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Samstag, 13. September 2025

Leuchtturm-Tour

Anne kam bei der Fahrtenplanung im vergangenen Winter mit der Idee, eine Tourserie zu den Leuchttürmen unseres Heimatrevieres aufzulegen. Ich hatte sowieso mit dem Gedanken gespielt, mal wieder eine Tour zum Kieler Außenleuchtturm anzubieten und wollte gerne mit einem Beitrag die Serie ergänzen. Leider wusste ich bei der ursprünglichen Terminplanung noch nicht, dass ich ins Baltikum musste, und so musste ich noch mal den Termin mit Ulrichs Jahresabschlussfitnesstesttour tauschen.

Ich hatte immerhin sechs Anmeldungen, was ganz ordentlich ist für eine Tour ins ausgesetzte Wasser. Aber je näher der Termin rückte, desto mehr bröckelte die ursprüngliche Zahl der Interessenten. Am Morgen des Tages kam noch die letzte Absage wegen Gliederschmerzen. Nun muss man sagen, dass die Windvorhersage auch einigermaßen anspruchsvolle Bedingungen vermuten (will sagen, je nach Befindlichkeit befürchten oder erhoffen) ließ: fünf bis sechs Beaufort aus Süd. Eigentlich war mir das ganz recht, denn bei nahezu Flaute ist die Tour nicht nicht wirklich etwas besonderes. Andererseits verstehe ich auch die Zurückhaltung bei allen, die deswegen zurückgezogen haben, sich nicht ohne Not solchen Bedingungen aussetzen zu wollen. 

So bleiben unterm Strich nur zwei wackere Paddler übrig, die mich begleiten wollen: Peter und Lena. Das vereinfacht zum einen die Anreise, weil wir mit einem Auto fahren können, und zum anderen muss ich mir bei den beiden keine Sorgen wegen eventueller Überforderung meiner Mitpaddler machen.

Peters Auto ist nagelneu - und er weiß noch nicht, ob es schlauer ist als er selbst! Aber es kann alle unsere drei Boote auf dem Dach transportieren, was die Unternehmung sehr vereinfacht. Ich bin gestern noch extra nach Bülk geradelt, um mir die Parksituation aus nächster Nähe anzusehen. Der Schlagbaum, der die Zufahrt regulieren soll, liegt im Straßengraben neben seiner Aufhängung - der wird uns also keine Probleme machen. Da wir so früh sind, können wir uns auch aussuchen, wo wir parken und haben keine lange Strecke, um die Boote vom Auto an den Strand zu tragen. Ich löse einen Parkschein für vier Stunden - innerhalb dieser Zeit müssen wir es geschafft haben!

Packen fällt praktisch aus, weil wir ja nur kurz hinhechten wollen und ohne Umschweife zurück. Die Vorbesprechung erfordert etwas Phantasie, weil weder die Teilnehmer noch der Fahrtenleiter eine Seekarte dabei haben! Obwohl ich mir gestern Abend extra noch mal den relevanten Ausschnitt der Seekarte ausgedruckt hatte! Aber immerhin haben wir uns ja das Seegebiet bei der Vorbesprechung am vergangenen Mittwoch genau angesehen und alle Optionen diskutiert. 

Peter plädiert sehr dafür, dass wir zur Tonne 1 fahren. Das ist die "Kuh", die bei Seegang immer muht und die will er gerne sehen. Die Tonne liegt nach Seekarte (die wir ja nicht dabei haben) etwa in Richtung 58 Grad. Für den Anfang wollen wir dafür 60 Grad steuern. Ich weiß trotz fehlender Referenz, dass das etwas knapp als Vorhalt ist, weil wir ja doch einigen Wind haben. Aber der Wert lässt sich halt super gut auf dem Kompass ablesen, und später können wir immer noch unseren Kurs anpassen. Es zeigt sich auch bald, dass wir kräftig versetzt werden und eine ordentliche Hundekurve beschreiben. Am Ende müssen wir fast 90 Grad steuern, um nicht an der Tonne vorbeigeweht zu werden.

Die Wellen hier sind schon erheblich - ich schätze mal so einen halben Meter. Aber sie sind gutmütig und tun nix! Aber sie veranlassen die "Kuh" auch nicht zum Muhen! Wie es aussieht, hat man der Tonne die tongebende Röhre entfernt, so dass sie nur noch stumm im Auf und Ab der Wellen rumdümpelt. Ein nachträglicher Blick in eine aktuelle Seekarte enthüllt auch, dass sie keine Bezeichnung mehr trägt, die auf ein Muhen hindeuten könnte! Schade!

