Posts mit dem Label Schleimünde werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Schleimünde werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Sonntag, 29. März 2026

Schleimünde im "Februar"


"Schleimünde Februar 2026" heißt die Signal-Gruppe, in der wir uns über unser Vorhaben für das erste Wochenende des titelgebenden Monats abstimmen. Leider sind die Temperaturen aber Wochen vor dem geplanten Termin dergestalt, dass Zweifel an der Klimaerwärmung aufkommen könnten: die Schlei ist in großen Teilen zugefroren!

Eine längliche Diskussion hebt an, wie wir mit dem misslichen Aggregatzustand umgehen. Am Ende steht ein neuer Termin für unsere Unternehmung: das letzte Wochenende im März. Bis auf eine Teilnehmerin können alle auch diesen Termin ermöglichen. Ein Nachrücker ist schnell gefunden — die Signal-Gruppe behält ihren Titel.

Es sind fünfzehn Teilnehmer angemeldet, und Anja hat es mal wieder geschafft, das Lotsenhaus für uns zu mieten. Es sind alles alte Schleimünde-Hasen, so dass die Abstimmung, wer was für die gemeinsame Essenszubereitung mitbringt, kein großes Aufheben macht.

Startort soll wieder Sieseby sein. Das sind rund 18 Kilometer und damit eine gute Tagestour. Der Wind bläst einigermaßen frisch aus einer gnädigen westlichen Richtung. Ulrich hat sogar sein Segel mitgenommen und rauscht gleich mächtig davon. Ich strenge mich am Anfang kurz an, um ihn einmal beim Segeln zu filmen. Danach rauscht er der Gruppe davon, und ich trödele ihr gemächlich hinterher. 

Durch den kooperativen Rückenwind sind wir mächtig zügig unterwegs und kommen nur in Arnis einmal kurz zum Sammeln zusammen — eine wirkliche Pause brauchen wir nicht. Ganze zwei und eine viertel Stunde dauert die Hinfahrt. Trotz des hohen Tempos ist niemand über das für die noch junge Saison vertretbare Maß angestrengt. Dass das für die Rückfahrt am Sonntag vermutlich nicht gilt, ist uns schon jetzt klar.

Peter hat sich ein neues Zelt gegönnt und muss dessen Performance ausprobieren, Sven ist wieder minimalistisch unterwegs und stellt sein Tarp auf den Sand. Auch ich lasse mir die Gelegenheit nicht entgehen, unter freiem Himmel zu übernachten. Aus der eindrücklichen Erfahrung am Wochenende vor vierzehn Tagen habe ich diesmal sogar meinen Schlafsack eingepackt! Damals hörte meine Körperwahrnehmung in der Nacht südlich der Kniee auf  — jenseits davon befanden sich nur noch irgendwelche fremdartigen Eiszapfen. Die Nachttemperatur betrug da aber nur etwa drei Grad, heute soll es nur auf fünf Grad herunter gehen.

Während wir unsere Stoffhütten aufbauen, wird im Lotsenhaus die Zimmerbelegung ausgefochten. Offensichtlich geht das aber ohne Blutvergießen vonstatten. Die Anzahl der Zimmer in dem Gebäude ist aber geeignet, durchaus auch noch größere Gruppen zu beherbergen. Danach wird zügig zum Abendessen übergegangen. Jeder hat irgend etwas mitgebracht, das auf den Tisch kommt und allen zur Verfügung steht. Es gibt leckeren Chinoa-Salat, einen Salat mit roten Beeten, Fladenbrot, Zimtbrötchen, leckere Dinger von Lena mit Äpfeln und Tomaten und ich weiß nicht, was alles noch. Und alles in schier unbewältigbaren Mengen, so dass wir fürchten, wir müssen unseren Aufenthalt hier verlängern, damit wir nicht die Hälfte davon mit zurück nehmen müssen.

Die Nacht war entspannt. Es ist kaum zu glauben, was so ein Schlafsack für einen Unterschied macht! Auch die beiden anderen Draußen-Schläfer sind zufrieden mit der Performance ihrer Ausrüstung. Beim Frühstück werden Pläne für den Tag geschmiedet. Nicht alle wollen nach Kappeln, um dort ein Fischbrötchen abzugreifen, einige ziehen eine Fahrt zum Leuchtturm Falshöft vor. So bilden wir zwei Gruppen — die Falshöft-Fraktion startet deutlich früher, denn sie hat ja eine weitere Strecke zu bewältigen. Ich möchte zum einen nicht so früh starten und will vor allem nicht auf das Fischbrötchen verzichten!

In Kappeln müssen wir am Ostufer anlegen, weil die andere Seite fest im Griff der zahlreichen Angler ist und wir fürchten, gegen deren Überzahl im Konfliktfall nicht bestehen zu können. Aber hier können wir die Boote auch viel problemloser deponieren. Unser Weg führt direkt zum amtlichen Fischbrötchen-Händler von Kappeln, der Fischräucherei Föh. Leider setzt unterwegs Regen ein, so dass Elli mit ihrer Daunenjacke einen beschleunigten Schritt vorlegt. Aber die Fischbrötchen sind einfach exquisit! Peter muss sich sogar noch ein Zweites bestellen.

Nach der Ankunft in unserer temporären Herberge auf der Lotseninsel bleibt mir nicht viel Zeit zur Entspannung. Ich kann nur eine kurze Weile in meinem Buch "Das Rosi-Projekt" lesen, da steht schon der nächste Pflichtpunkt auf dem Programm: Kaiserschmarrn essen! Peter hat mal wieder sein Boot voll Eier geladen und brutzelt für uns alle eine fluffige Stärkung. Zentraler und sinnstiftender Bestandteil sind seit einer Woche in kräftigem Rum ertränkte Rosinen! Ich habe Apfelmus und Vanille-Sauce zur Verfeinerung beigesteuert. Wenn ich das esse, weiß ich wieder, wofür ich all die Strapazen, Entbehrungen und Anstrengungen solcher Unternehmungen auf mich nehme!

Das gesellige Beisammensein hat neben allem Spaß und der Freude am Umgang mit liebenswerten Menschen auch den Effekt, dass in größerer Runde locker und unverbindlich Themen diskutiert werden, die im Verein aktuell sind. Es sind tragende Säulen des Vereinslebens mit von der Partie und solche, die es werden wollen oder mindestens könnten. So kommt eine solide Meinungsbildung zu Stande und oft genug sind daraus auch schon Initiativen entstanden, die den Verein voranbringen.

Für die zweite Nacht nehme ich mir eine Decke aus dem Haus mit, die ich mir als zusätzliches Kopfkissen untergelege. Kopfkissen haben in meiner Jahrzehnte währenden Outdoor-Karriere kontinuierlich an Bedeutung gewonnen! Anfangs habe ich mir einfach immer nur Kleidungsstücke untergelegt, die ich in der Nacht nicht benötigt habe. Irgendwann habe ich mir dann ein aufblasbares Kissen schenken lassen, dass aber wirklich nicht sehr voluminös ist. Dank der zusätzlichen Decke wird die zweite Nacht noch entspannter, obwohl die Lufttemperatur auf nur zwei Grad zurückgeht. Vielleicht werde ich mir irgendwann einmal ein noch voluminöseres Kopfkissen schenken lassen!

Auch für die Rückfahrt am Sonntag bilden sich zwei Gruppen. Betzi hat am Nachmittag noch einen Termin und will nicht in Verdrückung geraten. Sie will mit Jens früher starten. Für alle anderen wird ein Abfahrttermin von zehn Uhr dreißig festgelegt. Sommerzeit! Allerdings sitzen wir unerklärlicher Weise bereits um zehn Uhr abfahrbereit in den Booten. Der Wind weht immer noch aus Westen und soll heute im Verlauf des Tages weiter zunehmen. Wie erwartet sind wir nicht ganz so schnell wie auf der Hintour. Aber im Grunde bin ich eher überrascht, wie harmlos der Wind ist — bis wir in Arnis aus dem Hafengebiet herausfahren! Während die Schlei zwischen Kappeln und Arnis ziemlich genau in Nord-Süd-Richtung verläuft, öffnet sie sich hier nach Süd-West. Entsprechend ungehindert bläst uns der Wind nun ins Gesicht! Allerdings gehen wir gleich im kleinen Steinhafen beim Spielplatz an Land, um Pause zu machen.

