Posts mit dem Label Flensburger Förde werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Flensburger Förde werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Sonntag, 15. August 2021

Rund Broager Land

Jahrelang habe ich immer eine Tour im Bereich der Flensburger Förde für Einsteiger angeboten, die den Namen "Grenzüberschreitendes Paddeln" trug. Und jahrelang habe ich immer gedacht, dass es doch auch einmal reizvoll wäre, dabei über den kleinen Belt in die Dänische Südsee zu fahren. Dieses Jahr habe ich die Tour gleich mit "Dänische Südsee" überschrieben!

Das hat mir auch eine erkleckliche Anzahl von Anmeldungen eingebracht: bis kurz vor dem Termin wollten sechs Interessenten mit mir auf Tour gehen. Damit war genau die Gruppengröße beisammen, die ich mir vorgestellt hatte. Dann kamen aber noch Berhard und Isabelle dazu, und ich dachte mir, acht geht auch noch gerade so. Als sich dann aber noch zwei weitere Kandidaten meldeten, musste ich sie schweren Herzen auf die Warteliste setzen. Ich möchte nicht mit einer Bande von zehn Leuten auf einem der primitiven Übernachtungsplätze in Dänemark auflaufen.

Die legendäre Querung des kleinen Beltes 2013
Aufgrund meiner nun doch schon langjährigen Erfahrung muss ich leider sagen, dass das Wetter im August sich entgegen der Erwartung häufig ungemein garstig gibt. Zumindest wenn ich auf Paddeltour gehe! Eine Woche vorher ist für das avisierte Wochenende am Freitag noch akzeptabler Wind vorhergesagt, aber für Samstag fünf bis sechs Beaufort aus West und für Sonntag dann sechs bis sieben ebenfalls aus West.

Sich gegen sechs bis sieben Beaufort von Osten zurück über den Belt zu kämpfen, ist eine reizvolle Herausforderung. Aber ich werde sie nicht einer Gruppe zumuten, von der ich weiß, dass sie noch nie in solchen Bedingungen gepaddelt ist und vor allem nicht über eine so weite so ausgesetzte Strecke. Aber die Wettervorhersage hat ja noch eine Woche Zeit, sich zu bessern. Jedenfalls kündigte ich den Teilnehmern schon mal vorsorglich an, dass wir bei widriger Witterung nicht in die Dänische Südsee fahren, sondern im Bereich der Flensburger Förde bleiben würden

Ich beobachte die Wettervorhersage jeden Tag aufmerksam. Was sich dabei entwickelt, habe ich noch nie vorher erlebt: eine über eine Woche so komplett unbrauchbare Vorhersage - jeden Tag eine Lage, die die des Vortages komplett auf den Kopf stellt! Zwischenzeitlich ergibt sich sogar die Situation, dass wir bei Querung des Beltes sowohl auf der Hintour wie auch bei der Rücktour Rückenwind haben sollen! 

Am Freitag unserer Abfahrt ist die Vorhersage immer noch so, dass recht strammer Westwind herrschen soll, am Samstag noch mehr und am Sonntag dann richtig viel. Wir fahren erst einmal nach Habernis, meinem klassischen Startort für diese Tour und nehmen uns vor, heute nur bis zum Übernachtungsplatz an der Steilküste auf Broager zu fahren.

Es geht ein durchaus lebhafter Wind aus West - also recht genau quer zu unserer Fahrtrichtung. Natürlich ruft der einen deutlichen Versatz hervor und wenn wir nicht aufmerksam fahren, würde unsere Spur eine deutliche Hundekurve ergeben und damit länger werden als notwendig. Zum Glück ragt ein prägnanter Busch über den Horizont bei den Dybbeler Schanzen, den ich als Haltepunkt anbiete: wenn der immer in Deckung mit der äußersten Spitze von Broager bleibt, fahren wir einen geraden Kurs. Diese Ansage war eigentlich nur als grober Anhaltspunkt gemeint, aber alle folgen ihr mit einer bewundernswerten Präzision, so dass unsere GPS-Spur vorbildlich gerade verläuft und sich in ihr nicht der geringste Anhaltspunkt für Seitenwind finden lässt!

Es ist schon eine Gruppe deutscher Radfahrer auf dem Übernachtungsplatz versammelt. Sie sind aus Husum, haben ihre Autos unweit abgestellt und wollten eigentlich von Platz zu Platz wandern. Aber hier gefällt es ihnen so gut, dass sie nun doch länger bleiben wollen. Kann ich gut verstehen.

Es ist angenehm lau und vor allem trocken, so dass wir problemlos zusammen am Holztisch sitzen und unser Abendbrot zubereiten können. Leider gibt es hier den Treppenbaum nicht mehr und auch keinen Abfalleimer wie früher. Aber es ist immer noch einer meiner Lieblingsplätze - weil er so schön geschützt ist und natürlich und vor allem wegen des Ausblicks. Als es dunkel wird, verkriechen sich die anderen nacheinander in ihre Stoffhütten - ich sitze noch lange am Waldrand und blicke in den Himmel. Es ist Perseiden-Hochzeit. Nach der zehnten Sternschnuppe gehe ich dann auch ins Zelt.

Am nächsten Morgen checke ich als erstes die Wettervorhersage. Der Wind soll wie gehabt frisch aus West wehen. Und es ist ein einziger klitzekleiner Regentropfen am Nachmittag vorhergesagt. Ich gehe so meinen Verrichtungen nach, während die anderen noch in ihren Zelten mümmeln. Nachdem ich meinen zweiten Tee intus habe, kommt ein Wanderer den Gendarmen-Stig entlang marschiert. Er biegt gleich ab auf mich zu und setzt sich neben mich auf die Bank. Seine erste Frage auf dänisch, ob das unsere Kajaks am Strand sind, kann ich noch beantworten. Aber danach muss ich ihm eröffnen, dass dänisch eher nicht meine Paradedisziplin ist. Er denkt eine Weile nach und schaltet dann auf englisch um. Mir gefällt, dass er sich Zeit lässt. Das scheint er mit großer Sorgfalt zu tun, denn er ist seit fünf Wochen zu Fuß durch Dänemark unterwegs. Er kommt von Skagen und ist bereits auf dem Rückweg. Morgen will er bis Sonderburg gehen und dann von dort mit dem Zug zurück nach Aarhus fahren, wo er wohnt. Er wandert mit absolut kleinem Gepäck, Proviant kauft er sich, wenn er ihn braucht, am Wege und für Wasser klopft er an die nächste Tür. Wir reden eine gute Weile - über vieles, aber vor allem über das einfache Leben. Zum Abschied beantworte ich noch seine Frage, ob es heute Regen geben wird: "Nicht wirklich - höchstens mal ein kurzer, leichter Schauer!". Er wünscht mir zum Abschied alles Gute.