Von der grünen Tonne geht es genau Richtung Norden zur gelben Kabeltonne. Dabei haben wir den Wind exakt von hinten, und er beschert uns einige tolle Surfgelegenheiten. Ich glaube, das hat Lena noch nicht so oft erlebt und sie kann hier sehen, wieviel Spaß solche Bedingungen machen können. Sie hat als Kind das Paddeln quasi mit der Muttermilch eingetrichtert bekommen und verfügt über eine traumwandlerische Bootsbeherrschung. Außerdem ist sie komplett unbekümmert und sieht keinerlei Bedrohung in den Verhältnissen. Irgendwann paddelt sie uns allen davon!

Für den Nordkurs war kein Vorhalt notwendig. Als wir uns an der Kabeltonne angekommen zum Leuchtturm wenden, müssen wir aber wieder der Abdrift durch Wind und Strömung Tribut zollen. Ich steuere wieder konstant 60 Grad, was diesmal aber gut ausreicht, um den Versatz zu kompensieren. Der Leuchtturm ist seit dem Sturm von zwei Jahren komplett verwaist und wird von den Lotsen nicht mehr genutzt. Ich rechne damit, dass man ihn so lange verfallen lassen wird, bis eine Reparatur zu teuer wird und man ihn schließlich abreißen wird. Wir stärken uns etwas in seinem Windschatten und machen uns auf den Rückweg.

Eigentlich sollte man denken, dass das Navigieren dabei sehr einfach sein sollte: einfach den Leuchtturm Bülk anpeilen und drauf los halten. Das Problem am Leuchtturm Bülk ist aber, dass er so in den ihn umgebenden Bäumen versteckt ist, dass man ihn von See aus gar nicht sieht! Das ist für einen Leuchtturm besonders praktisch! Zum Glück sind die Lichtverhältnisse aber günstig genug, dass man die erste Kabeltonne gut sehen kann. Wir peilen erst sie an, dann die zweite und ab dort sieht man dann auch den durchsichtigen Teil des Leuchtturms Bülk durch die Bäume schimmern.

Gegen den Wind ist es etwas mühseliger mit dem Vorankommen. Unsere Geschwindigkeit geht von anfänglichen fünf km/h schließlich auf vier km/h zurück. Ganz zum Schluss lasse ich mein Boot noch mal laufen, damit es auch auf seine Kosten kommt. Nach guten zweieinhalb Stunden sind wir zurück am Strand. Da unser Parkschein noch eine Weile gilt, gehen wir noch in den Kaffee-Pils auf ein Stück Kuchen mit Kakao!

GPS-Daten hier 

Freitag, 6. November 2020

Corona-Fluchttour

Am letzten Wochenende im Oktober wollten wir eigentlich eine größere Tour unternehmen, aber die Wettervorhersage war alles andere als einladend. Dann kam auch noch der zweite Lockdown dazu, der unsere Möglichkeiten weiter einschränkte. Um überhaupt etwas zu unternehmen, verabredeten Jörg und ich uns zu einer Einweg-Tour von Eckernförde nach Bülk. Das war ja schon ganz nett, aber kein befriedigender Ersatz für eine richtige Tour. Zwar hatten wir immerhin einen Kocher mit, mit dem wir uns den leckeren Birnen-Bohnen-und-Speck-Eintopf aufgewärmt haben, den Jörg vorbereitet hatte, aber Zelt und Schlafsack und deren Anwendung fehlten halt. 

Für das Ende der Woche kündigte sich eine deutliche Wetterverbesserung an, so dass an eine Paddeltour zu denken wäre. Da Jörg den Samstag nicht freimachen konnte, habe ich kurzerhand für den Donnerstag Urlaub genommen, so dass wir wenigstens Donnerstag/Freitag zur Verfügung hatten.

Wohin sollten wir fahren? Dänemark hat seine Grenzen bereits wieder geschlossen, die Halligen lassen keinen an Land und Camping- und Wohnmobilstellplätze sind tabu. Schleimünde könnte gehen - ist ja eigentlich kein Zeltplatz und Wohnmobile sind hier auch eher selten. Ein kurzer Check der Webseite des Hafens - aber die sieht ziemlich verlassen aus. Wir gehen davon aus, dass das Gelände ebenso verlassen ist und keiner sich daran stoßen wird, dass wir hier übernachten.