Anja hat in der Zwischenzeit eine Nachricht von Betzi empfangen, die mit Jens bereits in Sieseby angekommen ist. Sie sagt, dass dieses offene Stück keinen Spaß bereitet und bietet an, die Fahrer unserer Fahrzeuge in Sundsacker gegenüber von Arnis abzuholen und nach Sieseby zu fahren. Die paar hundert Meter offenes Wasser zwischen dem geschützten Arniser Hafen und dem Anlanden am Pausenplatz haben allen klar gemacht, dass es ein zäher Kampf werden würde, den Parkplatz unserer Autos auf dem Wasserwege zu erreichen.

Jörg und ich waren den ganzen Winter regelmäßig paddeln, so dass wir im Training sind. Lena geht auch regelmäßig paddeln und ist so jung, dass sie Anstengung ohne Probleme wegstecken kann. Peter ist eh unkaputtbar — und gegen Maditha ist der Duracell-Hase ein Schlappschwanz! Wir machen uns also zu fünft auf den Rückweg, die anderen setzen das kurze Stück auf die andere Schleiseite um und warten auf das Shuttle.

Wir queren zuerst auf die andere Seite und hangeln uns anfangs dicht ans Ufer geschmiegt vorwärts. Es gibt hier zwar keinen Windschutz, aber hier haben die Wellen nicht eine so häßliche Höhe, dass sie das Boot zum Bocken bringen. Nach einiger Zeit stelle ich fest, dass der Wind eigentlich gar nicht so garstig ist und ich keine große Mühe habe, dagegen anzukommen. Also fahre ich doch etwas weiter nach draußen — hier fühlt es sich etwas mehr nach Seekajak-Fahren an! Zu meiner Überraschung benötigen wir nur knapp mehr als eine Stunde, bis wir in das Schilf von Sieseby einlaufen.

Die Daten sind von Sonntag, dem 29.!

Der Wind legte während unserer Rückfahrt tatsächlich kontinuierlich zu. Zum Start (10 Uhr) kamen uns zarte vier Beaufort entgegen, zum Schluss (14:30 Uhr) mussten wir gegen eine solide Fünf ankeulen — mit Böen im Sechser-Bereich. Ein Glück, dass Jens und Betzi früher gestartet sind und uns so den Transfer-Service anbieten konnten, so dass nicht alle die gesamte Strecke gegen den Wind zurückpaddeln mussten. Wir Fünf haben zwar alle Spaß gehabt, aber ohne ausreichendes vorheriges Training wäre das für mache bestimmt eine spaßbefreite Schinderei geworden. So können alle das Wochenende als gelungenen Auftakt für eine vielversprechende Saison verbuchen!

GPS-Daten hier

 

Sonntag, 28. September 2025

Schleimünde 2025

Die letzte Zeit war bei mir etwas dicht gepackt mit Inhalten: erst musste ich nach Jersey, dann ins Baltikum. In das Wochenende zwischen den beiden Urlauben hatte ich mit Mühe die Leuchtturm-Tour gezwängt. Und kaum aus Litauen zurück, stand die traditionelle Schleimünde-Tour auf dem Programm. Nicht einmal zum Vorbereitungstreffen habe ich es geschafft! Aber natürlich hat Anja alles super organisiert! Sogar eine Mitfahrgelegenheit für mich und mein Boot, so dass ich mein eigenes Auto gar nicht brauchte.

Wind während der Tour
Die Tour erfreut sich immer sehr großer Beliebtheit. Anja hat das Limit auf 15 Personen gesetzt, weil genau so viele Menschen in unser Gruppenzelt passen - wenn man sie einigermaßen geschickt stapelt! Dieses Limit sorgt manchmal für lange Gesichter, aber erst mit dem Zelt wird die Tour zu dem Gemeinschaftserlebnis, das sie so beliebt und unvergessen macht. Und da wäre es nicht förderlich, wenn überzählige Teilnehmer draußen sitzen müssten. Und da ist es auch etwas ungünstig, dass Anja und Norbert beim Treffen vor der Bootshalle merken, dass sie das Zelt im heimischen Flur vergessen haben! Da ist also nochmal ein kleiner Umweg erforderlich!

Natürlich sind auch hier einige der Angemeldeten verhindert, als der Tag der Wahrheit vor der Tür steht. Und Nils ist sich noch nicht sicher, ob er bei dem angesagten Gegenwind überhaupt mitkommen möchte. Aber es rutschen auch immer noch wieder Leute spontan nach, die dann doch noch mitkommen können. Nils will sich die Situation erst mal vor Ort näher ansehen, bevor er sich entscheidet. Dazu will er nach Olpenitz fahren und einen Blick aufs Meer werfen. Ich sage ihm, dass Olpenitz dafür kein guter Ort ist. Er soll sich die Sache lieber in Sundsacker ansehen, von wo aus er mit Elke sowieso starten will.

Alle anderen starten von Sieseby aus. Die übrigen in Frage kommenden Startorte sind bei der Vorbesprechung verworfen worden, wegen schwieriger Anreisebedingungen aufgrund der momentan prekären Lage bei Brücken und Fähren, und weil sowieso zuviel Gegenwind herrscht für eine noch längere Paddelstrecke. So packen am Ende elf wackere Paddler ihre Siebensachen am Steg von Sieseby in ihre Boote. Zum Glück ist Bernhard mit von der Partie, denn sein großes Boot schreit förmlich danach, das Gruppenzelt zu beherbergen, was seinen Stauraum aber nur unwesentlich ausfüllt. 

Anja ist noch ganz beseelt vom auf Jersey Gelernten und macht ein ausführliches Briefing. Es werden zwei Pausen vereinbart - eine in Sundsacker, wo wir Elke und Nils aufnehmen wollen und eine an der Engstelle hinter Kappeln, wo sich die Schlei nach Osten öffnet und ab wo wir dem Gegenwind ins Auge blicken müssen. 

Um halb zwölf, eine halbe Stunde später als meine Schätzung, stechen wir in See. Wie üblich sind alle hoch motiviert und legen gleich ordentlich los. Ich schließe bald zu Angela auf und verabrede mit ihr, dass wir die jungen Leute einfach lospreschen lassen und wir beide gemütlich hinterher trotteln. Der Weg ist ja klar. Aber das ist nicht kompatibel mit Anjas Anspruch, das auf Jersey Gelernte in der Praxis anzuwenden. Entschlossen stoppt sie die Gruppe und gibt die Devise aus, dass wir als Pulk zusammen fahren und die Langsamsten das Tempo vorgeben. Ein lobenswerter Ansatz, aber nach meiner Erfahrung nicht einfach umzusetzen. Überdies besteht die Gefahr, dass die Langsameren sich im Pulk der Gruppe doch zu mehr Tempo hinreißen lassen, als sie dauerhaft könnten und dann mit fortschreitender Zeit ernsthaftere Probleme auftreten können. Aber bis zur Pause ist es ja nicht weit.

Zusätzlich zu meiner Verschätzung beim Starttermin habe ich auch die Zeit unterschätzt, die wir bis Sundsacker benötigen. So treffen wir also erst eine Dreiviertelstunde später dort ein, als  ich es Elke bei unserer Abfahrt vorhergesagt hatte. Unsere "Verspätung" hat die beiden aber nicht weiter beunruhigt, Ich war mir sicher, dass Nils sich für die Mitfahrt entscheidet, wenn er die Verhältnisse in Sundsacker sieht. Hier ist es leidlich geschützt und es sieht alles sehr harmlos aus. Ab hier fahren wir also mit dreizehn Nasen weiter.