Während des Frühstücks mit den anderen werfe ich die beiden Optionen, die wir haben, auf den Holztisch: Nach Norden in den Alsensund oder nach Westen ins Noor hinter Egernsund. Alsensund hat den Vorteil, dass wir nur in geschützten Gewässern fahren und keinen wesentlichen Gegenwind haben. Auf der anderen Seite kommen wir dann am Sonntag auch nicht in den Genuss des ordentlich vorhergesagten Westwindes, weil der uns dann eben genau von der Seite treffen würde.

Egernsund bedeutet gute zehn Kilometer gegen einen Wind von fünf Beaufort - hat aber den Vorteil, dass wir auf einem wunderbar geschützten Platz übernachten und am Tag drauf mit einem kräftigen Rückenwind nach Hause surfen können. Die Gruppe ist sich überraschend schnell einig, dass die Karte mit der Hasenvariante nicht gezogen wird.

Das Verfrachten der Ausrüstung in die Boote gestaltet sich länglich, weil man ja immer gute hundert Meter latschen muss, bis man vom Zelt über das Steilufer zum Strand gelangt. Außerdem sind wir voll im Urlaubs- und Entspannungsmodus, und es gibt keine drängelnde Tide hier! So zeigt die Uhr bereits High Noon, als wir endlich auf dem Wasser dümpeln.

Durch die Anstrengung beim häufigen An- und Abstieg des Steilufers kommt man hier in der Windabdeckung leicht ins Schwitzen und man ist geneigt, nur leichte Bekleidung anzulegen. Aber ich weise darauf hin, dass sich das mit der Hitze sofort legen wird, wenn wir um die nächste Ecke biegen. Hier haben sich schon mehrfach einzelne Leute "verkleidet", weil sie den lokalen Verhältnissen aufgesessen sind. Beim Leuchtturm Kalkgrund geht schon ein Regenschauer nieder.

Bis zum südlichsten Zipfel von Broager Land genießen wir noch etwas Windschutz. Aber die dort tobenden Kite-Surfer haben sich nicht ohne Grund hier versammelt. Danach geht es mit etwa vier Stundenkilometern stoisch weiter Richtung Westen, zum Ort, wo der Wind herkommt!

Nach eindreiviertel Stunden signalisiert Elli mir, dass sie sich über ein Pause freuen würde. Das kommt mir ganz gelegen, denn erst am westlichen Zipfel der Halbinsel eine Rast einzulegen, hat das Problem, dass man dort schlecht einen geschützen Ort findet, an dem der Wind nicht jede Freude an der Entspannung wegweht. Ich erblicke ein Gehöft, bei dem ein Schuppen dicht am Ufer steht. Vielleicht kann uns der als Windschutz dienen - ich halte straks drauf zu.

Richtig gemütlich ist die Pause nicht, weil die Sonne nicht scheint und der Wind garstig weht. Aber wir können uns mit den vorbereiteten Stullen oder einfachen Nüssen stärken. Als dann recht bald Regen einsetzt, ist die Gemütlichkeit endgültig im Eimer und wir satteln die Boote für den Rest der Etappe. Weil mir etwas kalt geworden ist, muss ich als erstes einen Schnörkel paddeln und wenig später etwas schneller und dann mit einem Schörkel wieder zur Gruppe zurück. Danach bin ich wieder auf Betriebstemperatur.

Die brauche ich auch, denn nun straft das Wetter meine Aussage von heute Morgen endgültig Lügen: es schüttet wie aus Kübeln! Ich muntere Lykke neben mir auf, dass es ja zum Glück Süßwasser ist, was da runter kommt, und das spült schließlich das ganze, gräßliche Salz ab! Ich weiß nicht, ob sie das überzeugt, aber sie lächelt zurück! Der Regen ist zwar heftig - der wandernde Däne tut mir echt leid! - aber er dauert nicht übermäßig lange. Direkt danach reißt der Himmel auf, und die Sonne strahlt scheinheilig aus einem blauen Himmel!

Die Einfahrt ins Noor ist aus dieser Richtung kommend erst sehr spät zu sehen, aber irgendwann erreichen wir sie und paddeln in ein absolut ruhig daliegendes Gewässer.

Ich steuere zuerst eine Stelle am Ufer an, von der ich meine, dass es sich um den Zugang zum Zeltplatz handelt, muss aber feststellen, dass der noch 100 Meter weiter nooreinwärts liegt. Der Platz ist in einem super Zustand - der Rasen ist gemäht, es gibt einen nagelneuen Holztisch und einen Abfalleimer! 

Es ist noch etwas früh für das Abendessen und so müssen wir uns die Zeit bis dahin etwas vertreiben. Dazu erkunden wir die nähere Umgebung und versuchen, nach Downtown-Egernsund zu gelangen. Aber das ist uns dann doch etwas zu weit und wir drehen auf halber Strecke um. Unterwegs treffen wir noch einen Tigerschniedel, den Freund aller Schrebergärtner, weil der ja diese ekligen braunen Wegschnecken frisst! Sympatischer kleiner Kerl!

Als es an das Bereiten des Abendbrotes geht, müssen Lykke und Simon feststellen, dass irgendjemand ihre Speiseölflasche nicht korrekt zugedreht hat, so dass sich ihr Inhalt davon gemacht hat. Die gute Nachricht ist, dass der Packsack erstaunlich dicht gehalten hat! Es ist allerdings einiges an Klopapier notwendig, um die Spuren dieser Ölkrise zu beseitigen.

Den ganzen Abend über scheint die Sonne und es ist leidlich lau - auch wenn die Auffassungen darüber möglicherweise auseinandergehen. Ich koche mit einen Tee nach dem anderen Kakao - denn meine Gaskartusche ist so gut wie leer und ich würde sie gerne in den bereits verstohlen danach gierenden Abfallbehälter entsorgen. Aber noch gibt sie sich nicht geschlagen.

Am nächsten Morgen ist mein Zelt das einzige, das von der Sonne beschienen wird. Dementsprechend bin ich der erste, der am Frühstückstisch sitzt und die Gaskartusche abermals testet. Es ist einfach unglaublich, wie lange aus der quasi leeren Blechdose noch brennbares Gas strömt! Elke nimmt als erstes ein Bad im Noor, nachdem sie in der Senkrechten ist. Ich halte das für übertrieben bei den herrschenden Temperaturen! 

Dank der Mülltonne, in der schließlich doch noch meine erfolgreich entleerte Kartusche landet, sind unsere Boote heute spürbar leichter, als wir sie ins Wasser heben. Nach Wettervorhersage soll ja ein ordentlicher Westwind herrschen, aber hier ist davon noch absolut nichts zu spüren. Über glattes Wasser paddeln wir zur Zugbrücke in Egernsund. Dort wartet schon eine Segelyacht namens "Lykke" darauf, dass die Straße hochgeklappt wird, damit sie in die Förde passieren kann. Wir ziehen einfach unsere Köpfe ein wenig ein und fahren unter durch.