Unseren Plan, von Bülk los und am nächsten Tag wieder dahin zurück zu fahren, müssen wir fallen lassen: für den Donnerstag ist leider maximal widriger Gegenwind angesagt. Zum Glück erklärt sich Doro bereit, uns nach Lindaunis zu chauffieren, das verwandelt den scheddrigen Gegenwind in eine angenehme Unterstützung.

Der Parkplatz am Noor ist pappenleer und auf den Straßen wenig Verkehr. Zwar müssen wir nur zwei Tage und eine Nacht aus unseren Booten leben, aber es ist Winter und da ist die Ausrüstung immer etwas voluminöser. Trotzdem bringen wir alles in den Stauräumen unter und bekommen die Lukendeckel auch wieder zu. Im Noor ist es noch recht windgeschützt und Strömung geht hier auch nicht. Das ändert sich aber drastisch, als wir lässig in den Durchlass unter der Eisenbahnbrücke einbiegen wollen. Da müssen einige energische Notschläge helfen zu verhindern, dass die heftige Strömung uns gegen die Betonpfeiler spült.

Die Schlei verläuft hier grob in Richtung Ost-Nord-Ost - der Wind kommt genau aus West. Und er kommt heftiger als vorhergesagt und erwartet. Mehr als einmal sind wir dankbar, dass wir uns nicht auf die Keul-und-Klotz-Variante eingelassen haben, uns von Bülk nach Westen zu kämpfen. Und noch häufiger sind wir dankbar für die zahlreichen Surfs, die uns immer wieder in die Nähe der 15km/h-Grenze katapultieren. Auf der Schlei kommen nun mal keine wirklich großen Wellen zustande, aber diese kleinen flachen Wasserbuckel zusammen mit dem Winddruck sorgen für ein zügiges Vorankommen. Völlig unerwartet bietet sich uns hier ein erquickender Spaß.

 
Unterwegs begegnen uns große Schwärme Seevögel, meist Kormorane, Eiderenten oder Graugänse. Mehrmals kreisen zwei Seeadler hoch über uns. Sie fliegen so hoch, dass ich mir unmöglich vorstellen kann, dass sie von dort oben einen Fisch im Wasser erkennen können. Ich vermute, sie genießen einfach wie wir das Segeln und Gleiten im Wind. In Kappeln lassen wir uns einfach treiben und verrichten unsere Pause. Trotz keinerlei eigenen Antriebs treiben wir immer noch mit zwei bis drei Stundenkilometern unserem Zeil entgegen - und das, obwohl das Gewässer hier eher in Nord-Süd-Richtung verläuft.

Als die Schlei nördlich von Kappeln wieder nach Osten abbiegt, haben wir den Wind wieder genau im Rücken. Wir wünschen uns etwas mehr Wassertiefe, die zu etwas höheren Wellen führen würde, nehmen aber die kleinen aber zahlreichen Surfs dankbar und innerlich juchzend an.

Wie erwartet liegt die Lotseninsel von allen guten Geistern verlassen da. Wir bauen unsere Zelte gleich ganz oben im Eck zwischen Mauer und Haus auf, um einigermaßen vor dem immer noch pfeifenden Wind geschützt zu sein. Am westlichen Horizont ziehen gelblich graue Wolken auf, die auf Niederschlag deuten. Zwar hat Jörg extra noch sein Tarp eingepackt, aber Regen im Zusammenspiel mit Wind können die Gemütlichkeit empfindlich beeinträchtigen. Wir sehen uns auf dem Gelände um, ob es alternative Optionen bietet. Alle Gebäude inklusive der Duschen und Toiletten sind natürlich verrammelt. Aber da gibt es ein Gewächshaus, das zwar nicht wirklich winddichte Wände hat - vor allem weil in den Fensterrahmen, die zur Tür verbaut sind, die Scheiben fehlen - aber es hat ein regendichtes Dach und bietet wenigstens etwas besseren Windschutz als ein Tarp.