Von hier bis hinter Kappeln ist die Schlei recht schmal und verläuft quasi genau in Nord-Süd-Richtung. Dadurch bieten die Ufer einen recht guten Windschutz und man merkt kaum, dass ein kräftiger Wind weht. Wir sind zügig unterwegs und auch recht dicht beeinander. Das ändert sich aber nach der Pause, die wir wie vereinbart an der Engstelle zelebrieren, wo sich die Schlei final nach Osten öffnet und auf ungeahnte Breite weitet.

Erst Zickzack, dann Begleitung von Nils, dann Kopplung...
Hier bläst uns nun der Wind erbarmungslos ins Gesicht! Die dadurch arg reduzierte Zügigkeit kompensiere ich anfangs, in dem ich einfach in Schlangenlinien hinter der Gruppe hinterherfahre. Hätte Nils gewusst, wie anstrengend es sein kann, nach Schleimünde zu kommen, hätte er vielleicht doch in den Sack gehauen. Bernhard zeigt sich solidarisch und paddelt dicht neben ihm. Nach guten zwanzig Minuten schließe ich zu beiden auf und biete an, dass ich ab nun neben Nils bleiben werde. Sehr zur Freude von Bernhard, der gleich zum vorderen Teil der Gruppe enteilt. Neben der Reduktion der Geschwindigkeit hat die geänderte Windsituation nämlich dazu geführt, dass sich die Gruppe über eine beträchtliche Strecke verteilt. Es ist eben doch nicht so ganz einfach, Gelerntes und eigentlich für richtig Erachtetes auf Dauer in der Praxis auch anzuwenden - insbesondere, wenn es ein seehr langsames Paddeln bedeutet.

Ich schaue immer mal wieder auf meine Super-Duper-GPS-Uhr, um unsere Geschwindigkeit zu checken. Die sinkt leider kontinuierlich ab und fällt zeitweise unter drei Stundenkilometer. Es sind noch gute drei Kilometer bis zu unserem Ziel, und wenn wir noch langsamer werden, kann das eine Weile dauern. Auf der Höhe von Maasholm biete ich Nils an, dass er sich an meinem Bug festhalten kann und ich ihn dann einfach schiebe. Das findet er eigentlich auch ganz angenehm, hat aber den Nachteil, dass unser Verband nicht mehr die eigentlich benötigten Kurs halten kann. Mein nächstes Angebot, ihn mit einer Schleppleine zu unterstützen, wenn er es von sich aus wünscht, kann er nicht wirklich widerstehen. Die Kopplung gestaltet sich etwas holperig, weil die Leinen auf Nils Boot nicht wirklich auf so eine Situation vorbereitet sind - aber auch wenn es uns währenddessen etwas zurück weht: wir bekommen es hin.

Ist es nicht so, dass sich die Geschwindigkeiten von zwei Kajaks addieren, wenn man sie mit einer Leine koppelt? Nils paddelt wacker mit, und zusammen sind wir nun so zügig unterwegs, dass wir fast die gesamte Gruppe einholen - bis auf Anja und Maditha, die ganz vorne fahren. 

Die Öhe hat auf mich immer sofort eine ungemein beruhigende Wirkung - nachdem ich sie nur betrete! Im Segelhafen herrscht überraschend viel Betrieb und auch das Hafenmeisterbüro ist besetzt. Hier gibt es sogar Kaffee und ein paar Kleinigkeiten zum Verzehr zu kaufen - als Ersatz für die nicht in Betrieb befindliche Giftbude. Nachdem wir unsere eigenen Zelte errichtet haben, wird das große Gemeinschaftzelt aufgebaut. Gut, dass wir Anja dabei haben, denn sie ist die einzige, die einen wirklichen Plan dafür hat. Aber wenn gleichzeitig etwa zehn Mann die notwendigen Stangen einschieben und Heringe an den richtigen Positionen in den Boden rammen, steht das Ding im Handumdrehen! Und der wirklich kräftige Wind macht ihm gar nix!

Allerdings ist das Wetter so schön und die Luft so lau, dass wir unseren Nachmittagskaffee draußen an den Holzbänken zu uns nehmen. Ich habe das Gefühl, dass der Herbst zeigen will, dass auch er unglaublich schöne und warme Wochenenden zustande bekommt!

Auch am nächsten Morgen ist es so warm und sonnig, dass wir das Gemeinschaftszelt leer lassen und stattdessen ein paar Holzbank-Tisch-Kombinationen so arrangieren, dass wir mit allen daran frühstücken können. Die Diskussion, wann wir denn fertig für die Rücktour sein wollen - oder müssen - endet mit einem entspannungsfreundlichen elf Uhr!

Zwar hat der Wind gegen gestern erheblich abgenommen, aber er weht immer noch frisch. Hinzu kommt, dass durch den verminderten Winddruck das Wasser nun aus der Schlei hinausströmt - also dem Wind entgegen. Das erzeugt erfrischende Wellen! Statt mich direkt nach rechts Richtung Sieseby zu wenden, fahre ich nach links - dem Vergnügen entgegen. Einige andere wollen auch noch etwas Spaß haben. Die Windstärke beträgt nur noch vier bis fünf Beaufort, was ziemlich mau ist, aber durch die heftige Strömung bauen sich direkt in der Fahrrinne bis einen Meter hohe Wellen auf. Die Segelyachten, die die Schlei verlassen, stampfen wie bockige Broncos. Es macht mir großen Spaß, mit den Wellen zu spielen, und ich fahre bis hinter Tonne 1. Nach der Wende sehe ich, dass mir doch niemand gefolgt ist. Schade, denn auch der Weg zurück ist spritzig und macht Spaß.

Der Heimweg nach Sieseby ist mit dem Wind im Rücken für niemanden ein Problem. Dort stärken wir uns noch durch Kaffee und Kuchen in der Sonne. Wieder einmal haben wir ein sagenhaftes Glück gehabt und ein traumhaftes Wochenende geschenkt bekommen. Vielleicht würde Nils nicht unbedingt "geschenkt" sagen, aber "traumhaft" wird er bestimmt unterschreiben können!

 GPS-Daten

Samstag, 28. Oktober 2023

Nach dem Sturm...

Am Tag nach der Vereinstour im März 2020 nach Schleimünde brach die Corona-Pandemie über Deutschland herein. Eine Woche nach unserer diesjährigen Tour verwüstete eine Jahrhundertflut das geliebte Kleinod. Ich hoffe, dass die Dinge jeweils nur über eine reine Koinzidenz zusammenhängen - und nicht über eine Kausalität!

Die Sturmflut hat unfassbare Schäden an Gebäuden, der Infrastruktur aber auch an der Landschaft selbst hinterlassen. Für alle Liebhaber dieses einzigartigen Fleckchens Erde ist das ein schwerer Schock. Wir hoffen, dass es in einer gemeinsamen Anstrengung möglich ist, den Ort wieder so aufzubauen, dass er weiterhin Begegnung, Erholung und Zuflucht ermöglichen kann.

Die Lighthose Fundation hat ein Spendenkonto eingerichtet, das dazu dienen soll, die Lotseninsel wieder herzurichten:

Förde Sparkasse
Kontoinhaber: Lighthouse Foundation
IBAN DE36 2105  0170 1003 9417 52
BIC: NOLADE21KIE
Lotseninsel Schleimünde

Seezeichen "Baumgruppe"

Das ist wohl das Ende des
Seezeichens "Baumgruppe"

14.10.2023: Gemütlich an die Flutmauer gelehnt

Eine Woche später: Findlinge weg,
Bohlenweg weg, Flutmauer weg.

14.10.2023

Eine Woche später:
Flaggenmasten weg, Weg zugeschwemmt.

Sonntag, 15. Oktober 2023

Schlüsselstelle Schleimünde

Nach zweiundzwanzig Anmeldungen schließt Anja die Liste der Anmeldungen. Das ist ein gewaltiges Echo für die schon fast traditionelle Schleimündetour im Oktober. Nun darf man Mitte Oktober nicht unbedingt mit lieblichem Wetter rechnen, und auch der Komfort, mit der die Öhe um diese Jahreszeit aufwarten kann, hält sich in überschaubaren Grenzen. Mit Chance des Schicksals bleibt uns Frost erspart und die Gnade des Betreibervereins gewährt uns Zugang zu lediglich einer Toilette. Da fällt es fast schwer zu glauben, dass wirklich so viele mit von der Partie sein wollen.