Es herrscht heute deutlich mehr Schiffsverkehr in Form von heimkehrenden Segelyachten. Natürlich fahren die alle quer zu unserer Fahrtrichtung, weil sie um die "Schwiegermutter-Tonne" herum müssen und nicht wie wir durch das Flach vor Holnis fahren können. Da die Yachten wegen des guten Windes einigermaßen Tempo drauf haben, ist es nicht leicht einzuschätzen, ob man noch vor ihnen durch kommt oder sie besser passieren lässt. Für manche Querläufer müssen wir nach rechts schwenken und beschleunigen, für manche nach links und verzögern. Entsprechend stellt sich unsere GPS-Spur für diesen Bereich wie eine Schlangenlinie dar.

In Langballigau gehen wir für eine Pause an Land. Das Wetter ist nicht gemacht, um gemütlich in der Sonne zu sitzen und ein Fischbrötchen zu essen. Trotzdem ist es im Ort voll wie auf dem Kuhdamm. Es wird mir ein ewiges Rätsel bleiben, warum die halbe Welt sonntags immer nach Langballigau reist, um hier zu flanieren.

Leider hält der Wind nicht, was die Vorhersage versprochen hat - er weht mit höchstens vier Beaufort! Aber immerhin wie versprochen aus Westen. Bei diesen Bedingungen hätte man durchaus über den Belt fahren können! Nun ja - es ist, wie es ist. Nächstes Mal!

GPS-Daten


Freitag, 5. Oktober 2018

Langes Wochenende zur Einheit (1/3)

Lange schon habe ich mir den Donnerstag nach dem Mittwoch der Einheit freigenommen. Da ich freitags nun immer Frei-Tag habe, würde da eine super-lange Reihe von freien Tage zusammenkommen, die paddeltechnisch genutzt werden will. Eine Kreuzfahrt durch die Dänische Südsee unter herbstlich milder Sonne habe ich mir vorgestellt, mit irgendwie kooperativen Winden oder zumindest ohne widrige.

Schlimmer hätte die Aussicht dann gar nicht sein können, als der Termin in den Vorhersagebereich rückte: durchgängig Winde jenseits von sechs, teilweise bis acht Beaufort aus West. Für den gesamten Zeitraum! Als Zugabe viel Regen und wenig Temperaturen. So sehr ich auch überlegte und Alternativen erwog - ich sah mich schon zu Hause sitzen und weiter dem niesligen November beim Einzug in mein Gemüt zuzusehen.

Erst am Dienstag war klar, dass der gesamte Wind sich auf den Mittwoch und der Regen auf den Donnerstag konzentrieren würden. Freitag wenig Wind, Samstag so gut wie gar keiner - und vor allem am Sonntag kräftiger Nordwind! Gerettet!

Marie-Theres fährt mich am Nachmittag nach Habernis am Westende der Geltinger Bucht. Das Boot ist schnell gepackt - ich habe allerhand Überflüssiges zu Hause gelassen, was ich sonst nur mitnehme, wenn ich mit einer Gruppe unterwegs bin. Entsprechend viel Platz ist in meinem Boot noch. Trotzdem ächzt Marie-Theres, als sie es das kleine Stück bis zum Wasser tragen muss.

Ich will den Shelter, von dem Trenk mir erzählt hat, ausprobieren und halte daher einen deutlich westlicheren Kurs als sonst. Es soll eine Metalltreppe vom Strand zu ihm hinauf führen, das ist mein Anhaltspunkt. Es scheint die erhoffte milde Herbstsonne und die Temperaturen liegen bei unglaublichen 19 Grad!

Der Shelterplatz ist schnell gefunden, aber er ist längst nicht so entlegen wie der Übernachtungsplatz ein Stück weiter im Wald. Als ich die Holzhütte in näheren Augenschein nehme, beschließe ich aber doch hierzubleiben und sie zu nutzen. Die Hütte hat keinen Blick aufs Wasser, dafür wird sie aber bis zum letzten Moment von der Abendsonne beschienen. Fürs Abendessen wähle ich den Holztisch direkt am Wasser, das ist romantischer. Die Nudeln zu kochen, ist keine große Tat - allerdings kippt mir die Tüte mit der Tomatensauce so unglücklich um, dass etliches davon unter dem Tisch landet. Dass ich große Teile davon auch auf meiner Hose verteilt habe, merke ich leider nicht gleich, so dass der Brei schön einmassiert wird und ich aussehe wie ein inkontinenter Penner.

Ich bin nur knapp sechs Kilometer gepaddelt - und doch Lichtjahre entflohen - und vor allem und ganz unzweifelhaft: angekommen! Die Luft ist unglaublich lau, am Horizont sendet der Leuchtturm von Kalkgrund stolz und stoisch sein Licht in die Runde. Das seines Kollegen von Kegnes sieht dagegen fast etwas eingeschüchtert aus. Im dunkler werdenden Rund blinkt noch dies und das und alles in beruhigender Langsamkeit. Nur ein Seezeichen in der Nähe meines Startortes blinkt ganz hektisch. Es hat eine Frequenz von etwa zwei Hertz, was im Spektrum der Nautik etwa dem entspricht, was in der Optik unter extrem harter Röntgenstrahlung geführt wird. Die Lichter des Campingplatzes bei Habernis liegen so dicht über dem Horizont, dass sie flimmern wie eine animierte Weihnachtsbeleuchtung. Insgesamt ist die Szenerie aber sehr sparsam illuminiert. Und alles fein ordentlich sortiert: was ortsfest ist, hat blinkende Lichter, was sich bewegt, führt feste Lichter. Nur ein ortsfestes, konstant grünes Licht, etwa auf halber Strecke zwischen Kalkgrund und dem Mars, bringt Unordnung in diese Harmonie. Erst, als nach einiger Zeit glucksende Geräusche aus weiter Ferne herangetragen werden, die man als bemühte Startversuche eines Dieselmotors interpretieren könnte und sich wenig später der Campingplatz auf das ortsfeste grüne Licht zubewegt, ist die Ordnung wieder hergestellt.

Still ruht die See - es sind kaum Geräusche zu hören. Das Rauschen der Restwellchen ist fast das einzige, was die Ohren davor bewahrt, ihr eigenes Rauschen wahrzunehmen. Hin und wieder fliegt ein Schwarm Gänse über mich hinweg. Wie zum Teufel landen die jemals wieder? Die können doch nicht bis zur Morgendämmerung in der Luft bleiben! Und wenn sie jetzt zur Landung ansetzen, würden sie doch mit jeder Kuh kollidieren, die im Wege steht. Oder wie sehen die nachts? Ich jedenfalls würde nicht mal mehr zum Shelter zurückfinden ohne meine Stirnlampe.

Es treten immer mehr Sterne hervor, sogar die Milchstraße zeigt sich zögerlich. Dieses neblige Band, das ich als Kind immer so bewundert habe, ohne zu wissen, dass jeder Nebeltropfen in ihr eine Sonne darstellt, dieses Band traut sich in Kiel nicht mehr aus der Deckung. Schon für diesen Anblick hat sich die Aktion gelohnt.

Bei all dem Frieden, den ich so genieße und der mir so gut tut, überlege ich, ob mir das Paddeln vielleicht nur Mittel ist, um dieses Ziel zu erreichen, oder ob es auch Selbstzweck ist. Im Moment kann ich es nicht entscheiden und genieße nur, dass mir dieses Mittel solche Ziele ermöglicht.

