Montag, 25. Mai 2026

EPP4-Prüfungsersatzfahrt

Nachdem Elke und ich in den letzten zwei Jahren etwa zwanzig Aspiranten für ein EPP4-Zertifikat verwurstet haben, gab es für das diesjährige Angebot nur eine einzige Anmeldung. Ich finde das nicht sonderlich verwunderlich, denn die Anzahl möglicher Kandidaten für eine solche Prüfung ist ja eher begrenzt. Offensichtlich haben wir da bereits einen gewissen Berg abgetragen und nun muss sich erst wieder einer anhäufen.

Aber Elke wäre nicht Elke und ich nicht ich, wenn wir uns durch solche Kleinigkeiten aus dem Konzept bringen ließen. Wenn sich keine Opfer freiwillig melden, suchen wir uns eben selbst Begleitung für ein Wochenende auf Hooge! Aus Bremen war eine gute Anzahl Paddler angekündigt, so dass ich nur Lena gefragt habe, ob sie Lust hätte, uns zu begleiten. Hatte sie!

Das Abendhochwasser in Schlüttsiel sollte etwa um 19 Uhr sein. Lena muss freitags bis 18 Uhr arbeiten, zwei Stunden Hinfahrt, eine Stunde Packen vor Ort — vor 22 Uhr wären wir vermutlich nicht los gekommen. Das lohnt nicht und würde nur Stress aufkommen lassen! Wir fahren gemütlich am Freitag Abend von Kiel nach Ockholm und übernachten dort auf der Kirchwarft. Zivile 15 Euro kassiert man hier für zwei Erwachsene mit Zelt.

Nachdem die Bremer Delegation eintrifft, die sich mittlerweile auf vier Nasen eingedampft hat, entwerfen wir kurz einen Plan für den nächsten Tag. Hochwasser ist um halb acht, losfahren wollen wir um halb neun. Ich bringe die Option ins Spiel, dass wir wegen des frühen Starts und der vergleichsweise lieblichen Bedingungen überlegen könnten, an Hooge vorbei direkt weiter bis zum Wrack der Pallas zu fahren — eine Unternehmung, für die die Bedingungen nicht allzu häufig so günstig sind. Die Aussicht auf dieses Abenteuer wird allgemein mit einer gewissen Begeisterung aufgenommen. Was die Sache so einfach macht, ist die Tatsache, dass man sich nicht schon am Anfang dazu bekennen muss, sondern erst einmal bis Hooge paddeln, sich dort in die Augen sehen und fragen kann, wie sich die Fahrt bis hierher entwickelt hat, wie man sich fühlt, und ob die Begeisterung nach zwanzig gepaddelten Kilometern noch für vierzig weitere reicht!

Außer Elke und mir sind unsere Mitpaddler alle relative Neulinge in diesem Revier. Hannes und Frank sind das erste Mal hier — Frauke und Lena das zweite Mal! Alle sind aber hinreichend kompetent, dass sie sich hier auch alleine zurecht finden können. Damit sie aber nicht nur passiv hinterherfahren, sondern die Navigation selbst aktiv bestreiten müssen, überlasse ich ihnen die Wegfindung. Das klappt sehr gut — auch wenn wir statt zur eigentlich angedachten Tonne SA 26/Schlütt 2 zur Tonne SA 28 gefahren sind. Das ist nicht falsch sondern nur anders. Aber dadurch können alle lernen, dass man sich erstens verdammt schnell die erste sichtbare Tonne als nächste anzusteuernde aussucht. Danach hält man an ihr fest, auch wenn sich die Anzeichen mehren und verdichten, dass es die falsche ist. Und zweitens kann man lernen, wie man erkennen kann, dass es nicht das richtige Ziel ist: der Kompasskurs weicht immer drastischer vom Erwartungswert ab, und im Hintergrund ist Pellworm zu sehen und nicht Hooge, wie es eigentlich sein müsste.

Start um 8:30 Uhr; Ende 11:30 Uhr
Nach diesem kleinen Schlenker geht es  mustergültig weiter in das Hooge-Fahrwasser bis zur Tonne Ho 5, die genau nördlich vor der Einfahrt des Segelhafens liegt. Hier blicken wir uns in die Augen und ins Gemüt und versuchen zu ergründen, wie es um unser inneres Verhältnis zur Option "Wir fahren durch bis zur Pallas!" bestellt ist. Wir hatten die gesamte Zeit über Gegenwind von vier Beaufort, der ließ die Boote unangenehm platschen und stahl uns immer wieder erklecklich Fahrt. Die Mehrzahl der Augen, in die ich blicke, lassen eine klare "war schön — aber eigentlich reicht es auch"-Gemütslage erkennen. Wir verschieben die Eroberung der Pallas auf den nächsten Tag.

Wir steigen östlich der Hafeneinfahrt aus. Das Wasser steht noch so hoch, dass man mit dem Schiff noch auf Sand und Muschelschalen aufsetzt und nicht durch den Schlick stapfen muss. Generell kommt man hier mit einer Gruppe gefahrlos an Land bzw. ins Wasser — um den Preis, dass man seine Boote um das Hafenbecken herumrollern muss. Aber das ist mir lieber, als Invaliden zu produzieren, die im Zweikampf mit den amerikanischen Austern auf der Westmole den Kürzeren gezogen haben.

Nach der kurzzeitigen Verwirrung, dass das  Zelten auf Hooge aus Naturschutzgründen absolut untersagt ist, ist eine pragmatische Lösung gefunden worden, dass Einzelpaddler und kleine Gruppen auf der Wiese direkt unter dem Segelheim übernachten können. Eine Seekajak-Woche kann man aber vermutlich nicht mehr ausrichten. 

Es ist Pfingsten, und es herrscht angesagt gutes Wetter — aber außer uns sind keine weiteren Zelte im Hafen — nur Segler! Keine Ahnung, wo all die anderen sind! Vielleicht auf Sylt, wo an diesem Wochenende großes Gedränge herrscht? Mir soll es sehr recht sein.

Wir sind ja bereits um die Mittagszeit auf Hooge angekommen, so dass wir einen herrlich entspannten Tag verbringen können. Als erstes muss der überwiegende Teil der Gruppe baden gehen. Ich kann ja leider wieder nicht dabei mitmachen, weil ich wie immer fotographieren muss 😐! Danach ist gemütliches Kochen angesagt. Da ich meinen üblichen Privatkoch Jörg diesmal nicht dabei habe, habe ich mich auf Einfachstverpflegung beschränkt: Hühnerfrikassee mit Reis, das ich nur aufwärmen muss. Die anderen kochen aufwendiger, und Hannes hat mit seinen Kindern wieder leckere Backwaren in großer Menge produziert, an denen wir uns gerne bedienen.

Das Ziel für morgen steht ja schon fest, aber ein solider Plan fehlt noch. Wir müssen uns Gedanken machen, wann wir am besten losfahren und wie wir navigieren, damit wir gut und sicher zur Pallas kommen — und wieder zurück!