Am Mittwoch, als die Vorbesprechung stattfindet, gibt es aber lediglich eine Absage - und die aus einem wirklich zwingenden Grund. Es sind für den Samstag der Hinfahrt satte sechs Beaufort Rückenwind angekündigt und für die Rückfahrt am Tag darauf Gegenwind mit immerhin noch der Stärke fünf bis sechs. Meine zarte Bemerkung, dass wir für die Rückfahrt ggfs. einen Plan B im Köcher haben sollten, wird eher mit der Hoffnung begegnet, dass es ja nicht so schlimm kommen muss.

Messwerte am Lt. Kiel
Am Freitag Morgen hat sich die Vorhersage nicht nur verfestigt, sondern sie ist eher noch drastischer geworden. Meiner Mail, die ich daraufhin in die Runde schicke, folgt ein vielstimmiges Echo. Alle sind sich einig, dass der Hinweg anspruchsvoll wird, aber auch Spaß bieten kann - und dass niemand die volle Strecke gegen den Wind zurück paddeln möchte.

Die letzte Feinabstimmung erfolgt am Samstag, als wir uns morgens vor der heimischen Bootshalle treffen. Die Teilnehmerzahl ist mittlerweile auf vierzehn geschrumpft - angekündigter Gegenwind und die für die Jahreszeit allfälligen Infektionskrankheiten zeigen Wirkung. Wir wollen in zwei Gruppen starten mit jeweils sieben Personen. Die eine Gruppe von Sieseby aus und die andere von Lindaunis mit Charlotte ist als achter Paddlerin, die aber nur einen Tagesausflug bis Kappeln machen möchte.

Für die Lindaunis-Gruppe ergibt es sich, dass wir ein Auto übrig haben, das kein Gepäck und keine Boote mitnehmen muss, so dass wir es auf dem Weg unterwegs in Kappeln stehen lassen können. Auf der Rücktour können die Fahrer der anderen PKW damit von hier bis nach Lindaunis gebracht werden. Für die Sieseby-Gruppe hat Sabine einen Freund organisiert, der sie in Arnis abholen und nach Sieseby fahren wird. Was kann bei so perfekter Organisation noch schief gehen?

Das erste, was sich uns in den Weg stellt, ist die neue Höhenbegrenzung des Parkplatzes am Noor der Lindau - da passen wir mit unseren Dachgepäckträgern und den Booten nicht drunter durch! Wahrscheinlich eine Abwehrmaßnahme gegen die Wohnmobilpest, die im Windschatten von Corona entstanden ist. Also müssen wir am Straßenrand parken und erst einmal hier abladen.

Wir starten im Sonnenschein. Hier im Noor ist vom Wind kaum etwas zu spüren, aber die Neulinge, die diese Tour zum ersten Mal machen, müssen noch auf Kurs gebracht werden, weil die Orientierung nicht trivial ist. Wie immer ist die Welt eine komplett andere, nachdem wir das Noor verlassen und nach links unter der Brücke von Lindaunis hindurch wollen. "Unter" ist vielleicht übertrieben, weil die Brücke ja gerade keine Brücke mehr ist und alle Welt, die nach Lindaunis will, nun über Kappeln oder  Schleswig fahren muss - die Fähre in Missunde fährt ja auch gerade nicht. Das hat aber keinen Einfluss auf die Strömung, die traditionell zwischen den Brückenpfeilern rauscht. Andreas passiert den Poller in Lee, wird aber fast dagegen gespült, denn zu seiner Überraschung geht die Strömung dort in die Schlei hinein - trotz strammen Westwindes. 

Der Wind kommt genau aus Westen, die Schlei verläuft von hier bis Arnis genau nach Ost-Nord-Ost, so dass wir prächtigen Rückenwind haben. Das vergleichsweise flache Wasser hier lässt natürlich keine großen Wellen entstehen, aber sie schieben hervorragend! Es macht einen Heidenspaß zu versuchen, ins Gleiten zu kommen. Der Wind erreicht in Böen Stärke sieben und man muss das Paddel durchaus festhalten. Aber die Luft ist warm (vielleicht 15 Grad), das Wasser ist warm (ebenfalls 15 Grad) und wir sind mit technisch versierten Paddlern unterwegs. Doch auch, wenn wir manchmal gefühlt mit 20 Stundenkilometern nach vorne katapultiert werden (in den Spitzen kommen wir auf knapp über 10 km/h), sind wir im Schnitt ungefähr nur mit acht Kilometern pro Stunde unterwegs. Was bombenschnell ist - aber nicht so gewaltig viel mehr als die sieben km/h, mit denen wir ohne Wind unterwegs wären.

In Kappeln ist eine Pause fällig. Wir legen uns hinter der Brücke am Nordufer genau zwischen zwei große Ausflugsdamper, die hier festgemacht haben. Hier kramen wir alle unsere Stullen hervor und stärken uns. Jörg will die Kapuze von seiner Paddeljacke aufziehen, denn da zieht eine dunkle Front heran, die Regen im Köcher hat. Nur wenige Sekunden später fegt eine Regenböe zwischen den Dampfern hindurch und rüttelt uns gründlich durch. Jörg, der immer noch mit seiner Kapuze rummacht und deshalb seine Hände nicht am Paddel hat, schwimmt plötzlich kieloben in der Schlei! Wie wir später erfahren werden, hat es auch einen aus der anderen Gruppe, die zum selben Zeitpunkt bereits kurz vor Schleimünde ist, umgeweht. Er hatte das Glück, dass das Wasser dort so flach war, dass er einfach wieder einsteigen konnte.

Unser GPS-Track von diesem Moment zeigt sehr schön, dass die Böe von Westen her ungehindert durch die Straßenschlucht fegen, zwischen den beiden Dampfern hindurchschlüpfen und uns Richtung Osten versetzen konnte. 

Charlotte verlässt uns hier und wird später vom Wanderwart des TSV Klausdorf abgeholt werden. Ich frage mich, ob dieser Service in seinem Verein zu den satzungsmäßigen Aufgaben  des Wanderwartes gehört. Darüber sollte man bei uns auch mal nachdenken!

Als sich die Schlei vor Maasholm wieder nach Osten wendet und sich weitet, haben wir Wind und Wellen genau von hinten. Hier können wir die Bedingungen noch einmal nach Herzenslust genießen. Wir fahren, so weit das möglich ist, mitten im Fahrwasser. Hier ist das Wasser am tiefsten und daher die Wellen am größten. Am Anleger vor der Giftbude lauert ein Ausflugsschiff, dass unbedingt ablegen muss, als wir in den Hafen biegen wollen. Wir fahren nun fast alle deutlich nördlich des Fahrwassers, nur Peter steuert die Einfahrt südlicher an. Da ist jede Menge Platz, aber der Käptn will wohl auf Nummer sicher gehen und gibt ein etwas nervös wirkendes Schallsignal.

Wie nicht anders erwartet, ist es auf dem Zeltplatz zugig. Norbert und Anja habe ihr großes Tipi mitgebracht, das die Sieseby-Gruppe zu unserem Glück schon im einigermaßen windgeschützen Areal hinter der Flutmauer aufgebaut hat. Hierhin ziehen sich auch einige mit ihren Zelten zurück, denen es auf der freien Fäche allzu arg weht. Ich baue mein Zelt auf und bringe (fast!) alle Abspannleinen in Stellung. Es ist wirklich ein Genuss, wie leicht und sicher es sich auch bei starkem Wind in Stellung bringen lässt. Es steht wie eine Eins - und die Geräuschentwicklung im Inneren ist überaus dezent.
Irgendwann gegen Abend, was um diese Jahreszeit ja recht früh ist, versammeln wir uns im Tipi. Wie durch ein Wunder ist es genau so groß, dass exakt vierzehn Leute darin Platz finden! Wären wir nur einer mehr, hätte derjenige draußen bleiben müssen 😢

Drinnen startet eine Trangia-Parade, bei der die unterschiedlichsten Leckereien zubereitet werden. Ich habe meinen Trangia auch am Start, und wie immer hat Jörg sich bereit erklärt, für das Essen  zu sorgen. Er hat ein (aus Rücksicht auf  mich) mittelscharfes Chili con Carne gezaubert, das uns mengenmäßig echt fordert. Da diesmal auch Peter sich unserer Verpflegungseinheit angeschlossen hat, haben wir zum Nachtisch auch noch Tiramisu zur Verfügung. Das ist aber so mächtig, dass wir den Rest der Zeltinsassen um Mithilfe bitten müssen. Aber beides oberlecker!