Samstag, 3. September 2016

Nasse Grenzüberschreitung

Dieses Jahr deckt sich meine Intention mit der Realität: die Teilnehmer meiner Tour auf der Flensburger Förde sind tatsächlich alles Neulinge - bis auf Elke, aber auch die kennt die Tour noch nicht. Wir sind etwas spät dran, weil wir durch unsere verzögerte Abfahrt in den Rush-Hour-Stau in Eckernförde gekommen sind und daher nicht mehr rechtzeitig über die Klappbrücke in Kappeln kamen. So konnten wir den Segeljachten zusehen, wie sie in erstaunlicher Zahl die senkrecht gestellt Straße in beiden Richtungen passierten.

Am Strand in Habernis geht es darum, all die Ausrüstung, von der man denkt, dass sie unerlässlich sei, in die Boot zu bekommen. Das treibt manche Falte auf die Stirn meiner Mitpaddler, aber letztlich meistern alle diese Puzzleaufgabe erfolgreich. Was partout nicht passt, wird in den Laderaum meines nur mäßig befüllten Schiffes ausgelagert. Schließlich ist es halb acht, als wir erwartungsfroh in den Booten sitzen. Sonnenuntergang ist um kurz nach acht, vorher werden wir keinen Landfall mehr schaffen. Obwohl wir mit gutem Tempo unterwegs sind, ist es halb neun, als wir unsere Boote jeweils zu viert über die glibschigen Steine ans Ufer tragen. Leider sind nicht nur die Steine glibschig - auch der Hang lässt sehnüchtige Erinnerungen an den Treppenbaum hochkommen. Zum Glück habe ich ja meine Schleppleine dabei, die wir geschickt an zwei Bäumen auf dem Steilufer befestigen, so dass sie uns sehr beim Erklimmen der Steilwand hilft.

Der Zeltaufbau findet mit dem letzten Büchsenlicht statt, das anschließende Abendessen in völliger Dunkelheit beim schummrigen Schein zweier Kerzenlaternen. Zu allem Überfluss setzt auch noch leichter Regen ein, der aber zum Glück größtenteils durch das Blätterdach der Bäume abgefangen wird. Nur Felix, der am äußerten Ende der Bank sitzt, wo keine Blätter mehr hinreichen, hat nicht ganz so viel Glück.

In der Nacht wächst sich der Regen aus. Das hört sich im Zelt sitzend sehr gemütlich an. Vorausgesetzt, das Zelt ist dicht. Delbrin ist mit einem Iglu-Zelt aufgelaufen, bei dem im Firstbereich eine große Lüftungsgaze angebracht ist. Leider weiß niemand, wo die Abdeckung dafür geblieben ist. So muss er feststellen, dass Lüftungsgaze für Regentropfen keine wirkliche Hürde darstellt und dass eine Nacht Dauerregen beeindruckende Seen in einem Zelt entstehen lässt. Als ich am Morgen einen Blick nach draußen riskiere, sehe ich, dass es nur noch aus den Bäumen nachtröpfelt und mache mich fertig für den Tag. Als ich soweit bin, das Zelt zu verlassen, setzt erneut ergiebiger Regen ein. Ich ziehe mich in meinen warmen und trockenen Schlafsack zurück. Delbrin schaut vermutlich den Seen in seinem Zelt beim Wachsen zu.

Als ich nicht mehr länger liegen kann und auch das Tröpfeln deutlich nachgelassen hat, verlasse ich doch mein Zelt und sehe an der glatten Oberfläche der Förde, dass es außerhalb des Waldes gar nicht mehr regnet. Man kann sogar mit einigem Optimismus eine Aufhellung der Gesamtsituation erkennen. Na also! Die klatschnasse Bank wird mit allerlei Schutzunterlagen abgedeckt, so dass wir beim Frühstücken nicht gleich einen nassen Hintern bekommen. Ich hatte nach meinem Rückzug vorhin die Wettersituation geprüft, und die sah für unsere nahe Zukunft alles andere als verlockend aus: Den ganzen Sonntag soll es heftig regnen und der Wind vormittags aus Osten wehen. Auch ohne das Wissen um die Delbrin'sche Seenplatte hatte ich bereits den Entschluss gefasst, die Tour um einen Tag zu verkürzen. So müssen wir auch nicht die Ochseninseln erreichen und können den Tag entspannt und gelassen angehen. Entsprechend dehnen wir das Frühstück aus. Je länger wir am Tisch sitzen, desto freundlicher und strahlender wird der Himmel!

Im Übrigen haben wir heute eine zusätzliche Herausforderung zu meistern: Der Hang ist durch den reichlichen Regen dermaßen rutschig, dass es eigentlich nicht mehr möglich ist, ihn zu besteigen, geschweige denn, große und schwere Gepäckstücke an ihm herunter zu bringen! Aber wir sind ja pfiffige KerlchInnen und lassen uns von solch Widernissen nicht die Laune oder gar die Tour verderben. An den Stellen im Hang, an denen man halbwegs stehen kann, wird je eine Person postiert. Das Gepäck wird in Ikea-Tüten oder liebevoll zusammengeknoteten Bündeln in den Karabinerhaken meiner Schleppleine geklinkt und zur ersten Person abgeseilt. Die reicht es dann weiter und schließlich erreicht so alles unversehrt und fast unverdreckt den Strand!

In der Abdeckung der Steilküste heizt uns der Sonnenschein noch mächtig ein. Das lässt nach, als wir um die Nase der Halbinsel Broager nach Westen in die offene Flensburger Förde biegen. Hier werden die Wellen allmählich etwas größer und der Wind etwas bissiger, so dass es sich eher wie Seekajak-Fahren anfühlt, was wir hier machen. Aber alle haben einen großen Spaß mit den Umständen, niemand wirkt auch nur ansatzweise ängstlich oder überfordert. Aber lang sind die Arme schon, als wir in Brunsnäs zur Pause an Land gehen. Dort sitzt bereits ein nettes dänisches Paar auf der Bank im Windschatten. Sie sind etwas verwundert, dass wir gestern auf direktem Wege über die Förde gefahren sind, weil sie denken, man solle nur maximal 300 Meter vom Ufer entfernt paddeln. Ich antworte: "300 Meter stimmt, aber nicht maximal, sondern minimal!"

Mittlerweile hat sich der Himmel fast vollständig bewölkt und es ist einiges Dunkel zu sehen. Aber es regnet nicht. Die Rückfahrt legen wir so, dass wir den Wind zuerst schräge von vorne nehmen. Ich will meinen Mitpaddlern Gelegenheit geben, sich an die Bedingungen zu gewöhnen, bevor ich den schwierigeren, direkten Kurs auf Langballigau nehme. Niemand hat auch nur die geringsten Probleme auch genau querab ankommende Wellen abzureiten, so dass wir schließlich in wildem Ritt direkt auf LA zurauschen. Hier liegt ein Stahlschiff am Anleger, an dem offensichtlich noch gewerkelt wird, und das allerlei Abwehrmaßnahmen gegen das besonders bei Möwen so beliebte Zielkacken ergriffen hat: drei Viertel des Schiffes sind unter einer wenig attraktiven Plastikplane versteckt, der Rest ist mit rot-weißem Band zur Baustellenmarkierung verziert und über allem ziehen zwei an etwa zehn Meter hohen Peitschenmasten montierte Greifvögel-artige Plastikdrachen ihre Kreise. Respekt!