Der Strömungskipp an der Pallas ist zwischen vier und fünf Stunden vor Hochwasser Helgoland. Das ist heute um 19 Uhr. Wir möchten also zwischen 14 und 15 Uhr am Wrack sein, um sowohl auf dem Hin- wie auch auf dem Rückweg nicht gegen die Tide fahren zu müssen. Die Strecke beträgt gute zwanzig Kilometer — benötigt also etwa drei Stunden Fahrzeit. Das bedeutet eine Startzeit zwischen 11 und 12 Uhr. Das ist ausgesprochen christlich und lässt ein gründliches Ausschlafen und ein ebensolches Frühstück zu. Andererseits ist das recht dicht am Niedrigwasserzeitpunkt auf Hooge und würde einen schlickigen Start bedeuten. Wir einigen uns auf den Kompromiss, etwas früher zu starten und dafür eine ausgiebige Pause auf dem Jappsand zu machen. Bingo! Plan steht!

Frank hat eine anstrengende Woche hinter sich und möchte eine Tag der Entspannung auf der Hallig verbringen. Er erhält von uns den Auftrag, ins Kino zu gehen und dort den ebenso einzigen wie legendären Film über das Halligleben bei Hochwasser anzusehen.

Wir starten bei angenehmem Wasserstand um kurz nach zehn. Nach der einstündigen Pause fahren wir von Jappsand aus erst einmal stumpf nach Westen und steuern die Tonne St22 an, die praktisch an der Gabelung der beiden Prielsysteme Schmaltief und Rütergatt steht. Recht bald merken wir, dass wir erklecklich gegen Strom und Wind nach Norden vorhalten müssten, um dieses Zwischenziel zu erreichen. Das macht nicht wirklich Sinn, wenn wir im Grunde nach Süden wollen. Also lassen wir diese Tonne, wo sie ist und steuern die nächst südlichere an. Auf dem GPS-Track sieht man sehr schön, wie wir in den Pausen, in denen wir innehalten und unsere Navigation abstimmen, mit ca. 3km/h genau nach Süden versetzt werden.

Der Wind weht heute anfangs mit drei Beaufort aus Nordwest, später mit vier aus West. Dafür ist die See erstaunlich glatt. Wir sind durchgehend mit sechs bis sieben Stundenkilometern unterwegs, was für ein Tidengewässer eher gemächlich ist, was aber perfekt zu unserem Plan passt, unser Ziel nicht vor Strömungskipp zu erreichen. Als wir nur noch wenigen hundert Meter vom Wrack entfernt sind, taucht ein Kajak auf, das uns entgegen fährt! Es ist Simone, die von Sylt aus alleine hierher gefahren ist. Respekt!

Da die Verhältnisse heute so lieblich sind, erkunden wir die Überreste des Holzfrachters sehr gründlich von allen Seiten. Es ist ein ziemlich magischer Ort: eigentlich ist hier nichts, nur ein trostloser Rosthaufen in the middle of nowhere. Aber es bedarf eben schon einiger Navigation, ihn zu finden und der festen Entscheidung, auch wirklich soweit raus zu fahren. Und wenn man diesen Punkt dann gefunden und erreicht hat, ist man auch ein bisschen Stolz, denn hier kommen nur ganz wenige Menschen hin — definitiv weniger als auf den Gipfel des Mount Everest!

Simone ist recht bald nach unserer Begegnung abgefahren — genau nach Osten. Sie war bereits nach wenig mehr als fünf Minuten nicht mehr zu sehen. Wir schlagen den gleichen Weg ein, folgen dann aber ab Tonne 8 dem Verlauf des Rütergatts nach Nordosten. Es herrscht sehr gute Sicht. Amrum ist die gesamte Zeit über zu sehen, Föhr auch irgendwann, dann die Außensände und schließlich Hooge. Was verschwunden zu sein scheint, ist Langeness! Keine Spur davon zu sehen, obwohl Hooge und Föhr eindeutig zu erkennen sind! Erst als wir schon recht nah an Jappsand sind, erkennt man Langeness und die Welt ist wieder im Lot! Die Hallig ist einfach zu flach und unsere Augenhöhe zu niedrig ist, um früher etwas davon zu sehen zu bekommen. 

Nach unserer Ankunft auf der Zeltwiese kommen bald noch drei Paddler aus Husum dazu. Sie sind früher mal hier gepaddelt und haben beschlossen, in ihrem Ruhestand ihr altes Hobby wiederzubeleben. Sie haben aber noch nicht alle Veränderungen mitbekommen, die sich in diesem Gebiet in den letzten 30 Jahren ergeben haben. Es ist heute einfach um so vieles sensibler und restriktiver geworden, dass man sich sehr viel umsichtiger verhalten muss als früher. 

Wer nicht da ist, ist Simone! Wir rätseln, wo sie statt nach Hooge hingefahren sein könnte, aber uns fällt nichts plausibles ein. Erst als wir schon längst das Abendessen vorbereiten, kommt sie schließlich angerollert! Sie hat auf Jappsand Pause gemacht und länglich den Trittstein gesucht. 

Für den Pfingstmontag teilen wir uns in zwei Gruppen auf: Lena und ich wollen mit der frühen Flut zurück, um nicht allzu spät nach Hause zu kommen. Die anderen ziehen einen gemütlichen Vormittag auf der Hallig vor und wollen mit der zweiten Flut zurück — aber so früh wie es eben geht. Ich bitte Elke, mir den Zeitpunkt und ein Foto zu schicken, damit ich weiß, wie gut man bei dem Tidenstand in Schlüttsiel aus dem Wasser kommt. Ergebnis: Ankunft drei Stunden vor Hochwasser — Ausstieg an der nördlichen Rampe kein Problem!

Auf der Rückfahrt lösen wir wieder ein auftretendes navigatorisches Problem: von Tonne SA24 kommend müssten wir zur Tonne SA26 fahren. Auf der Hintour hatten wir hier irrtümlich die Tonne SA28 aufs Korn genommen, weil die früher zu sehen war. Jetzt sehen wir in der Ferne eine rote Tonne, sind uns aber nicht sicher, ob es die 26 oder die 28 ist. Ein Blick auf die Seekarte zeigt, dass Gröde von uns aus direkt hinter unserer Tonne liegen müsste. Wir sehen Gröde sehr deutlich, aber das liegt nicht hinter der Tonne sondern nördlicher! Ist die gesichtete Tonne also wieder nur die 28? Da wir uns nicht sicher sind, fahren wir einfach in die richtige Richtung! 45 Grad noch Nordosten, wie die Daumenpeilung besagt! Damit sind wir auf der sicheren Seite und fahren eine ziemlich ideale Linie zur Tonne Schl4!

Eine Überprüfung zu Hause ergibt, dass Gröde zwar genau hinter der Tonne 26 liegt - aber von unsererm niedrigen Standpunkt aus nicht zu sehen ist! Was wir gesehen haben, ist lediglich die Warft, die halt viel höher liegt als das Land südlich davon! 

Übrigens habe ich wohl auf keiner Nordseetour so wenig Robben gesehen wie auf dieser!

GPS-Daten hier

 

Sonntag, 29. März 2026

Schleimünde im "Februar"


"Schleimünde Februar 2026" heißt die Signal-Gruppe, in der wir uns über unser Vorhaben für das erste Wochenende des titelgebenden Monats abstimmen. Leider sind die Temperaturen aber Wochen vor dem geplanten Termin dergestalt, dass Zweifel an der Klimaerwärmung aufkommen könnten: die Schlei ist in großen Teilen zugefroren!

Eine längliche Diskussion hebt an, wie wir mit dem misslichen Aggregatzustand umgehen. Am Ende steht ein neuer Termin für unsere Unternehmung: das letzte Wochenende im März. Bis auf eine Teilnehmerin können alle auch diesen Termin ermöglichen. Ein Nachrücker ist schnell gefunden — die Signal-Gruppe behält ihren Titel.

