wir im Training sind. Lena geht auch regelmäßig paddeln und ist so jung, dass sie Anstengung ohne Probleme wegstecken kann. Peter ist eh unkaputtbar — und gegen Maditha ist der Duracell-Hase ein Schlappschwanz! Wir machen uns also zu fünft auf den Rückweg, die anderen setzen das kurze Stück auf die andere Schleiseite um und warten auf das Shuttle.

Wir queren zuerst auf die andere Seite und hangeln uns anfangs dicht ans Ufer geschmiegt vorwärts. Es gibt hier zwar keinen Windschutz, aber hier haben die Wellen nicht eine so häßliche Höhe, dass sie das Boot zum Bocken bringen. Nach einiger Zeit stelle ich fest, dass der Wind eigentlich gar nicht so garstig ist und ich keine große Mühe habe, dagegen anzukommen. Also fahre ich doch etwas weiter nach draußen — hier fühlt es sich etwas mehr nach Seekajak-Fahren an! Zu meiner Überraschung benötigen wir nur knapp mehr als eine Stunde, bis wir in das Schilf von Sieseby einlaufen.

Die Daten sind von Sonntag, dem 29.!

Der Wind legte während unserer Rückfahrt tatsächlich kontinuierlich zu. Zum Start (10 Uhr) kamen uns zarte vier Beaufort entgegen, zum Schluss (14:30 Uhr) mussten wir gegen eine solide Fünf ankeulen — mit Böen im Sechser-Bereich. Ein Glück, dass Jens und Betzi früher gestartet sind und uns so den Transfer-Service anbieten konnten, so dass nicht alle die gesamte Strecke gegen den Wind zurückpaddeln mussten. Wir Fünf haben zwar alle Spaß gehabt, aber ohne ausreichendes vorheriges Training wäre das für mache bestimmt eine spaßbefreite Schinderei geworden. So können alle das Wochenende als gelungenen Auftakt für eine vielversprechende Saison verbuchen!

GPS-Daten hier