Die Jannis-Eisbude in LA heißt nicht mehr Jannis - aber das Eis ist immer noch lecker! Manche bevorzugen coffeinhaltige Warmgetränke - jeder wie er mag! Und bei der Gelegenheit werde ich mir auch noch mit Elke über den Verkauf meines Zweitkochgeschirrs einig. Der Rückweg nach Habernis ist nicht mehr schwierig - der Wind bläst uns genau dorthin und die Wellen sind harmlos. Um halb sechs legen wir an, die meisten haben ihre erste ernsthafte Seekajak-Tour gemeistert und gezeigt, dass sie bereit sind für weitere Herausforderungen. Vielleicht bei besseren Wetterbedingung - oder mit regendichten Zelten!

Während ich diese Zeilen schreibe ist es Sonntag geworden. Die Temperaturen sind lausig und immer wieder fällt Regen auf die Welt. Jedesmal, wenn ich nach draußen sehe, freue ich mich! Wie ärgerlich, wenn wir die Tour abgebrochen hätten - und dann wäre doch schönes Wetter gewesen!

Sonntag, 23. August 2015

Spießer auf Tour!

Meine alljährliche Tour auf der Flensburger Förde ist vornehmlich für Leute gedacht, die mit dem Paddeln gerade angefangen haben und "weiter hinaus" wollen - vorzugsweise solche, denen ich im betreffenden Jahr in meiner Einsteigertruppe das Paddeln beigebracht habe. Die Resonanz aus dieser Zielgruppe ist aber seit jeher nur sehr verhalten, und ich werde mir überlegen, wie ich damit umgehen werde. Auch dieses Jahr sind wir eine kleine Gruppe und mit Carola ist lediglich eine einzige Teilnehmerin dabei, die neu im Geschäft ist.

Es ist durchgängig frischer Ostwind für das Wochenende angesagt, der am Sonntag seine größte Stärke entfalten soll. Die Option, den kleinen Belt gegen einen lauen Wind zu queren und dann mit frischem Rückenwind zurückzusurfen, fällt als nicht zielgruppenkompatibel aus. Auch die übliche Variante, in die Förde hinein und am Sonntag wieder heraus, bietet sich unter diesen Bedingungen nicht wirklich an. Also bleibt nur der Alsenfjord, den wir problemlos befahren können. Auch bei dieser Variante bleibt immer noch die Rückfahrt am Sonntag bei frischem Ostwind eine herausfordernde Aufgabe.

Die Packorgie am Strand von Habernis wird untermalt von einem bestialischen Gestank, der von den an den Strand angeschwemmten Algen verursacht wird. Ein Bagger mit gigantischer Schaufel ist gerade dabei, sie zusammen zu schieben, damit sie abtransportiert werden können. Die Besucher des kleinen Strandes freuen sich schon auf eine geruchsärmere Zukunft.

Die Überfahrt nach Broager ist wenig spektakular - doch halt! Normalerweise versuche ich meinen Begleitern immer nahezubringen, dass man seinen Kurs mittels Deckpeilung von Wind und Strömung unabhängig halten und damit optimal gestalten kann. Mein Erfolg damit hält sich meist in engen Grenzen. Dieses Mal habe ich die Kante der vor uns liegenden Steilküste und einem Busch mitten auf einem Hügel am Horizont als in Deckung zu haltende Objekte dafür angeboten. Das Ergebnis ist eine beeindruckend gerade verlaufende Linie unserer GPS-Spur! Geht doch!

Die ganze Zeit über hat Johanna sich schon auf den Moment gefreut, mein Gesicht zu sehen, wenn sie ihr neues Zelt aufbauen würde! Nach ihrer immer nur müde belächelten lila Lidl-Hütte hat sie sich nun ein echtes High-Tech-Zelt geleistet, das jeden eingefleischten Outdoorer mit Neid erfüllt! Ich bin beeindruckt!

Unbelastet durch Tide oder hochtrabende Pläne lassen wir es am Samstag Morgen gemütlich angehen. Der Wind ist lieblich und das Wasser liegt wunderbar blaugrün und erfrischend klar in seinem Bett. Sonderburg ist bald passiert und zeigt sich von Jahr zu Jahr moderner und mondäner - oder mondänischer? Im Sund geht eher gar kein Wind, so dass Johanna hier eher langweilig zumute ist. Wir laufen den Übernachtungsplatz in Arnkill an, um ihn zu inspizieren. Nach einer Pause mit einer kleinen Stärkung wechseln wir die Seiten und nehmen den gegenüber liegenden neuen Übernachtungsplatz in Augenschein. Der ist eindeutig spießiger als der erste, aber manchmal sind so ein richtiges Klo und fließend Wasser auch nicht zu verachten!

Wir wollen noch ein wenig das schöne Wetter nutzen, und ich biete an, dass wir vor der Nordspitze der Halbinsel zwischen Alsensund und Augustenburgfjord Rollen üben können. Carola macht ihre ersten und Johanna einige vielversprechende Versuche in dieser Richtung. Hanno zerbricht bei der Gelegenheit sein Paddel. Aber als echter Seekajaker hat er natürlich Ersatz dabei. Während für Carola der Tag voll ist und sie schon mal zu unserem spießigen Zeltplatz paddelt, fahren wir anderen noch ein Stück den Alsenfjord hinauf. Johanna braucht unbedingt noch eine Herausforderung, bevor sie diesen Tag als erfüllt ansehen kann. Wie ein junger Hund jiepert sie nach Bewegung! Der Rückenwind bläst frisch und wir machen höllisch Fahrt. Bei manchen Surfs sind wir über zehn Stundenkilometer schnell - das junge Hündchen immer vorweg! Das ändert sich, als wir umkehren und uns der Wind ins Gesicht bläst. Durch das lange und leidvolle Training meiner Tour von Göteborg nach Oslo nehme ich Gegenwind nicht mehr wirklich ernst und paddle stur meinen Stiefel runter - notfalls auch für Stunden. Trotzdem ist bemerkenswert, wie gut Johanna und Hanno mithalten. Es wird nicht mehr lange dauern, bis auch bei diesen Bedingungen jemand anders vorne fährt!