Es sind fünfzehn Teilnehmer angemeldet, und Anja hat es mal wieder geschafft, das Lotsenhaus für uns zu mieten. Es sind alles alte Schleimünde-Hasen, so dass die Abstimmung, wer was für die gemeinsame Essenszubereitung mitbringt, kein großes Aufheben macht.

Startort soll wieder Sieseby sein. Das sind rund 18 Kilometer und damit eine gute Tagestour. Der Wind bläst einigermaßen frisch aus einer gnädigen westlichen Richtung. Ulrich hat sogar sein Segel mitgenommen und rauscht gleich mächtig davon. Ich strenge mich am Anfang kurz an, um ihn einmal beim Segeln zu filmen. Danach rauscht er der Gruppe davon, und ich trödele ihr gemächlich hinterher. 

Durch den kooperativen Rückenwind sind wir mächtig zügig unterwegs und kommen nur in Arnis einmal kurz zum Sammeln zusammen — eine wirkliche Pause brauchen wir nicht. Ganze zwei und eine viertel Stunde dauert die Hinfahrt. Trotz des hohen Tempos ist niemand über das für die noch junge Saison vertretbare Maß angestrengt. Dass das für die Rückfahrt am Sonntag vermutlich nicht gilt, ist uns schon jetzt klar.

Peter hat sich ein neues Zelt gegönnt und muss dessen Performance ausprobieren, Sven ist wieder minimalistisch unterwegs und stellt sein Tarp auf den Sand. Auch ich lasse mir die Gelegenheit nicht entgehen, unter freiem Himmel zu übernachten. Aus der eindrücklichen Erfahrung am Wochenende vor vierzehn Tagen habe ich diesmal sogar meinen Schlafsack eingepackt! Damals hörte meine Körperwahrnehmung in der Nacht südlich der Kniee auf  — jenseits davon befanden sich nur noch irgendwelche fremdartigen Eiszapfen. Die Nachttemperatur betrug da aber nur etwa drei Grad, heute soll es nur auf fünf Grad herunter gehen.

Während wir unsere Stoffhütten aufbauen, wird im Lotsenhaus die Zimmerbelegung ausgefochten. Offensichtlich geht das aber ohne Blutvergießen vonstatten. Die Anzahl der Zimmer in dem Gebäude ist aber geeignet, durchaus auch noch größere Gruppen zu beherbergen. Danach wird zügig zum Abendessen übergegangen. Jeder hat irgend etwas mitgebracht, das auf den Tisch kommt und allen zur Verfügung steht. Es gibt leckeren Chinoa-Salat, einen Salat mit roten Beeten, Fladenbrot, Zimtbrötchen, leckere Dinger von Lena mit Äpfeln und Tomaten und ich weiß nicht, was alles noch. Und alles in schier unbewältigbaren Mengen, so dass wir fürchten, wir müssen unseren Aufenthalt hier verlängern, damit wir nicht die Hälfte davon mit zurück nehmen müssen.

Die Nacht war entspannt. Es ist kaum zu glauben, was so ein Schlafsack für einen Unterschied macht! Auch die beiden anderen Draußen-Schläfer sind zufrieden mit der Performance ihrer Ausrüstung. Beim Frühstück werden Pläne für den Tag geschmiedet. Nicht alle wollen nach Kappeln, um dort ein Fischbrötchen abzugreifen, einige ziehen eine Fahrt zum Leuchtturm Falshöft vor. So bilden wir zwei Gruppen — die Falshöft-Fraktion startet deutlich früher, denn sie hat ja eine weitere Strecke zu bewältigen. Ich möchte zum einen nicht so früh starten und will vor allem nicht auf das Fischbrötchen verzichten!

In Kappeln müssen wir am Ostufer anlegen, weil die andere Seite fest im Griff der zahlreichen Angler ist und wir fürchten, gegen deren Überzahl im Konfliktfall nicht bestehen zu können. Aber hier können wir die Boote auch viel problemloser deponieren. Unser Weg führt direkt zum amtlichen Fischbrötchen-Händler von Kappeln, der Fischräucherei Föh. Leider setzt unterwegs Regen ein, so dass Elli mit ihrer Daunenjacke einen beschleunigten Schritt vorlegt. Aber die Fischbrötchen sind einfach exquisit! Peter muss sich sogar noch ein Zweites bestellen.

Nach der Ankunft in unserer temporären Herberge auf der Lotseninsel bleibt mir nicht viel Zeit zur Entspannung. Ich kann nur eine kurze Weile in meinem Buch "Das Rosi-Projekt" lesen, da steht schon der nächste Pflichtpunkt auf dem Programm: Kaiserschmarrn essen! Peter hat mal wieder sein Boot voll Eier geladen und brutzelt für uns alle eine fluffige Stärkung. Zentraler und sinnstiftender Bestandteil sind seit einer Woche in kräftigem Rum ertränkte Rosinen! Ich habe Apfelmus und Vanille-Sauce zur Verfeinerung beigesteuert. Wenn ich das esse, weiß ich wieder, wofür ich all die Strapazen, Entbehrungen und Anstrengungen solcher Unternehmungen auf mich nehme!

Das gesellige Beisammensein hat neben allem Spaß und der Freude am Umgang mit liebenswerten Menschen auch den Effekt, dass in größerer Runde locker und unverbindlich Themen diskutiert werden, die im Verein aktuell sind. Es sind tragende Säulen des Vereinslebens mit von der Partie und solche, die es werden wollen oder mindestens könnten. So kommt eine solide Meinungsbildung zu Stande und oft genug sind daraus auch schon Initiativen entstanden, die den Verein voranbringen.

Für die zweite Nacht nehme ich mir eine Decke aus dem Haus mit, die ich mir als zusätzliches Kopfkissen untergelege. Kopfkissen haben in meiner Jahrzehnte währenden Outdoor-Karriere kontinuierlich an Bedeutung gewonnen! Anfangs habe ich mir einfach immer nur Kleidungsstücke untergelegt, die ich in der Nacht nicht benötigt habe. Irgendwann habe ich mir dann ein aufblasbares Kissen schenken lassen, dass aber wirklich nicht sehr voluminös ist. Dank der zusätzlichen Decke wird die zweite Nacht noch entspannter, obwohl die Lufttemperatur auf nur zwei Grad zurückgeht. Vielleicht werde ich mir irgendwann einmal ein noch voluminöseres Kopfkissen schenken lassen!

Auch für die Rückfahrt am Sonntag bilden sich zwei Gruppen. Betzi hat am Nachmittag noch einen Termin und will nicht in Verdrückung geraten. Sie will mit Jens früher starten. Für alle anderen wird ein Abfahrttermin von zehn Uhr dreißig festgelegt. Sommerzeit! Allerdings sitzen wir unerklärlicher Weise bereits um zehn Uhr abfahrbereit in den Booten. Der Wind weht immer noch aus Westen und soll heute im Verlauf des Tages weiter zunehmen. Wie erwartet sind wir nicht ganz so schnell wie auf der Hintour. Aber im Grunde bin ich eher überrascht, wie harmlos der Wind ist — bis wir in Arnis aus dem Hafengebiet herausfahren! Während die Schlei zwischen Kappeln und Arnis ziemlich genau in Nord-Süd-Richtung verläuft, öffnet sie sich hier nach Süd-West. Entsprechend ungehindert bläst uns der Wind nun ins Gesicht! Allerdings gehen wir gleich im kleinen Steinhafen beim Spielplatz an Land, um Pause zu machen.