Die ganze Nacht hindurch windet es ausgiebig und regnet heftig. Erst gegen Morgen hört der Regen auf - aber da es weiter windet, ist mein Zelt quasi trocken, als ich es später einpacke. Der Wind ist am Vormittag noch recht harmlos, er soll sich aber im Laufe des Tages steigern, daher wollen wir recht früh los. Um 10 Uhr auf dem Wasser, hieß es gestern Abend. Das Einpacken ist recht entspannt, da ja mittlerweile einiges an Proviant verbraucht ist, und wir auch kein Frischwasser mit zurück nehmen müssen. Meinen Autoschlüssel lege ich gleich am Anfang in die Vertiefung neben der Tagesluke, um ihn als letzes hineinzulegen. Dann muss ich nicht lange kramen, wenn wir in Kappeln sind und dann mit Jörgs Auto nach Lindaunis fahren. Ich bin einfach ungemein erfahren und abgebrüht bei sowas.

Auf der Schlei war der Wind etwas weniger
Der Wind ist bei weitem nicht so garstig wie gestern. Aber das Stück bis die Schlei nach Süden abbiegt, kommt er uns schon noch in erklecklicher Heftigkeit entgegen. Danach ist es aber keine große Tat mehr, und wir müssen heute ja auch nur bis Kappeln! Das sind nur acht Kilometer und dauert anderthalb Stunden. Die Boote sind schnell in gemeinamer Aktion auf den Rasen gehievt. Jetzt müssen sich nur noch die Fahrer kurz umziehen und - Autoschlüssel nicht vergessen! - nach Lindaunis geschuckelt werden. Ich mache meine Tagesluke auf - und kann den Schlüssel nicht finden! Ich leere sie komplett aus - und kann den Schlüssel nicht finden! Ich suchen in allen Behältern und Tüten - und kann den Schlüssel nicht finden! "Fuck, fuck, fuck", wie Hugh Grant in "Vier Hochzeiten und ein Todesfall" konstatierte. Der Schlüssel muss auf Schleimünde geblieben sein!


Damit gewinne ich die Gelegenheit, noch einmal mit herrlichem Rückenwind zur Öhe zu rauschen. Ich benötige auch nur gut die Hälfte der Zeit, die wir für die Herfahrt nach Kappeln benötigt haben. Vom Schlüssel ist hier jedoch nichts zu sehen! Es ist mir ein absolutes Rätsel, wohin der sich verkrümelt haben könnte. Während ich so am Suchen bin, ruft Jörg mich noch an. Er vermisst seine geliebte Armbanduhr - die muss auch auf Schleimünde geblieben sein. Leider kann ich sie ebenso wenig finden, wie meinen Schlüssel. Ein weiterer Anruf entspannt die Lage - wenigstens teilweise: Ulrich hat die Uhr im Gras liegend gefunden!

Damit ich nicht wieder gegen den Wind nach Kappeln zurück muss, haben wir vereinbart, dass Jörg mich südlich von Olpenitz am Weidefelder Strand abholt. Peter wird in der Zwischenzeit nach Altenholz fahren, um den Zweitschlüssel von Marie-Theres zu holen, die inzwischen informiert ist. Dann treffen wir uns in Eckernförde, um den Schlüssel zu übergeben. Danach schiggern Jörg und ich noch kurz nach Lindaunis, um mein Auto dort wartendes Auto abzuholen. Und dann müssen wir nur noch mit den Booten wieder zurück zur Halle!

Wenn man mal von dem unsäglichen Gegurke absieht, war immerhin unser Timing beeindruckend: Als ich am Weidefelder Strand angelandet bin und auf dem Parkplatz nachsehen will, ob Jörg schon da ist, kommt er gerade um die Ecke gebogen. Und als wir nach Eckernförde reinkommen, ruft Peter an, dass er gerade auf dem Parkplatz am Südstrand eingebogen ist! Es ist mir unsäglich peinlich, dass alle meinetwegen so einen Stress haben - aber alle versichern mir, dass das bei solchen Unternehmungen eingepreist ist. Aber eine Gratis-Pizza bei Mirko ist für alle fällig!

Donnerstag, 4. Mai 2023

Wohin der Wind mich weht...

"Alles okay?". "Ja - mir geht's gut!". "Brauchst du etwas?". "Ich habe alles! Aber ganz lieben Dank für die Nachfrage!". Ich hatte die Segelyacht eigentlich schon wieder vergessen, denn ihr ursprünglicher Kurs verlief so, dass er sie in einigen hundert Metern an mir vorbeigeführt hätte. Aber offensichtlich hat der Segler mich irgendwann entdeckt und seinen Kurs um fast 180 Grad geändert, um direkt auf mich zuzufahren. Wir sind noch über zehn Kilometer südlich von Ärö entfernt, und in der Richtung, aus der ich komme, sind es über 30 Kilometer zum Land. Da ist es in etwa so unerwartet, auf ein einzelnes Seekajak zu treffen wie auf ein weißes Kaninchen auf dem Potsdamer Platz. Das gehört da auch nicht hin und man könnte schon mal nachfragen. Ich bin sehr beeindruckt, dass diese Yacht hier tatsächlich ihren Kurs drastisch ändert und einen Umweg fährt, um sich nach meinem Wohlbefinden zu erkunden. 

Geraume Zeit vorher - nämlich exakt in the middle of nowhere - hat eine richtig große Segelyacht so meinen Weg gekreuzt, dass ich meine Fahrt sogar verlangsamen musste, um sie passieren zu lassen. Dort hat man sich darüber amüsiert, dass ich mich vermutlich verfahren hätte und wohl eigentlich nach Schleimünde wollte. Auf die Idee, nach meinem Befinden zu fragen, ist dort niemand gekommen. Das muss auch gar nicht sein, aber umso mehr Respekt habe ich vor einer Mannschaft, die nachfragt.

Der erste Mai fällt dieses Jahr auf einen Montag - freitags arbeite ich eh nicht, d.h. drei Tage Urlaub ergeben zehn Tage frei! Meine Frau ist auf Kur und Anfang Mai ist das Wetter ja bekanntlich schon richtig lauschig! Das schreit erbärmlich nach einer ausgedehnten Paddeltour! Der Entschluss steht fest - losfahren will ich entweder am Verein, oder, wenn die Umstände eine Querung der Kieler Bucht zulassen, am liebsten von Bülk am nördlichen Ende der Kieler Förde - wenn ich bis zur Südspitze von Ärö will, reicht es dann auch an Entfernung!

Wo es hingehen soll, will ich allein dem Wind und meinem Gemüt überlassen - ich muss ja nichts beschicken. Außerdem möchte ich die Tour nutzen, um den Umgang mit meiner Ausrüstung systematisch zu üben. Das mag sich merkwürdig anhören für jemanden, der häufig auf Tour geht. Aber ich kann weder mein GPS noch mein Funkgerät im Schlaf bedienen, und ich weiß auch nicht verlässlich, wieviel Gas oder Proviant ich pro Tag verbrauche. Bei meinen üblichen Wochenendtouren habe ich halt immer "genug" dabei. Und bei meiner Langstreckentour von Göteborg nach Oslo haben wir einfach so viel mitgenommen, wie unsere Boote fassen konnten - und den Rest unterwegs nachgekauft. Da ist die Gelegenheit günstig, einmal sieben Tage mit Ausrüstung und Proviant bestreiten zu müssen, um genau festzustellen, was man alles braucht und ob man das auch ins Boot bekommt.