Am Sonntag müssen wir nur irgendwie wieder zurückkommen. Auch heute machen wir auf Urlaub und dehnen das Frühstück genüsslich aus. Die Strecke bis hinter Sonderburg ist aber doch von einiger Länge und Carola hat etwas Schwierigkeiten mit ihrem Handgelenk. Da sie mit ihrem Boot noch nicht wirklich intim ist und sie am Freitag einigermaßen mit Wind und Kurs gehadert hat, bin ich einigermaßen skeptisch, ob sie die Querung der Flensburger Außenförde problemlos bewältigen wird. Es gäbe die Hasenvariante, bei der wir die Bucht Vemmingbund ganz ausfahren und uns an der Steilküste von Broager entlangdrücken würden - aber das würde keine Grenzüberschreitung bedeuten und der Kämpfernatur in Carola nicht gerecht. So gehe ich den Kompromiss ein, dass wir von Sonderburg aus erst einmal ein Stück genau nach Osten paddeln, um Höhe gegen den Wind zu machen und damit einen besseren Kurs auf unser Ziel fahren zu können.

Bei der Überfahrt bleibt mir einige Male das Herz kurz stehen. Das liegt an folgendem: Die Wellen sind erklecklich, die größten erreichen so etwa einen Meter. Carola kann absolut noch nicht stützen. Und außerdem ist sie immer noch nicht glücklich mit dem Verhalten ihres Bootes bei Seitenwind. Wenn man diese drei Zutaten zusammengibt, entstehen Situationen, in denen Carola das Skeg verstellen möchte, dazu das Paddel parallel zur Bootslängsachse auf ihre Schulter legt (so dass der Wind prima in die Blätter fassen kann!) und dann eine große Welle ihr Boot verwackelt! Meiner Erwartung nach hätte sie einige Male guten Grund gehabt umzukippen! Aber Carola lässt ihr Boot bei jeder Welle ganz gelassen mit der Hüfte abwackeln, stellt ihr Skeg wunschgemäß ein, holt das Paddel wieder von der Schulter und paddelt in aller Seelenruhe weiter! Ich glaube, ich habe viel mehr Stress, weil ich die ganze Zeit versuche, immer exakt zwei Meter neben ihr zu paddeln, was bei den herrschenden Bedingungen nicht ganz einfach zu bewerkstelligen ist.

Am Strand von Habernis angekommen, hat sie eindeutig mehr Grenzen überschritten, als nur die deutsch-dänische Landesgrenze!


Sonntag, 17. August 2014

Grenzüberschreitungen 2014

Für meine zweite diesjährige Tour habe ich für die Dokumentation einmal eine andere Darstellungsart gewählt. Google hat ein neues Tool im Beta-Test, das ich mal ausprobieren wollte:
https://tourbuilder.withgoogle.com/



Mal sehen, wie es sich bewährt und ob ich es in Zukunft weiter nutzen werde.

Samstag, 11. Mai 2013

Kiel Flensburg Teil 3: Von Broager nach Flensburg

Am Morgen ist das Wetter noch unentschieden. Über Dänemark liegt dichte, dunkle Bewölkung, über Deutschland scheint die Sonne. Zum Glück hat der Wind abgenommen, denn es soll heute ausnahmslos nach Westen gehen und das wäre mit dem Wind von gestern nicht erquicklich.

Mit dem Frühstück und den anderen Verrichtungen sind wir zur gleichen Zeit fertig, wie die Gruppe aus Hannover. Bei denen ist die Frage der Bekleidung auch durchaus unterschiedlich beantwortet worden. Die Antworten reichen von Trockenanzug bis kurze Hose mit kurzärmliger Jacke. Wir sind gleichzeitig auf dem Wasser und haben das gleiche Ziel, die Ochseninseln. Aber wir ziehen es doch von Anfang an vor, unser eigenes Tempo zu fahren. Wir werden uns ja "später" noch einmal treffen.

Auf der Förde herrscht Rum-Regatta. Da ist viel altes Holz auf dem Wasser und noch mehr weißes Tuch. Zu so einem Anlass gehört eigentlich eine frische Brise und vor allem Sonnenschein. Beides ist heute nicht zu haben - der Himmel ist grau und der Wind lustlos. Trotzdem macht es Spaß, den alten Schiffen zuzusehen und ihre interessanten Riggs zu bewundern. Ich kann sogar das erste Mal in meinem Leben einem Rah-Segler aus nächster Nähe dabei zusehen, wie er ein Wendemanöver durchführt. Ausgesprochen anspruchsvoll und interessant!

Auf den Ochseninseln machen wir eine ausgiebige Pause sowie den obligaten Spaziergang über die Insel. Kaffee und Kuchen muss auch sein. Als wir uns wieder auf den Weg machen wollen, läuft auch die Hannoveraner Gruppe ein. Es war schon die richtige Entscheidung, dass wir unser eigenes Tempo gefahren sind.

Während wir in Richtung Flensburg laufen, verdunkelt sich der Himmel immer weiter. Wir passieren die großen Mengen an Traditionsseglern, die sich hier im Hafen eingefunden haben und treffen auf einen, der mit seinem Seitenschwert die Wendetonne geknutscht hat. Da ist einiges an Reparatur fällig in der nächsten Zeit. Kurz vor dem definitiven Ende der Förde finden wir einen klitzekleinen Sandstrand, an dem wir unser Boote aus dem Wasser holen. Ich organisieren kurz unsere Rückholung und Peter eine Duschmöglichkeit im Hafengebäude. Während wir das Salz und die Kälte der letzten Tage mit wohlig warmen Wasser aus Haaren und Körper duschen, setzt draußen sintflutartiger Regen ein, der auch die folgenden Tage nicht aufhören soll. Ein besseres Timing für unsere Tour hätte wir gar nicht treffen können.

Samstag, 2. März 2013

Präsidialer Ausflug


Am Sonnabend, den 2. März sollte die Vollversammlung der Schleswig-Holsteinischen Sportjugend in Glücksburg stattfinden. Kein Problem eigentlich, da ich herzlich wenig damit zu tun habe. Eigentlich. Aber dann ist mein Verein dem Bildungsreferenten doch noch eine Gefälligkeit schuldig und wie es der Zufall will, sind alle anderen Alternativen auf Kindergeburtstagen unabkömmlich eingebunden - und der Präsident muss doch selber ran. Da will ich wenigstens die Gelegenheit nutzen, das Nützliche mit dem Angenehmen zu verbinden und rufe Trenk an. "Prima! Dein Tagungsort liegt gleich neben meinem Klub!"

Ich sitze zwischen der sportpolitischen Sprecherin der CDU-Landtagsfraktion, der Bildungsreferentin der Deutschen Sportjugend, die extra aus Frankfurt angereist ist, schräg gegenüber von der zweiten Vorsitzenden des Deutschen Sportjugend, dem Vorsitzenden der Hamburger Sportjugend - und direkt gegenüber dem von mir besonders verehrten Vorsitzenden des Landessportverbandes, dem ehemaligen Innenminister des Landes Schleswig-Holsten. Ich bin immer wieder angetan davon, wieviele engagierte und großartige Menschen sich finden, die sich dem Sport ehremamtlich widmen.