Anja hat in der Zwischenzeit eine Nachricht von Betzi empfangen, die mit Jens bereits in Sieseby angekommen ist. Sie sagt, dass dieses offene Stück keinen Spaß bereitet und bietet an, die Fahrer unserer Fahrzeuge in Sundsacker gegenüber von Arnis abzuholen und nach Sieseby zu fahren. Die paar hundert Meter offenes Wasser zwischen dem geschützten Arniser Hafen und dem Anlanden am Pausenplatz haben allen klar gemacht, dass es ein zäher Kampf werden würde, den Parkplatz unserer Autos auf dem Wasserwege zu erreichen.

Jörg und ich waren den ganzen Winter regelmäßig paddeln, so dass wir im Training sind. Lena geht auch regelmäßig paddeln und ist so jung, dass sie Anstengung ohne Probleme wegstecken kann. Peter ist eh unkaputtbar — und gegen Maditha ist der Duracell-Hase ein Schlappschwanz! Wir machen uns also zu fünft auf den Rückweg, die anderen setzen das kurze Stück auf die andere Schleiseite um und warten auf das Shuttle.

Wir queren zuerst auf die andere Seite und hangeln uns anfangs dicht ans Ufer geschmiegt vorwärts. Es gibt hier zwar keinen Windschutz, aber hier haben die Wellen nicht eine so häßliche Höhe, dass sie das Boot zum Bocken bringen. Nach einiger Zeit stelle ich fest, dass der Wind eigentlich gar nicht so garstig ist und ich keine große Mühe habe, dagegen anzukommen. Also fahre ich doch etwas weiter nach draußen — hier fühlt es sich etwas mehr nach Seekajak-Fahren an! Zu meiner Überraschung benötigen wir nur knapp mehr als eine Stunde, bis wir in das Schilf von Sieseby einlaufen.

Die Daten sind von Sonntag, dem 29.!

Der Wind legte während unserer Rückfahrt tatsächlich kontinuierlich zu. Zum Start (10 Uhr) kamen uns zarte vier Beaufort entgegen, zum Schluss (14:30 Uhr) mussten wir gegen eine solide Fünf ankeulen — mit Böen im Sechser-Bereich. Ein Glück, dass Jens und Betzi früher gestartet sind und uns so den Transfer-Service anbieten konnten, so dass nicht alle die gesamte Strecke gegen den Wind zurückpaddeln mussten. Wir Fünf haben zwar alle Spaß gehabt, aber ohne ausreichendes vorheriges Training wäre das für mache bestimmt eine spaßbefreite Schinderei geworden. So können alle das Wochenende als gelungenen Auftakt für eine vielversprechende Saison verbuchen!

GPS-Daten hier

 

Sonntag, 19. Oktober 2025

Kleiner Belt im Dunkeln

Als ich beim Planungstreffen des Vereins im Januar für Oktober eine Tour im Dunkeln über den kleinen Belt angekündigt hatte, war mir schon klar, dass sie vermutlich wegen widriger Bedingungen ins Wasser fallen würde. Zu oft habe ich schon Touren dort angeboten und sie dann wieder absagen müssen, weil die Wetterbedingungen keine sichere Überfahrt und vor allem keine für alle in der Gruppe zumutbare Rückfahrt garantieren konnten. Wenn ich nun noch die Dunkelheit als zusätzliche Komponente hinzunehme, würde das die Wahrscheinlichkeit einer Absage noch einmal deutlich erhöhen.

Nach Schluss der Anmeldungsfrist weist die Teilnehmerliste neun Nasen auf - eine erfreuliche Resonanz für ein doch etwas exotisches Unternehmen. Das war mir eigentlich etwas zu viel, aber zum Glück war auch Betzis Nase darunter, so dass ich eine kompetente Unterstützung hatte, eine so große Gruppe auch im Dunkeln sicher im Blick zu behalten. Auch die Sache mit dem Organisieren der fahrbaren Untersätze ließ sich nach einigem Rumgefrage befriedigend klären. Und die Wettervorhersage schien das Unglaubliche Wirklichkeit werden zu lassen: just am Samstag Abend sollte sich eine absolute Flaute zwischen zwei Tagen mit strammen Winden einstellen! Zwar schwänzelte die Vorhersage noch einige Male hin und her - aber der ins Auge gefasste Samstag blieb von Bedingungen verschont, die mich zu einer Absage der Tour bewogen hätten. Einzig für den Rückweg am Sonntag drohte heftiger Gegenwind. Aber über den habe ich mir keine großen Gedanken gemacht.

Dass es am Samstag schließlich nur noch sechs Teilnehmer sind, entspricht dem normalen Schwund. Ein kurzes Umorganisieren der Fahrzeuge - und schon steht dem Abenteuer nichts mehr im Wege.

Eigentlich hatte ich die Abfahrtszeit auf 18 Uhr festgelegt. Sonnenuntergang ist um 18:15 Uhr, so dass wir noch bequem im Hellen packen, uns orientieren und abfahren können und dann bald in die Dunkelheit kommen. Ich habe in den vergangenen Tagen mal bewusst darauf geachtet, wann es denn wirklich dunkel wird - so richtig schwarzdunkel. Danach erschien mir 18 Uhr fast etwas früh. Unsere Zeitplanung war natürlich großzügig ausgelegt, so dass die Gefahr bestand, dass wir vor der Abfahrt eventuell etwas warten müssten. Aber zum Glück beginnen an diesem Wochenende die Herbstferien in einigen Bundesländern, so dass unsere Anfahrt nach Fynshav deutlich länger dauert als geschätzt. Und das Schmücken der Kajaks und Paddler mit Knicklichtern dauert halt auch etwas.

Der Belt liegt spiegelglatt vor uns! Die Sicht ist supergut und vom Strand aus direkt nördlich des Fährhafens sieht man jede Menge anderes Ufer - scheinbar zum Greifen nahe! Aber wo ist Lyö? An der Tatsache, dass fast alle eine Seekarte des Gebietes dabei haben (bis auf mich 🙂), sieht man, dass hier engagierte Paddler unterwegs sind. Aber es macht noch einige Mühe, das Gesehene mit dem auf der Karte Abgebildeten in Deckung zu bringen. Fazit: Lyö kann man von hier aus nicht sehen, weil es hinter dem Hafenschuppen liegt!

So ist es dann tatsächlich kurz vor halb sieben, als wir auf dem Wasser schwimmen. Noch bevor wir die Hafenausfahrt erreicht haben, schwimmt uns ein junger Seehund entgegen, der erstaunlich wenig Scheu zeigt. Vermutlich ist es das erste Mal, dass er so komische längliche Enten auf dem Wasser schwimmen sieht. Hinter dem Hafen orientieren wir uns erst einmal und ordnen die sichtbaren Dinge ein. Da ist als markanteste Erscheinung der Leuchtturm von Skjoldnäs am Nordende von Ärö. Ganz schwach im fernen Grau ragt das Ostende von Avernakö knapp über den Horizont. Davor ist das Westende etwas deutlicher zu sehen. Bereits sehr deutlich mit erkennbaren Strukturen schließt sich Lyö an - da wollen wir hin!