Am Beginn der Tour
Wie man aus der Einleitung unschwer erkennen kann, hat sich das Wetter so entwickelt, dass ich die Querung nach Ärö wagen kann. Letztlich sind die Bedingungen aber erst am Sonntag statt am Freitag überzeugend für einen Tourstart. Ich nutze diesmal meine andere Tochter für den Transport ans Ende der Förde - wofür habe ich zwei? Für auf Tour gehende Seekajaker sind Töchter übrigens eine durchaus lohnende Anschaffung - sie sind immer gut, einen irgendwo hin zu bringen, wo abzuholen - und wenn es ganz günstig kommt, gehen sie sogar mit auf Tour!

Da diese Tour wie gesagt in vielerlei Hinsicht der Erkundung und Erprobung dienen soll, will ich den Bericht darüber einmal gänzlich anders gestalten - nicht chronologisch sondern themenbezogen aufgefädelt.

Langstrecke - offene See

Von Bülk am nördlichen Ende der Kieler Förde bis zum südlichsten Ende von Ärö sind es 44 Kilometer. Diese Entfernung ist schon rein vom Betrag her nichts, was man mal "eben so" machen sollte. Das gehört geübt. Neben der schieren Entfernung ist eine entscheidende Randbedingung, dass man die Strecke zwangsläufig "ganz" bestreiten muss: man kann weder nach der Hälfte umdrehen (theoretisch schon - aber das erscheint mir nicht sinnvoll) noch kann man unterwegs aussteigen und sich die Beine vertreten. Man muss sich in seinem Boot also so wohl fühlen, dass man die gesamte Zeit möglichst ohne Druckstellen, Krämpfe oder Schlimmeres überlebt.

Für Paddler aus dem Raum Kiel bietet sich die Strecke vom Gelände der Kanu-Vereinigung Kiel bis zum Kieler Leuchtturm und zurück als Trainingsstrecke an. Das ist ziemlich genau diegleiche Entfernung - aber sozusagen mit Geländer, weil man unterwegs jederzeit abrechen oder Pause machen kann. Alle anderen könnten auch von Eiderstedt nach Helgoland fahren 😊 (das ist genauso weit, aber man hat die Tide als Unterstützung).

Die Entfernung lässt sich exakt angeben, die Dauer nicht ganz so exakt. Ich weiß sehr genau, wie schnell ich paddeln kann. Wenn ich alleine bei Flaute im leeren Boot unterwegs bin, zische ich mit mehr als acht Ka-Em-Ha durchs Wasser. Beladenes Boot bedeutet sieben km/h, und je nach Gegenwind wird es halt immer weniger. Wir - mein Boot und ich - sind kein besonders schnelles Gespann. Beim Start des wöchentlichen Vereinspaddeln, fahren mir immer alle davon. Aber zum einen breche ich bei Gegenwind nicht so stark ein und zum anderen kann ich meine Geschwindigkeit über einen vergleichsweise langen Zeitraum sehr konstant halten.

Das erste Stück des Diagramms ist deswegen so konstant, weil
ich das Tracking zu spät aktiviert hatte. Ich kannte aber den
genauen Startzeitpunkt und habe ihn hinterher manuell ergänzt.
Sieben Stundenkilometer bedeuten sechs Stunden und zwanzig Minuten für die Überfahrt - ohne Pausen! Sechs Stundenkilometer bedeuten sieben Stunden und zwanzig Minuten. Ich habe genau sieben Stunden benötigt - inklusive Pausen. Bevor man hier Berechnungen anstellt, sollte man unbedingt ausprobieren, ob man die angenommene Leistung über den fraglichen Zeitraum überhaupt erbringen kann. Sieben Stunden muss man also mindestens kalkulieren. Wenn es schneller geht, kann man sich freuen, aber bei Problemen kann es auch leicht acht oder gar neun Stunden dauert, bis man wieder Land unter den Füßen hat.

Das Gebiet, in dem man bei dieser Tour paddelt, wird nur sehr sparsam von anderen Verkehrsteilnehmern genutzt. Mir sind insgesamt nur drei Segelyachten in "Grußweite" begegnet. Die Berufsschifffahrt fährt weiter östlich in den Langeland-Belt, die Sportschifffahrt verkehrt eher auf der Linie Bülk-Schleimünde, weil die meisten eher dorthin oder weiter in die Flensburger Förde fahren. Im Falle von Problemen darf man also nicht zu fest damit rechnen, ohne weiteres Hilfe zu bekommen. Ich hatte ein VHF-Funkgerät mit DSC-Funktion dabei, zwei Signalraketen und eine Laser-Signalleuchte, die ein optisches SOS-Signal abgibt. Das mag overequipped erscheinen, aber eine Alleinfahrt lässt wenig Spielraum, wenn sich etwas nicht wie gewünscht entwickelt.

Die Navigation ist einerseits nicht besonders anspruchsvoll - man muss einfach einen Kurs von knapp unter zwanzig Grad halten, dann kommt man schon irgendwo auf Ärö an. Andererseits ist in Fahrtrichtung nicht viel mehr zu sehen als Wasser und Horizont, und man muss den Blick ständig auf GPS bzw. Kompass gerichtet halten. Das ist anstrengend und dem Gleichgewicht nicht zuträglich. Die Sicht bei meiner Unternehmung war nicht kristallklar aber sehr gut. Es hat eine Weile gedauert, bis ich die Strukturen am Horizont eindeutig als Windräder identifizieren konnte. Etwas in Vorausrichtung zu sehen, das man anpeilen kann, ist sehr hilfreich für das Kurshalten.

Man muss wissen, wieviel Fest- und Flüssigbrennstoff man für sieben Stunden benötigt. Ich bin vermutlich der Mensch, der am wenigsten trinkt - ich habe in der Zeit nur eine Halbliterflasche mit "Blue Bull"  (das ist Red Bull für Arme von Aldi!) konsumiert. Zwar hatte ich weitere sechs Liter Wasser in Cockpit, aber die Flasche nachzufüllen wäre alleine mühselig und riskant gewesen. Das war auf jeden Fall ein Fehler und ich hätte für mehr griffbereites Getränk sorgen müssen. Ebenso war es ein Versäumnis, keine wirkliche Verpflegung griffbereit zu haben - das habe ich schlicht vergessen. So habe ich also auch nur eine Banane und zwei Snikkers zu mir genommen. Das kann man nicht als hinreichend verkaufen! Bei meiner letzten Überfahrt (zusammen mit Jörg) war es ca. 30 Grad warm und ich hatte auch nur einen halben Liter Flüssigkeit dabei. Damals musste ich die letzte Stunde mit heftigen Krämpfen in der Rumpfmuskulatur leben. Manche Menschen lernen ja aus Fehlern. Manche auch nicht...

Sieben Stunden in einer Zwangshaltung in einem viel zu kleinen Cockpit eingepfercht - ein sich kaum verändernder Blick rundherum - vorne und rechts nix, links und hinten ein fahler Hauch von Land. Das klingt irgendwie tödlich. Ich hatte tatsächlich einigen Respekt davor, ob mich die Monotonie nicht anfressen oder mürbe machen und ich in immer kürzeren Abständen auf mein GPS schauen würde, um die Restzeit und -entfernung zu checken. Aber zu meiner eigenen Überraschung verging die Zeit wie im Flug. Ich weiß noch, dass ich nach fünf Stunden so überrascht war, dass schon so viel Zeit vergangen ist, ich das meiste schon geschafft habe und der Rest nicht mehr für grundsätzliche Zweifel reichte. Ich weiß nicht, ob ich da besonders duldsam bin, oder ob es ein allgemeines Phänomen ist, dass keine Langeweile aufkommt, wenn man etwas zu tun hat - auch wenn es gleichförmig ist. Ich muss aber auch sagen, dass ich keinerlei Probleme hatte, die mich irgendwie bedrängten: ich konnte die gesamte Zeit über eine gleichmäßige Leistung bringen, meine Gliedmaßen und mein Sitzfleisch haben nicht gemurrt und seekrank bin ich auch nicht geworden. Mit irgendeinem Dorn, der beständig ins Gemüt piekst, hätte es vermutlich anders ausgesehen.