Nachdem ich also ein kurzes Statement vor den knapp hundert Delegierten und hochrangigen Ehrengästen abgegeben habe, verabschiede ich mich - wieder einmal, bevor das Buffet eröffnet ist. Trenk ist von seinem Klub hergepaddelt und nachdem wir mein Kajak vom Auto zum Wasser getragen haben, hilft er mir, "trockenen Fußes" auf die Förde zu kommen. Ich habe heute nämlich nur einen Neoprenstiefel dabei, der andere muss mir zu Hause beim Packen aus der Kiste gefallen sein!

Es ist kurz vor vier und es herrscht ziemlicher Wind, eine glatte sechs die gesamte Zeit über. Er weht genau aus West und es wellt recht ordentlich. Ich hatte im Vorfeld darum gebeten, dass wir die Tour so organisieren, dass ich für die Rückfahrt auf die Unterstützung des Windes setzen könnte. Also steht fest, dass wir anfangs grob nach Westen orientieren müssen. Aber wir wollen auch noch die Landabdeckung am dänischen Ufer ausnutzen und so queren wir die Förde zuerst einmal in Richtung Ochseninseln und hangeln uns erst dann dicht unter Land gen Westen.

Ich bin ganz zufrieden, dass ich die ganze Zeit recht locker gegen den Wind ankomme, ohne dass ich große Probleme habe. Aber nach anderthalb Stunden muss ich doch  einsehen, dass ich etwas zu essen brauche, denn ich habe seit dem Frühstück nichts mehr zu mir genommen. Im Windschatten der ehemaligen Fähranlage stärke ich mich mit meinen zwei Stullen und heißem Apfelsaft.

Trenk zeigt mir noch das Gelände seines Paddelklubs am Südufer. Eine mögliche Alternative für meine Vereinstour im späten August. Nachdem er noch ein kleines Stückchen mit mir und dem Wind gesurft ist, verabschieden wir uns und ich bin auf mich allein gestellt. Es herrscht kräftiger Wind, das Wasser ist rattenkalt und es wird langsam dunkel. In solchen Umständen sollte man den sich bietenden Surfgelegenheiten nur zweite Priorität einräumen und zuvorderst an eine sichere Ankunft denken. Entsprechend gemäßigt gestalte ich meine Fahrweise. Als ich mich am Schwimmsteg mühselig aus dem Boot hangele (mein Schuh darf ja nicht nass werden), ist es bereits ziemlich dunkel. Die ersten Meter trage ich mein Boot noch alleine, muss aber schnell einsehen, dass es nicht wirklich tragbar ist. Zum Glück ist die Tagung noch nicht ganz beendet, so dass ich jemanden finde, der mir hilft. Das nächste mal muss ich daran denken, meinen Bootswagen einzupacken!

Samstag, 5. Januar 2013

Zweite Leuchtturmfahrt des Jahres

Ich hänge kopfüber unter Wasser. Es ist quasi Winter und das Wasser ist sehr kalt. Ich weiß, dass ich unbedingt hochrollen muss und ein Fehlversuch fatale Folgen hätte. Ich erinnere mich an mein Scheitern damals in Wales, als ich so lange passiv auf die Entscheidung meines Auftriebs gewartet hatte, mich an einer Seite des Bootes nach oben zu bringen. Und dass keine Entscheidung fiel innerhalb der Luft, die ich zur Verfügung hatte. Und dass ich mich von Trenk wie ein Anfänger retten lassen musste. Und trotzdem bin ich vollkommen ruhig und entspannt. Ich weiß zwar nicht, wie es diesmal wirklich ausgegangen ist, denn an dieser Stelle ist mein Traum zu Ende. Aber es stimmt mich schon nachdenklich, dass mir die Begebenheit von vor über zweieinhalb Jahren so lange nachhängt. Es ist nicht allein diese Begebenheit sondern die Summe  aus ihr und der Wintertour zusammen mit Trenk und Jörg, bei der wir damals für die Umstände eindeutig zu sorglos waren, dem "Heute solltest du besser nicht reinfallen" der Tour vor zwei Tagen und der Aussicht, morgen mit Trenk eine Tour an gleicher Stelle und zu ähnlicher Jahreszeit wie unsere legendäre Wintertour zu machen. Aber vor allem stimmt es mich zuversichtlich, dass meine Sinne noch funktionieren und mich zur Räson rufen - wenn auch nur im Traum.
Im vergangenen Jahr habe ich keine einzige Tour mit Trenk zusammen unternommen. Nun haben wir uns kurzfristig verabredet, auf der Flensburger Förde paddeln zu gehen. Es soll ein leichter Wind aus West wehen, aber da sich die zuständigen Stellen in letzter Zeit recht häufig recht gründlich zur harmlosen Seite vertan haben, bin ich skeptisch und behalte mir vor, erst vor Ort zu entscheiden, wohin die Reise geht. Vor Ort sieht man, dass sich die zuständigen Stellen wieder einmal vertan haben - diesmal aber zur anderen Seite: Es ist genau gar kein Wind festzustellen!

Somit steht der Plan fest: Nach meinem Ausflug zum Kieler Leuchtturm folgt nur drei Tage später ein Ausflug zu meinem Lieblingsleuchtturm Kalkgrund. Die Förde liegt so plan da, wie ich sie noch nie erlebt habe und das Paddeln ist wunderbar entspannt. Auch deswegen, weil Trenk offensichtlich seine Jahre als Heizsporn durchlebt und abgelegt hat und ein gänzlich gesittetes Tempo hinlegt. Sehr angenehm - so könnte ich auch bis nach Helgoland paddeln.

Auch hier sind außer uns im wesentlichen fröhlich schnatternde Enten auf dem Wasser und auch hier sehen wir wieder einen Tordalk. Am Leuchtturm nutzt Trenk die Gelegenheit, erklimmt das Bauwerk und tut, was er bei einer längeren Tour immer zu tun pflegt: er korrigiert den Wasserstand der Förde. Da immer noch Flaute herrscht, wir noch nicht recht angestrengt sind und auch noch Zeit haben, beschließen wir, statt zurück nach Sonderburg zu paddeln. Aber das ist letztendlich doch etwas arg weit, so dass wir irgendwann mittendrin nach Broager abdrehen und von dort zurück zu unserem Ausgangspunkt. Ohne dass wir es beabsichtig haben, gleicht unsere Spur damit fast einem Quadrat, was mich auf eine Idee bringt: Man könnte doch versuchen, einmal einen möglichst ideal quadratischen Kurs mit vorgegebener Kantenlänge zu fahren - sagen wir 1 Kilometer. Das wären dann in der Summe 4 Kilometer und derjenige mit der geringsten Abweichung hat gewonnen! Natürlich darf man das GPS nur zur Spuraufzeichnung einsetzen, weil das sonst ne Nullnummer wäre. Eine gute Übung für exakte Navigation!

Obwohl das Wasser auch bei der Annäherung an Broager noch spiegelglatt daliegt, können wir keinen Schweinswal sichten. Trenk behauptet, dass die Dinger Winterschlaf halten, aber ich glaube das nicht.

Alle Bilder dieser entspannten Tour gibt's hier.