Seezeichen sind sparsam gesät. Da gibt es den Leuchtturm, dann eine rot blinkende Tonne zwischen Ärö und Lyö - und ein weiß leuchtendes Licht weiter nördlich auf Fünen. Um unser Ziel zu treffen, müssen wir 65 Grad fahren. Anfangs ist es noch recht gut möglich, den Kompass abzulesen, später versuchen wir, uns eher an der schwarzen Silhouette von Lyö zu orientieren, die sich etwas gegen den dunkelgrauen Himmel abhebt. Wir sind komplett alleine auf dem Wasser, und es ist magisch, in die zauberhafte Stille und das Dunkelwerden hinein zu paddeln. Unsere Knicklichter leisten gute Dienste, so dass ich immer schnell überblicke, ob noch alle meine Begleiter in der Nähe sind. 

Mitten auf dem Belt sehe ich etwas schwarzes im dunklen Wasser - es stellt sich als toter Schwan heraus, der hier auf seinen Recycling-Prozess wartet. Mit zunehmender Dunkelheit trauen sich immer mehr Sterne aus der Deckung. Irgendwann entdecken wir, dass sich in den Wirbeln am Paddel Meeresleuchten zeigt. Ziemlich schüchtern zwar - aber eindeutig Meeresleuchten! Schließlich wölbt sich die Milchstraße erhaben am Himmel über uns. Immer mal wieder huschen Sternschnuppen über den Horizont. Magisch!

Da wir unseren Zielpunkt erst im richtig schwarzen Dunkel erreichen würden, habe ich ihn als Wegpunkt in mein GPS eingegeben. Unterwegs checke ich immer mal wieder, ob unsere Ablage vom Idealkurs noch im akzeptablen Rahmen liegt. Dabei kann ich erkennen, dass wir anfangs nach Norden versetzt werden, wenn wir mit dem Paddeln innehalten und später - auf der östlichen Hälfte des Beltes - nach Süden. Wir befinden uns quasi in einem gigantischen Kehrwasser. Als wir nur noch wenige hundert Meter vom Strand entfernt sind, fahre ich nur noch nach GPS - weil ich das Ziel möglichst genau treffen möchte. Ohne dass ich ihn auch nur erkenne, läuft mein Boot irgendwann sanft auf den steinigen Strand. Ich bitte die anderen, noch in den Booten zu bleiben, weil ich kurz überprüfen möchte, wo denn der wirklich optimale Ort zum Anlanden ist. Er liegt zwanzig Meter weiter südlich! So ein GPS-Gerät ist einfach toll!

In der nächsten halben Stunde irrlichtern sechs wasserdichte Glühwürmchen scheinbar wirr auf der Wiese herum - bis all ihre Zelte stehen. In der Schutzhütte müssen wir gar nicht viel umräumen, um für uns alle einen Sitzplatz an einem langen Tisch zu organisieren. Noch bevor wir mit dem Abendessen beginnen, kommt Lena mit der Nachricht von draußen herein, dass gerade Nordlichter am Himmel zu sehen seien. Magisch zum Quadrat!

Die Nacht ist ruhig - es gibt kaum gefiederte Lärmlinge hier. Aber es ist Wind aufgekommen, und das Meer rauscht. Und es ist frisch geworden. Aber es ist ein wunderschön sonniger Morgen, und die Zelte sind trocken. Frühstücken, packen und Boote fertig machen gehen in aller Gemütlichkeit vonstatten. Leider steht der Wind ziemlich auf den Strand, was das Einsteigen etwas anspruchsvoll macht. Dass wir dabei vielleicht nicht optimal agieren, liegt schlicht an mangelnder Übung. Aber wir bekommen es bruchfrei hin, dass alle ohne allzu viel Wasser im Cockpit loskommen. Ich bin froh, dass ich als letzer und damit alleine ohne Probleme ins Schwimmen komme.

Die Wellenhöhe ist sehr schnell sehr beeindruckend! Wir hatten uns beim Briefing für den Komplementärkurs zu 65 Grad (nach Diskussionen) auf 245 Grad geeinigt. Die nächste, gut ablesbare Zahl auf dem Kompass wäre 240 Grad. Das ist aber deutlich zu wenig als Vorhaltewinkel bei den herrschenden Bedingungen. Also gebe ich 210 Grad als zu steuernden Kurs vor. An Land hatte ich noch behauptet, ich würde später mittels GPS-Gerät überprüfen, ob der Kurs geeignet ist, unsere Abdrift zu kompensieren und gegebenenfalls nachjustieren. Ich merke aber gleich, dass Feinjustierung hier kein Thema ist und sage der Gruppe, dass wir die ganze Zeit zwei-eins-null steuern werden. Betzi, die ohne Kompass fährt, wünscht sich von mir, dass ich ihr eine Landmarke am gegenüberliegenden Ufer nenne, die sie ansteuern kann. Ich gebe ihr auch das südlichste momentan sichtbare Ende von Alsen als Anhaltspunkt. Wir merken beide schnell, dass das nicht lange gilt, aber Betzi kommt prima auch ohne weitere Ansage zurecht.

Heller Bereich: Zeit auf dem Wasser
Die Windvorhersage hatte fünf Beaufort versprochen, die später auf sechs hochgehen sollten. Die Messwerte geben für unsere Zeit auf dem Wasser aber durchgängig sechs Beaufort an, mit Böen in sieben. Die Richtung ist Südsüdost - also schräg von vorne. Der Fetsch beträgt über fünfzig Kilometer und es weht halt schon eine ganze Weile - da ist die Wellenhöhe keine Überraschung. Sie liegt zwischen einem und zwei Metern. Betzi hat mal mitgeplottet, wie lange sie einen anderen Paddler nicht sieht, wenn der in ein Wellental abgetaucht ist. Sie ist auf drei Sekunden gekommen. Natürlich bin ich hier mit sicheren Paddlern unterwegs, aber auch wenn die Wellen im wesentlichen lang und harmlos sind, brechen einige doch und entwickeln eine nennenswerte Wucht, wenn sie einen treffen. Und dann ist das hier der kleine Belt, wo die Wellen eigenen spezifischen Gesetzmäßigkeiten folgen - da kommt auch schon mal eine Welle aus einer komplett verqueren Richtung und kabbelt sich mit den anderen. Ohne solide Stütze ist man hier nicht am richtigen Ort.

Ich beobachte meine Mitpaddler aufmerksam und unablässig. Alle fahren konzentriert aber unverkrampft. Alle Angriffe brechender Wellen werden souverän abgewehrt. Es gibt aber drei Dinge, die mir krause Gedanken bereiten. Das erste ist die Möglichkeit, dass jemand seekrank werden könnte. Ich habe das Wort Seekrankheit vorher bewusst nicht ausgesprochen, weil es schon einen unguten Effekt hat, wenn dieses Wort einem nur im Hirn rumgeistert. Sollte jemand tatsächlich innerlich zerfallen, werden wir eben damit umgehen.