Solo

Ich bin bereits, während ich diesen Bericht schreibe, mit anderen PaddlerInnen über die Tour ins Gespräch gekommen. Ein Aspekt ist mir dabei noch einmal deutlich geworden, dem ich vorher eigentlich gar nicht groß Beachtung geschenkt habe: ich habe die Tour - und insbesondere die langen Querungen darin - solo durchgeführt. Dazu haben eigentlich alle gesagt, dass sie sich das nicht trauen würden.

Ich paddle seit Anbeginn meiner Laufbahn (auch) alleine. Und seit genau diesem Anbeginn ist mir bewusst, dass Solo-Unternehmungen immer eine ganz besondere Nummer sind. Alleine sind manchmal die kleinsten Wirbel im Raum-Zeit-Kontinuum ein so unlösbares Problem, dass die Tour daran scheitern kann, während man sie in Begleitung eines Partners kaum als Problem wahrnimmt. Das kann ein eingeklemmtes Skeg sein, ein falsch geriggtes Segel oder ein nicht funktionierendes Feuerzeug. Wer einmal alleine mitten auf bewegtem Wasser seine Paddeljacke aus- oder anziehen musste, weiß, wovon ich rede. Mit halb ausgezogener Paddeljacke über dem Kopf ohne Sicht bei Seegang die Balance - und die Nerven - zu behalten, erfordert ein gerüttelt Maß an Konzentration und Kaltblütigkeit. (In so einer Position zu kentern, wäre übrigens mal eine lohneswerte Übung!). Zu zweit ist so eine Aktion nicht der Rede wert.

Natürlich sind die Optionen bei einer Solo-Tour deutlich eingeschränkt. Aber das ist nicht das Wesentliche - das in meinen Augen Prägende ist mentaler Natur! Mitpaddler wirken in so unglaublichem Maße als psychologische Rollatoren, dass man über mögliche Komplikationen gar nicht mehr nachdenkt, während einem ohne diese Stütze ständig Gedanken über den GAU im Kopfe kreisen. Das Risiko  eines Zwischenfalles ist bei einer Solo-Tour nicht größer als mit Begleitung. Bei den Optionen für den Umgang damit fallen zwar manche weg, aber man hat nicht zwangsläufig weniger davon. Durch Erfahrung, Wissen, Technik und letztlich auch Ausrüstung kann man sich Optionen erarbeiten - egal ob Solo oder in der Gruppe. Wenn ich über die Optionen in der Gruppe nicht verfügen kann, muss ich mir für eine Solofahrt genug andere Optionen erarbeitet haben, so dass ich mir sicher bin. Sicher für den Fall des Eintritts, mit den Gefahren umgehen zu können.

Trotzdem bleibt - bei allem technischen und intellektuellem Equipment - das mentale Problem. Das kann man nur vermindern, indem man Solo-Fahrten übt. Meine ersten Fahrten gingen ja nicht über viele Kilometer freies Wasser, sondern z.B. über die Strander Bucht, bei denen ich mich einige hundert Meter vom Ufer entfernt habe. Das wurde sehr langsam immer mehr, und meine erste Fahrt zum Kieler Leuchtturm (7 Kilometer offene Ostsee) war noch sehr aufregend. Mittlerweile bin ich in viele Richtungen gereift, so dass ich erst die Reflektion über andere Paddler brauchte, um mich wieder an die Besonderheit der Alleinfahrt zu erinnern.

Was ich bei aller Reifung nicht verloren habe, ist der Respekt vor den Elementen. Letztlich habe ich die zwei Tage, die ich die Tour später angefangen und die zwei Tage, die ich früher zurückgekommen bin, aus diesem Respekt geopfert.

Segel

(Bild stammt von einer anderen Tour)
Für die Überfahrt hatte ich mir eigentlich leichten süd- bis südwestlichen Wind gewünscht - so Stärke drei bis vier. Dann ist die Entfernung überhaupt nicht mehr der Rede wert! So hatte ich das Segel erst nach etwa der Hälfte der Strecke gesetzt - und was ich sicher weiß, ist, dass es mein Vorankommen nicht behindert hat. Ob es aber geholfen hat, kann ich nicht sicher sagen😶

Es gab aber durchaus Strecken, in denen das Segel eine wirkliche Hilfe und Entlastung war. So bin ich von Falshöft bis Schleimünde und von Bülk bis zum heimischen Steg in der Innenförde durchgehend unter Segeln gefahren.

Elementar wichtig ist es, den Verlauf der ganzen Strippen vor Fahrtantritt auf Korrektheit zu überprüfen. Ist man erst einmal auf dem Wasser, hat man als Solopaddler keine Chance mehr, etwas zu richten. Durch nachlässiges Aufriggen kann das Segel unbrauchbar, im schlimmsten Fall sogar zu einer echten Behinderung  werden!

Es ist wirklich faszinierend, bei welchen Windrichtungen man das Tuch noch nutzen kann, so dass es das Vorankommen erleichtert. Und wenn es zieht, ist es eine sehr willkommene Hilfe und Erleichterung. Lange Touren werde ich nicht mehr ohne Segel bestreiten!

GPS-Gerät

Ich bin schon seit langer Zeit im Besitz unterschiedlicher Garmin GPS-Geräte. Wirklich nutzen tue ich sie aber eigentlich nur äußerst selten - z.B. um den seeseitigen Eingang zum Rummelloch zu finden oder verlässlich zur Pallas zu kommen. Zur Track-Aufzeichnung habe ich bislang immer ein kleines Gerät von Holux genutzt, einfach weil das eine deutlich längere Betriebsdauer hat als die Garmin-Geräte.

Für meine geplante Lofoten-Tour habe ich mir ein neues Gerät gekauft, das auch InmarSat-Kommunikation nutzen kann (GPSMap 86i). Das Gerät unterscheidet sich in Funktion und Bedienung nicht großartig von seinen Vorgängern, aber ich habe mir vorgenommen, mich so vertraut mit ihm zu machen, dass ich es ohne Probleme auch in rauhen Bedingungen bedienen kann.

Die Nichtvertrautheit mit der technischen Ausrüstung macht sich gleich am Anfang des ersten Tourtages bemerkbar: Das GPS-Gerät unterscheidet zwischen Start der Navigation und Start der Track-Aufzeichnung 😏. Das war mir vorher nie wirklich aufgefallen. Ein zweites Missgeschick kommt mir aber zu Hilfe: irgendwie bin ich zwischendurch zufällig so auf die Tasten gekommen, dass die Track-Aufzeichnung wenigstens nach zwei Stunden gestartet ist! Dadurch lerne ich auch die Funktion zur Tastensperre schätzen!

Besonders faszinierend und hilfreich finde ich die Funktionalität, sich die aktuelle Ablage oder Querabweichung (XTE) anzeigen zu lassen.

Wenn man sich vom GPS-Gerät zu irgendeinem Ziel navigieren lässt, dann weiß es, wo man aktuell ist und zieht von diesem Punkt zum Ziel eine "Ideallinie". Fährt man auf das Ziel zu, wird man durch Wind, Strömung oder Unachtsamkeit sehr bald von dieser Ideallinie abweichen. Dann sagt einem das GPS-Gerät: "Du bist 9m zu weit links von der Ideallinie!". Wie genau man damit Kurs halten kann, zeigen die GPS-Tracks von meiner Tour. Besonders stolz bin ich auf das Teilstück von Alsen zum Leuchtturm Falshöft, das etwa 15km schnurgerade über freies Wasser geht - und der Wind kam genau von querab!

Eine andere Beobachtung verdeutlicht, wie sehr ein GPS-Gerät die Wahrnehmung schärfen kann.