Sonntag, 21. August 2011

Fördetour: Im Strom der Rückreisenden

 
In der Nacht hat es doch tatsächlich etwas geregnet! Aber als wir aus den Zelten kriechen, zeigt sich schon die Sonne hinter der Obstplantage, an der unser Übernachtungsplatz liegt. Durch die Aufmerksamkeit des Obstbauern, der einen seiner vollen Container direkt am Zaun abgestellt hat, haben wir heute frische Birnen für das Müsli zum Frühstück. Birke, Karen und ich haben zur Feier des Tages unsere Vereins-T-Shirts angezogen und geben ein beeindruckendes Bild am Frühstückstisch ab!

Obwohl wir heute die Zelte noch trocknen müssen, sind wir schneller mit dem Packen als die letzten Tage. Da macht sich eindeutig aufkommende Routine bemerkbar. Wir machen uns zusammen mit einigen der zahlreichen Segler, die die Nacht vor unserem Strand im Sund geankert haben, auf dem Weg zurück nach Sonderburg. Das Wetter ist unerwartet gut und wir genießen den kräftigen Sonnenschein. Bevor wir auf die offene Ostsee hinaus fahren, machen wir am Strand noch einmal Pause. Der Wind kommt heute östlich, so dass wir auf Broager wohl kaum problemlos anlanden könnten. Der Strand von Sonderburg ist zwar etwas früh für eine Pause, aber letztlich ja keine schlechte Wahl. Ron fällt beim Aussteigen aus dem Boot direkt ins Wasser, ist aber nach eigener Aussage gar nicht nass geworden - auch wenn nur noch seine Nasenspitze aus dem Wasser ragte!

Der Sonntag neigt sich dem Ende, was man unschwer daran erkennen kann, dass ein steter Strom von Segelbooten von Sonderburg nach Flensburg zieht. Wir fahren etwas dichter unter Land als dieser Strom, so dass wir ihn kaum merken, aber als wir die Förde schließlich queren wollen, müssen wir uns doch mit ihm arrangieren. Mir fällt auf, wie ausgesprochen freundlich die Segler hier (oder heute?) sind: sie grüßen von sich aus, ohne dass wir vorher gegrüßt hätten. Vielleicht weil hier eher selten Paddler anzutreffen sind, vielleich sind es aber auch einfach freundliche Menschen, die da an uns vorbei fahren.

In Habernis trennen sich die Wege der Beteiligten wieder für unterschiedlich lange Zeit. Aber es war eine ausgesprochen erholsame und harmonische Tour - und das lag nicht nur am durchgehend guten Wetter!

Alle Bilder...

Samstag, 20. August 2011

Fördetour: Alsensund und -fjord

Die klassische Variante der Tour hätte uns heute zu den Ochseninseln gebracht. Aber da stand der Wind dagegen. Also Alsen!

 Der Morgen ist wunderschön und der Zeltplatz auch und das Frühstück sowieso. Und so brauchen wir wieder länger als gedacht, aber zum Glück nicht länger als nötig. Die Steine, über die wir unsere Boote ins Wasser tragen müssen, sind glitschig und wir müssen arg aufpassen, dass uns hier nicht vorzeitige das Ende der Tour ereilt. Zum Glück steht keine Welle auf unser Ufer, so dass das Einsteigen vollkommen problemlos ist.

Die Bucht Vemmingbund zu queren, dauert nicht lange. Hier kann man häufig Schweinswale sichten, aber die trauen sich nur raus, wenn das Wasser absolut glatt daliegt, nicht wenn es so bewegt ist, wie heute. Es ist wie mit den Sternschnuppen, die kommen auch nur nachts raus! Kurz vor Sonderburg ist eine kleine Wasserfläche mit vier roten Bojen markiert, innerhalb derer eine Schar Optimisten emsig hin- und herkreuzt. Wir wollen lässig außen an dem Areal vorbeifahren, um die Nachwuchssportler bei ihren Manövern nicht zu stören. Aber plötzlich entdeckt uns die Besatzung des Begleitbootes und es rauscht mit voller Fahrt auf uns zu. Die Segler üben den Start einer Regatta, bei der man ewig vor der Startlinie kreuzt, um sie dann genau zum vorher festgelegten Zeitpunkt - also möglichst nicht viel später aber auf keinen Fall früher - zu kreuzen. Wenn wir unseren Kurs und Geschwindigkeit so weiterfahren, paddeln wir exakt zum Startzeitpunkt exakt vor ihrer Startlinie! Wir ändern sofort großzügig unseren Kurs und alles geht gut!

Die Silhoutte von Sonderburg ist sehr abwechlungsreich: Alte Lagerhäuser mit zugewachsenen Dachrinnen wechseln sich ab mit modernen Wohnanlagen direkt am Wasser, traditionelle Handelshäuser der Innenstand mit der futuristischen Architektur der neuen Universität. Man kann die zwei Welten förmlich spüren: das alte fischig verträumte Königreich und den modernen erfolgreichen Staat Dänemark. Vorbei am mondänen deutschen Ruderklub und dem quirligen dänischen Kajakklub schippern wir gemütlich den Alsensund hoch bis zum Rastplatz Arnkil, der im zweiten schleswig-holsteinischen Krieg Schauplatz geschichtsträchtiger Vorgänge war. Hier wollen wir die Nacht verbringen und da eh eine ausführliche Pause fällig ist, bauen wir unsere Zelte schon mal auf.

Da der Tag noch jung ist, wollen wir natürlich noch etwas paddeln und versuchen, ob wir Dyvik, eine schöne Noorlandschaft im Norden des Alsenfjord, erreichen. Auf dem Weg dorthin müssen wir die Route einer Fähre kreuzen, die einmal alle halbe Stunde vom europäischen Kontinent zur Insel Alsen verkehrt. Natürlich ist unser Timing genau so, dass wir exakt mit der Fähre kollidieren würden - wenn wir nicht die Klügeren spielen und warten würden. Bei der Querung des Fjordes haben wir den immer noch erklecklichen Wind von hinten und können sogar ein bißchen surfen üben.

Wir sind schon eine erkleckliche Weile unterwegs und haben allerhand Kilometer zusammengepaddelt und zum Zeltplatz müssen wir auch noch wieder zurück. Ich möchte meine Mitpaddler nicht überbeanspruchen und biete an, am Eingang der Dyvik umzukehren. Birke nimmt dieses Angebot dankend an, aber Karen hat versprochen, dass man ein einiger Entfernung ein Eis essen kann und das wollen sich die anderen nicht entgehen lassen.

Die gesamte Rückfahrt über begeitet uns ein Segelboot, das einen Hauch schneller fährt als wir. Erst als wir in den Alsensund einbiegen, können wir es überholen, weil es wegen des Windes und seines Tiefganges einen erheblich ungünstigeren Weg fahren muss. Als wir an unserem Übernachtungsplatz ankommen, hat Birke einen neuen Rekord aufgestellt: Wir sind heute insgesamt fast 40 Kilometer weit  gefahren! Das ist eine beachtliche Tagesleistung!

Alle Bilder...