Das Zweite ist die Tatsache, dass die Gruppe einen deutlich südlicheren Kurs als 210 Grad steuert. Ich versuche anfangs noch auf Kurs zu bleiben, muss aber erkennen, dass wir uns dadurch so weit voneinander entfernen, dass mir damit nicht mehr wohl ist. Also fahre ich immer wieder näher an die Gruppe oder winke sie zu mir heran. Irgendwann versuche ich zu erfragen, ob alle den verabredeten Kurs problemlos fahren können, erkenne aber quasi im Fragen, dass meine Frage und die jeweilige Antwort eigentlich vollkommen belanglos sind - hier sprechen einfach die Tatsachen! Ich kann schlecht darauf pochen, dass ich den korrekteren Kurs fahre, aber dann die Gruppe verlieren. Also sortiere ich einfach meine Prioritäten neu: Erstens: Gruppe zusammenhalten, zweitens: Kurs 210 halten! Dadurch fahren wir gewissermaßen eine reziproke Hundekurve.

Die dritte Besorgnis ist die Tatsache, dass wir eine ziemliche Strecke gegen einen ziemlichen Gegenwind paddeln müssen. Da muss man mit den Kräften haushalten. Am Anfang ist das Blut voller Adrenalin und die Muskeln noch voller Energie. Das verleitet dazu, am Anfang stärker reinzuhauen, als für eine lange Zeit gut ist. Es ist schwer einzuschätzen, ob das Tempo, das eine Gruppe fährt, so nachhaltig ist, dass es für die gesamte Tour reicht. Hier kommt mir Betzi zu Hilfe, die ziemlich bald ein etwas langsameres Tempo als der Rest der Gruppe fährt. Das gibt mir die Gelegenheit, den Rest der Gruppe abzubremsen. Die anderen passen sich bereitwillig unserem Tempo an. 

Das Optimum an Gruppendichte verdanken wir der Begegnung mit einem Segler! Der stampft in der Ferne schräge auf uns zu. Er hat Fock und Großsegel extrem gerefft und liegt trotzdem mächtig schräg im Wasser. Je näher er uns kommt, desto enger scharen sich meine Begleiter um mich. Ich höre einige hektische Kommentare aus der Gruppe, kümmere mich aber nicht weiter darum. Ich weiß, dass Anja immer sehr ängstlich auf Schiffsbegegnungen aller Art reagiert. Es besteht keine Gefahr einer Kollision, aber ich stelle das Paddeln trotzdem kurz ein, um ihn in sicherem Abstand passieren zu lassen. Die Mannschaft winkt uns kurz zu und ich erwidere den Gruß.

Nachdem der Segler passiert hat, nimmt die Wellenhöhe langsam ab. Kaum merklich zwar, und es sind immer noch beachtliche Kaventsmänner darunter, aber das Ärgste haben wir hinter uns. Auch der Wind bläst nicht mehr ganz so garstig, eine Konsequenz, dass wir näher an Alsen sind und die Insel ihre schützende Wirkung entfalten kann. Ich habe den Eindruck, dass unsere Geschwindigkeit etwas nachlässt und auch die Gruppe sagt hinterher, dass ihr im zweiten Teil etwas die Kräfte ausgingen. Aber wenn man auf unsere GPS-Daten sieht, lässt sich ein Nachlassen nicht bestätigen - wir sind im letzten Teil sogar geringfügig schneller geworden! 

Als wir nicht mehr weit vom Land entfernt sind, setzt sich Sabine deutlich nach Süden von der Gruppe ab. Normalerweise wäre sie mir viel zu weit weg gewesen, aber hier lasse ich sie einfach fahren. Ich kenne sie und weiß sofort, dass sie nur Anlauf nimmt, um einen möglichst guten Surf zu erwischen. Die anderen rufe ich erst etwas später zusammen, damit wir im dichten Pulk und mit dem Wind im Rücken die Hafeneinfahrt von Fynshav queren. Hier versuche ich auch, die schiebenden Wellen zu nutzen und erreiche meine maximale Geschwindigkeit von 13,4 km/h!

Hinter der Hafenmauer ist das Wasser so glatt, dass man glaubt, mit einer Luftmatraze nach Lyö paddeln zu können. Als Ausklang der wunderschönen, auf dem Hinweg magischen und auf dem Rückweg fordernden Tour lassen wir uns auf dem Campingplatz Naldmose von den überaus sympatischen deutschen Betreibern Kaffee und Kuchen servieren.

GPSDaten 

Sonntag, 28. September 2025

Schleimünde 2025

Die letzte Zeit war bei mir etwas dicht gepackt mit Inhalten: erst musste ich nach Jersey, dann ins Baltikum. In das Wochenende zwischen den beiden Urlauben hatte ich mit Mühe die Leuchtturm-Tour gezwängt. Und kaum aus Litauen zurück, stand die traditionelle Schleimünde-Tour auf dem Programm. Nicht einmal zum Vorbereitungstreffen habe ich es geschafft! Aber natürlich hat Anja alles super organisiert! Sogar eine Mitfahrgelegenheit für mich und mein Boot, so dass ich mein eigenes Auto gar nicht brauchte.

Wind während der Tour
Die Tour erfreut sich immer sehr großer Beliebtheit. Anja hat das Limit auf 15 Personen gesetzt, weil genau so viele Menschen in unser Gruppenzelt passen - wenn man sie einigermaßen geschickt stapelt! Dieses Limit sorgt manchmal für lange Gesichter, aber erst mit dem Zelt wird die Tour zu dem Gemeinschaftserlebnis, das sie so beliebt und unvergessen macht. Und da wäre es nicht förderlich, wenn überzählige Teilnehmer draußen sitzen müssten. Und da ist es auch etwas ungünstig, dass Anja und Norbert beim Treffen vor der Bootshalle merken, dass sie das Zelt im heimischen Flur vergessen haben! Da ist also nochmal ein kleiner Umweg erforderlich!

Natürlich sind auch hier einige der Angemeldeten verhindert, als der Tag der Wahrheit vor der Tür steht. Und Nils ist sich noch nicht sicher, ob er bei dem angesagten Gegenwind überhaupt mitkommen möchte. Aber es rutschen auch immer noch wieder Leute spontan nach, die dann doch noch mitkommen können. Nils will sich die Situation erst mal vor Ort näher ansehen, bevor er sich entscheidet. Dazu will er nach Olpenitz fahren und einen Blick aufs Meer werfen. Ich sage ihm, dass Olpenitz dafür kein guter Ort ist. Er soll sich die Sache lieber in Sundsacker ansehen, von wo aus er mit Elke sowieso starten will.

Alle anderen starten von Sieseby aus. Die übrigen in Frage kommenden Startorte sind bei der Vorbesprechung verworfen worden, wegen schwieriger Anreisebedingungen aufgrund der momentan prekären Lage bei Brücken und Fähren, und weil sowieso zuviel Gegenwind herrscht für eine noch längere Paddelstrecke. So packen am Ende elf wackere Paddler ihre Siebensachen am Steg von Sieseby in ihre Boote. Zum Glück ist Bernhard mit von der Partie, denn sein großes Boot schreit förmlich danach, das Gruppenzelt zu beherbergen, was seinen Stauraum aber nur unwesentlich ausfüllt. 

Anja ist noch ganz beseelt vom auf Jersey Gelernten und macht ein ausführliches Briefing. Es werden zwei Pausen vereinbart - eine in Sundsacker, wo wir Elke und Nils aufnehmen wollen und eine an der Engstelle hinter Kappeln, wo sich die Schlei nach Osten öffnet und ab wo wir dem Gegenwind ins Auge blicken müssen. 