Meine Geschwindigkeit bei der Überfahrt liegt die gesamte Zeit über sechs Stundenkilometer und ist erstaunlich konstant. Allerdings gibt es eine Phase nach etwa 25 Kilometern (vier Stunden, 16 Uhr), wo sie spürbar unter sechs km/h sinkt. Da der Wind sich nicht nennenwert geändert hat und auch meine Fitness nicht eingebrochen ist, heißt das nichts anderes, als dass hier eine Strömung herrscht, die meine Geschwindigkeit bremst! Nach vier weiteren Kilometern ist der Effekt vorbei und meine alte Geschwindigkeit wiederhergestellt. Vermutlich kann man so einen Effekt nur in einem Kajak in Verbindung mit einem GPS feststellen.

Eine uneingeschränkt positive Erfahrung ist die Lebensdauer des Geräts mit einer Akkuladung. Ich hatte es auf allen Teilstrecken jeweils die gesamte Zeit über angeschaltet und aufzeichnen lassen. Der erste und letzte Tag haben jeweils etwa sieben Stunden Betrieb bedeutet. Die Batterie war danach immer noch zu etwa drei Viertel voll!

Elektronisches Equipment

VHF-Funkgerät

In Deutschland ist der Einsatz von VHF-Funkgeräten unter Kajakfahrern noch die Ausnahme. In England ist er die Regel, und für den Erwerb meiner Sea-Kayak-Leader-Lizenz von British Canoeing musste ich eines haben. So bin ich also seit einigen Jahren im Besitz eines ICOM IC-M93D EURO Funkgerätes und habe den segensreichen Nutzen unter anderem während der Tour zur Trainer C-Ausbildung schätzen gelernt. 

Auf der hier beschriebenen Tour gab es keinen Grund es einzuschalten - bis auf den letzten Tag bei der Fahrt von Schleimünde nach Bülk. Da waren dermaßen viele Marineschiffe unterwegs, die allesamt erratrisch über die Kieler Bucht kreuzten, dass es mir ratsam schien, mein Gerät einzuschalten. Auch dieses Gerät bietet eine Funktionsfülle, die man nicht bezwingt, wenn man sich nicht vorher intensiv damit vertraut macht. Um die Bedienung zu vereinfachen, habe ich mir nur zwei Favoriten-Kanäle programmiert: 16 und 69. So brauche ich insgesamt nur drei Tasten: Einschalten, Key-Lock, Kanal umschalten. Und natürlich die Sprechtaste, wenn ich tatsächlich mal was sagen möchte.

Das Gerät verfügt über eine sehr gute Rauschunterdrückung. Die funktioniert so gut, dass das Gerät stundenlang nichts sagt und man dadurch komplett vergisst, dass es eingeschaltet ist. Wenn dann aber tatsächlich mal ein Funkspruch eingeht ("Hier ist Bremen Rescue, Bremen Rescue. Esperanza - wir hören Sie laut und deutlich!"), ist der dermaßen laut, dass ich jedesmal fast aus dem Kajak gefallen wäre!

Die Akku-Lebensdauer ist auch beeindruckend! Wenn man nicht aktiv funkt, kann man es den ganzen Tag angeschaltet haben - und am Ende sagt die Akkuanzeige, dass eher nichts verbraucht ist!

Action-Cam

Lange Jahre lag meine GoPro ungenutzt im Keller. Das hat sie eigentlich nicht verdient und ich wollte sie mal wieder einsetzen. Hier musste ich als erstes lernen, dass sie sich nicht selbständig ausschaltet, wenn man sie von der Ladestation trennt. Der erste Akku war schon leer und musste ausgewechselt werden, bevor ich überhaupt gestartet bin.

Als zweites musste ich lernen, dass die Kamera auch Strom verbraucht, wenn sie nicht filmt! Wenn sie einfach eingeschaltet ist und nichts tut, ist der Akku nach drei Stunden leer! Man muss sie also zwischendurch immer ausschalten. 

Ich habe die Kamera vorne auf Deck mit einer Saugnapf-Halterung montiert. Die hält sehr verlässlich, und ich kann sie so positionieren, dass sie (kaum) beim Paddeln stört. Selbstredend ist sie zusätzlich mit einem Zeising gesichert.

Fotoapparat

Ich habe in meiner Paddellaufbahn bestimmt schon ein halbes Dutzend wasserdichte Kompaktkameras verbraucht. Wasserdicht ist halt das eine - salzwasserbeständig das andere. Meine aktuelle "kleine Kamera für immer dabei" ist eine Lumix DMC FT5. Die ist schon ziemlich gut, aber das Objektiv liegt frei und da ich sie nicht schonend behandeln kann, hat die Frontscheibe mittlerweile leider eine kleine trübe Stelle, die sich manchmal störend bemerkbar macht.

Auf dieser Fahrt habe ich auf sie verzichtet und stattdessen meine Nikon AW1 mitgenommen. Die macht natürlich die besseren Bilder, ist in der Handhabung aber deutlich aufwendiger, weil ich sie nicht wie die Kleine in die Schwimmweste stecken kann, sondern sie in einer Kameratasche unter Deck transportiere. Sie ist also eher nicht für Action-Aufnahmen tauglich

Drohne

Ich hatte auf dieser Tour das erste Mal eine Drohne mit. Ich habe sie in einem wasserdichten Koffer auf dem hinteren Lukendeckel transportiert. Die gute Nachricht ist, dass der Koffer tatsächlich wasserdicht ist! 

Eine Drohne ist hervorragend geeignet, die Landschaft und die Unternehmung spektakulär zu dokumentieren. Allerdings ist der Umgang mit dem Gerät nicht trivial und die Bearbeitung des Videomaterials hinterher ungemein aufwendig. Ich stehe mit beidem noch sehr am Anfang und muss mich noch intensiv in die Materie einarbeiten. Aber ich werde es weiter verfolgen.

Solarpanel und Powerbank

Der Umfang an technischer Ausrüstung, den man mittlerweile so mit sich rumschleppt und der auf eine Stromversorgung angewiesen ist, ist beachtlich.

(wird nachgetragen)

Verpflegung

(wird nachgetragen)

Zelt

Ebenfalls im Hinblick auf die Lofoten habe ich mir ein neues Zelt gegönnt - ein Hilleberg Jannu. Ich bin geneigt zu sagen, dass es einfach unverschämt teuer ist. Aber vielleicht ist das der Preis, den ein solide verarbeitetes Zwei-Personenzelt haben muss, wenn man auf alle hässlichen Kniffe verzichtet, die gemeinhin angewendet werden, um Produktionen so billig wie möglich zu machen. Die Frage ist dann, ob man es sich leisten will und kann, so viel Geld dafür auszugeben.

Das Zelt ist ein Traum! Von meinem bisherigen Zelt, einem Wechsel Forum 42 gibt es einen Film, wie es bei Windstärke acht aufgebaut wird. Ich habe dieses Zelt auch schon bei starkem Wind aufgebaut - aber einfach ist das nicht! Bei dem Jannu bin ich da wesentlich zuversichtlicher, dass mir die Stangen nicht auf halbem Wege wegbrechen, weil eben das Prinzip solide ist!

Allerdings muss man eingestehen, dass das Zelt kein Leichtgewicht ist und auch einiges an Volumen unter Deck in Anspruch nimmt. Irgendwas ist ja auch immer und man muss Prioritäten setzen. In Anbetracht der Üppigkeit des Stauraumes in meinem Boot, ist meine Präferenz eindeutig auf Seiten des Komforts und der "Betriebssicherheit", die mir dieses Zelt bieten.

Wetterentwicklung

(Der helle Bereich der Diagramme ist jeweils der Zeitraum, in dem ich auf dem Wasser unterwegs war.)

An den Tagen, bevor ich losgefahren bin, kam der Wind noch aus nordwestlicher Richtung. Das ist ausgesprochen ungünstig, wenn man nach Nordwesten will! Aber am Sonntag sollte ein Wechsel einsetzen. Meinen Startzeitpunkt für die Überfahrt habe ich tatsächlich optimal gewählt, denn der anfängliche leichte Gegenwind wandelte sich bald in eine Flaute und kam dann nur noch von der Seite. So erhielt ich durch den Wind zwar keinerlei Unterstützung, aber er behinderte mich auch nicht wirklich. Es war den ganzen Tag über trocken und sonnig. Die Temperatur - mit gutem Willen - gerade zweistellig.