Um halb zwölf, eine halbe Stunde später als meine Schätzung, stechen wir in See. Wie üblich sind alle hoch motiviert und legen gleich ordentlich los. Ich schließe bald zu Angela auf und verabrede mit ihr, dass wir die jungen Leute einfach lospreschen lassen und wir beide gemütlich hinterher trotteln. Der Weg ist ja klar. Aber das ist nicht kompatibel mit Anjas Anspruch, das auf Jersey Gelernte in der Praxis anzuwenden. Entschlossen stoppt sie die Gruppe und gibt die Devise aus, dass wir als Pulk zusammen fahren und die Langsamsten das Tempo vorgeben. Ein lobenswerter Ansatz, aber nach meiner Erfahrung nicht einfach umzusetzen. Überdies besteht die Gefahr, dass die Langsameren sich im Pulk der Gruppe doch zu mehr Tempo hinreißen lassen, als sie dauerhaft könnten und dann mit fortschreitender Zeit ernsthaftere Probleme auftreten können. Aber bis zur Pause ist es ja nicht weit.

Zusätzlich zu meiner Verschätzung beim Starttermin habe ich auch die Zeit unterschätzt, die wir bis Sundsacker benötigen. So treffen wir also erst eine Dreiviertelstunde später dort ein, als  ich es Elke bei unserer Abfahrt vorhergesagt hatte. Unsere "Verspätung" hat die beiden aber nicht weiter beunruhigt, Ich war mir sicher, dass Nils sich für die Mitfahrt entscheidet, wenn er die Verhältnisse in Sundsacker sieht. Hier ist es leidlich geschützt und es sieht alles sehr harmlos aus. Ab hier fahren wir also mit dreizehn Nasen weiter.

Von hier bis hinter Kappeln ist die Schlei recht schmal und verläuft quasi genau in Nord-Süd-Richtung. Dadurch bieten die Ufer einen recht guten Windschutz und man merkt kaum, dass ein kräftiger Wind weht. Wir sind zügig unterwegs und auch recht dicht beeinander. Das ändert sich aber nach der Pause, die wir wie vereinbart an der Engstelle zelebrieren, wo sich die Schlei final nach Osten öffnet und auf ungeahnte Breite weitet.

Erst Zickzack, dann Begleitung von Nils, dann Kopplung...
Hier bläst uns nun der Wind erbarmungslos ins Gesicht! Die dadurch arg reduzierte Zügigkeit kompensiere ich anfangs, in dem ich einfach in Schlangenlinien hinter der Gruppe hinterherfahre. Hätte Nils gewusst, wie anstrengend es sein kann, nach Schleimünde zu kommen, hätte er vielleicht doch in den Sack gehauen. Bernhard zeigt sich solidarisch und paddelt dicht neben ihm. Nach guten zwanzig Minuten schließe ich zu beiden auf und biete an, dass ich ab nun neben Nils bleiben werde. Sehr zur Freude von Bernhard, der gleich zum vorderen Teil der Gruppe enteilt. Neben der Reduktion der Geschwindigkeit hat die geänderte Windsituation nämlich dazu geführt, dass sich die Gruppe über eine beträchtliche Strecke verteilt. Es ist eben doch nicht so ganz einfach, Gelerntes und eigentlich für richtig Erachtetes auf Dauer in der Praxis auch anzuwenden - insbesondere, wenn es ein seehr langsames Paddeln bedeutet.

Ich schaue immer mal wieder auf meine Super-Duper-GPS-Uhr, um unsere Geschwindigkeit zu checken. Die sinkt leider kontinuierlich ab und fällt zeitweise unter drei Stundenkilometer. Es sind noch gute drei Kilometer bis zu unserem Ziel, und wenn wir noch langsamer werden, kann das eine Weile dauern. Auf der Höhe von Maasholm biete ich Nils an, dass er sich an meinem Bug festhalten kann und ich ihn dann einfach schiebe. Das findet er eigentlich auch ganz angenehm, hat aber den Nachteil, dass unser Verband nicht mehr die eigentlich benötigten Kurs halten kann. Mein nächstes Angebot, ihn mit einer Schleppleine zu unterstützen, wenn er es von sich aus wünscht, kann er nicht wirklich widerstehen. Die Kopplung gestaltet sich etwas holperig, weil die Leinen auf Nils Boot nicht wirklich auf so eine Situation vorbereitet sind - aber auch wenn es uns währenddessen etwas zurück weht: wir bekommen es hin.

Ist es nicht so, dass sich die Geschwindigkeiten von zwei Kajaks addieren, wenn man sie mit einer Leine koppelt? Nils paddelt wacker mit, und zusammen sind wir nun so zügig unterwegs, dass wir fast die gesamte Gruppe einholen - bis auf Anja und Maditha, die ganz vorne fahren. 

Die Öhe hat auf mich immer sofort eine ungemein beruhigende Wirkung - nachdem ich sie nur betrete! Im Segelhafen herrscht überraschend viel Betrieb und auch das Hafenmeisterbüro ist besetzt. Hier gibt es sogar Kaffee und ein paar Kleinigkeiten zum Verzehr zu kaufen - als Ersatz für die nicht in Betrieb befindliche Giftbude. Nachdem wir unsere eigenen Zelte errichtet haben, wird das große Gemeinschaftzelt aufgebaut. Gut, dass wir Anja dabei haben, denn sie ist die einzige, die einen wirklichen Plan dafür hat. Aber wenn gleichzeitig etwa zehn Mann die notwendigen Stangen einschieben und Heringe an den richtigen Positionen in den Boden rammen, steht das Ding im Handumdrehen! Und der wirklich kräftige Wind macht ihm gar nix!

Allerdings ist das Wetter so schön und die Luft so lau, dass wir unseren Nachmittagskaffee draußen an den Holzbänken zu uns nehmen. Ich habe das Gefühl, dass der Herbst zeigen will, dass auch er unglaublich schöne und warme Wochenenden zustande bekommt!

Auch am nächsten Morgen ist es so warm und sonnig, dass wir das Gemeinschaftszelt leer lassen und stattdessen ein paar Holzbank-Tisch-Kombinationen so arrangieren, dass wir mit allen daran frühstücken können. Die Diskussion, wann wir denn fertig für die Rücktour sein wollen - oder müssen - endet mit einem entspannungsfreundlichen elf Uhr!

Zwar hat der Wind gegen gestern erheblich abgenommen, aber er weht immer noch frisch. Hinzu kommt, dass durch den verminderten Winddruck das Wasser nun aus der Schlei hinausströmt - also dem Wind entgegen. Das erzeugt erfrischende Wellen! Statt mich direkt nach rechts Richtung Sieseby zu wenden, fahre ich nach links - dem Vergnügen entgegen. Einige andere wollen auch noch etwas Spaß haben. Die Windstärke beträgt nur noch vier bis fünf Beaufort, was ziemlich mau ist, aber durch die heftige Strömung bauen sich direkt in der Fahrrinne bis einen Meter hohe Wellen auf. Die Segelyachten, die die Schlei verlassen, stampfen wie bockige Broncos. Es macht mir großen Spaß, mit den Wellen zu spielen, und ich fahre bis hinter Tonne 1. Nach der Wende sehe ich, dass mir doch niemand gefolgt ist. Schade, denn auch der Weg zurück ist spritzig und macht Spaß.

Der Heimweg nach Sieseby ist mit dem Wind im Rücken für niemanden ein Problem. Dort stärken wir uns noch durch Kaffee und Kuchen in der Sonne. Wieder einmal haben wir ein sagenhaftes Glück gehabt und ein traumhaftes Wochenende geschenkt bekommen. Vielleicht würde Nils nicht unbedingt "geschenkt" sagen, aber "traumhaft" wird er bestimmt unterschreiben können!

 GPS-Daten

Samstag, 13. September 2025

Leuchtturm-Tour

Anne kam bei der Fahrtenplanung im vergangenen Winter mit der Idee, eine Tourserie zu den Leuchttürmen unseres Heimatrevieres aufzulegen. Ich hatte sowieso mit dem Gedanken gespielt, mal wieder eine Tour zum Kieler Außenleuchtturm anzubieten und wollte gerne mit einem Beitrag die Serie ergänzen. Leider wusste ich bei der ursprünglichen Terminplanung noch nicht, dass ich ins Baltikum musste, und so musste ich noch mal den Termin mit Ulrichs Jahresabschlussfitnesstesttour tauschen.

Ich hatte immerhin sechs Anmeldungen, was ganz ordentlich ist für eine Tour ins ausgesetzte Wasser. Aber je näher der Termin rückte, desto mehr bröckelte die ursprüngliche Zahl der Interessenten. Am Morgen des Tages kam noch die letzte Absage wegen Gliederschmerzen. Nun muss man sagen, dass die Windvorhersage auch einigermaßen anspruchsvolle Bedingungen vermuten (will sagen, je nach Befindlichkeit befürchten oder erhoffen) ließ: fünf bis sechs Beaufort aus Süd. Eigentlich war mir das ganz recht, denn bei nahezu Flaute ist die Tour nicht nicht wirklich etwas besonderes. Andererseits verstehe ich auch die Zurückhaltung bei allen, die deswegen zurückgezogen haben, sich nicht ohne Not solchen Bedingungen aussetzen zu wollen. 

So bleiben unterm Strich nur zwei wackere Paddler übrig, die mich begleiten wollen: Peter und Lena. Das vereinfacht zum einen die Anreise, weil wir mit einem Auto fahren können, und zum anderen muss ich mir bei den beiden keine Sorgen wegen eventueller Überforderung meiner Mitpaddler machen.

Peters Auto ist nagelneu - und er weiß noch nicht, ob es schlauer ist als er selbst! Aber es kann alle unsere drei Boote auf dem Dach transportieren, was die Unternehmung sehr vereinfacht. Ich bin gestern noch extra nach Bülk geradelt, um mir die Parksituation aus nächster Nähe anzusehen. Der Schlagbaum, der die Zufahrt regulieren soll, liegt im Straßengraben neben seiner Aufhängung - der wird uns also keine Probleme machen. Da wir so früh sind, können wir uns auch aussuchen, wo wir parken und haben keine lange Strecke, um die Boote vom Auto an den Strand zu tragen. Ich löse einen Parkschein für vier Stunden - innerhalb dieser Zeit müssen wir es geschafft haben!

Packen fällt praktisch aus, weil wir ja nur kurz hinhechten wollen und ohne Umschweife zurück. Die Vorbesprechung erfordert etwas Phantasie, weil weder die Teilnehmer noch der Fahrtenleiter eine Seekarte dabei haben! Obwohl ich mir gestern Abend extra noch mal den relevanten Ausschnitt der Seekarte ausgedruckt hatte! Aber immerhin haben wir uns ja das Seegebiet bei der Vorbesprechung am vergangenen Mittwoch genau angesehen und alle Optionen diskutiert. 

Peter plädiert sehr dafür, dass wir zur Tonne 1 fahren. Das ist die "Kuh", die bei Seegang immer muht und die will er gerne sehen. Die Tonne liegt nach Seekarte (die wir ja nicht dabei haben) etwa in Richtung 58 Grad. Für den Anfang wollen wir dafür 60 Grad steuern. Ich weiß trotz fehlender Referenz, dass das etwas knapp als Vorhalt ist, weil wir ja doch einigen Wind haben. Aber der Wert lässt sich halt super gut auf dem Kompass ablesen, und später können wir immer noch unseren Kurs anpassen. Es zeigt sich auch bald, dass wir kräftig versetzt werden und eine ordentliche Hundekurve beschreiben. Am Ende müssen wir fast 90 Grad steuern, um nicht an der Tonne vorbeigeweht zu werden.

Die Wellen hier sind schon erheblich - ich schätze mal so einen halben Meter. Aber sie sind gutmütig und tun nix! Aber sie veranlassen die "Kuh" auch nicht zum Muhen! Wie es aussieht, hat man der Tonne die tongebende Röhre entfernt, so dass sie nur noch stumm im Auf und Ab der Wellen rumdümpelt. Ein nachträglicher Blick in eine aktuelle Seekarte enthüllt auch, dass sie keine Bezeichnung mehr trägt, die auf ein Muhen hindeuten könnte! Schade!

Von der grünen Tonne geht es genau Richtung Norden zur gelben Kabeltonne. Dabei haben wir den Wind exakt von hinten, und er beschert uns einige tolle Surfgelegenheiten. Ich glaube, das hat Lena noch nicht so oft erlebt und sie kann hier sehen, wieviel Spaß solche Bedingungen machen können. Sie hat als Kind das Paddeln quasi mit der Muttermilch eingetrichtert bekommen und verfügt über eine traumwandlerische Bootsbeherrschung. Außerdem ist sie komplett unbekümmert und sieht keinerlei Bedrohung in den Verhältnissen. Irgendwann paddelt sie uns allen davon!

Für den Nordkurs war kein Vorhalt notwendig. Als wir uns an der Kabeltonne angekommen zum Leuchtturm wenden, müssen wir aber wieder der Abdrift durch Wind und Strömung Tribut zollen. Ich steuere wieder konstant 60 Grad, was diesmal aber gut ausreicht, um den Versatz zu kompensieren. Der Leuchtturm ist seit dem Sturm von zwei Jahren komplett verwaist und wird von den Lotsen nicht mehr genutzt. Ich rechne damit, dass man ihn so lange verfallen lassen wird, bis eine Reparatur zu teuer wird und man ihn schließlich abreißen wird. Wir stärken uns etwas in seinem Windschatten und machen uns auf den Rückweg.

Eigentlich sollte man denken, dass das Navigieren dabei sehr einfach sein sollte: einfach den Leuchtturm Bülk anpeilen und drauf los halten. Das Problem am Leuchtturm Bülk ist aber, dass er so in den ihn umgebenden Bäumen versteckt ist, dass man ihn von See aus gar nicht sieht! Das ist für einen Leuchtturm besonders praktisch! Zum Glück sind die Lichtverhältnisse aber günstig genug, dass man die erste Kabeltonne gut sehen kann. Wir peilen erst sie an, dann die zweite und ab dort sieht man dann auch den durchsichtigen Teil des Leuchtturms Bülk durch die Bäume schimmern.

Gegen den Wind ist es etwas mühseliger mit dem Vorankommen. Unsere Geschwindigkeit geht von anfänglichen fünf km/h schließlich auf vier km/h zurück. Ganz zum Schluss lasse ich mein Boot noch mal laufen, damit es auch auf seine Kosten kommt. Nach guten zweieinhalb Stunden sind wir zurück am Strand. Da unser Parkschein noch eine Weile gilt, gehen wir noch in den Kaffee-Pils auf ein Stück Kuchen mit Kakao!

GPS-Daten hier