Da wir durch die günstigen Umstände sehr früh angelandet sind und das Aufbauen der Zelte auch nicht lange gedauert hat (für den Transport unserer Sachen vom Boot zum Zeltplatz haben wir uns zwei herumstehende Schubkarren ausgeliehen), müssen wir erst mal einige Zeit verbringen, bevor wir daran gehen können, unser Abendbrot zu bereiten. Gespräche über dies und das und die Welt und das Überprüfen, wie es um die amerikanische Präsidentschaftswahl steht, nehmen ihre Zeit in Anspruch. Aber es ist nicht leicht, im Angesicht eines leckeren Kohleintopfes nach einem Tag mit reichlich körperlicher Anstrengung aber sparsamer Nahrungsaufnahme den aufsteigenden Heißhunger zu überhören. Um halb sieben erklären wir, dass die Zeit gekommen ist, dem Eintopf zu Leibe zu rücken. Ich muss meinen großen Topf bemühen, bekomme aber nur die Hälfte des Vorrats, den Jörg mitgebracht hat, darin untergebracht. Das Zuschauen, wie der Inhalt warm wird und dabei betörende Gerüche verbreitet, macht die Sache mit dem Hunger nicht einfacher. Zum Glück braucht es aber nicht wirklich lange, bis die Erlösung heiß ist. Und während wir uns über die erste Hälfte hermachen, köchelt die andere Hälfte bereits auf dem Kocher, so dass lückenlos weitergegessen werden kann, nachdem der erste Teller leer ist. Es ist einfach unglaublich, welche Mengen man nach einer Anstrengung an frischer Luft verputzen kann!

Der Betrieb auf der Lotseninsel hält sich in Grenzen. Anfangs liegt noch ein Fischkutter am Außensteg und sortiert Fang und Beifang. Nach Einbruch der Dunkelheit läuft noch eine Segelyacht ein. Sie kommt aus Flensburg und soll nach Rügen überführt werden. Dafür wollen sie morgen bereits um sechs Uhr auslaufen, um den dann noch günstigen Wind zu nutzen. Die Besatzung ist einigermaßen beeindruckt, dass wir unter diesen Verhältnissen hier zelten und wünschen uns eine nicht zu kalte Nacht.

Die Nacht ist aber gar nicht kalt und irgendwann hat auch der fiese Nieselregen aufgehört, der am Abend zuvor eingesetzt und dann nicht wieder aufgehört hat. Zum Frühstück im Gewächshaus gibt es Müsli und ich koche mir meine(*) zwei Eier (das "meine" steht da nur, um Jörg wieder eine Steilvorlage dafür zu liefern, dass er sich jetzt eine Anmerkung erspart!). Das eine Ei wird auf meinem Schinkenbrot verteilt, das andere wandert in eine der zahlreichen Taschen meiner Schwimmweste, um später auf hoher See mit Genuss verspeist zu werden. Nach dem Zusammenpacken unserer Sachen, bei dem uns die Schiebkarren wieder gute Dienste erweisen, müssen wir noch das Gelände und das Gewächshaus wieder so herrichten, dass niemand erkennen kann, dass jemand es zweckentfremdet genutzt hat. Um halb elf sind wir startklar, der Wind hat gegenüber gestern deutlich nachgelassen, kommt aber noch aus derselben Richtung.

Der Wasserstand ist deutlich höher als gestern Abend, was nichts anderes heißt, als dass es in die Schlei hineinströmt. Vor der Hafeneinfahrt schwimmt ein großer Schwarm Kormorane - durchsetzt mit allerlei Möven unterschiedlichen Strickmusters. Sie hoffen vermutlich auf Brosamen, die für sie abfallen, denn fast jeder Kormoran hat einen Fisch im Schnabel oder schon im Hals, wenn er nach seinem Tauchgang wieder hochkommt. Wahrscheinlich hängt das hohe Fischaufkommen mit der satten Strömung zusammen, die von der Ostsee in die Schlei hinein geht.

Als wir aus dem Segelhafen hinausfahren, spüren wir sofort den Zug der Strömung. Um nicht unnötig Kraft zu verbrauchen, fahren wir dicht an die Mole geschmiegt Richtung offene Ostsee. Ich bin nachhaltig beindruckt, mit welcher Geschwindigkeit das Wasser hier entgegen der  Hauptströmung nach draußen drängt: ohne einen Paddelschlag zu tun, werden wir mit acht Stundenkilometern aus der Schlei geschoben! Allerdings nur um hundert Meter weiter mit zehn Stundenkilometern wieder zurückgsaugt zu werden! Das Wasser ist so turbulent mit Pilzen und kleinen Überfallwellen, wie ich es hier noch nie gesehen habe! Das wäre eine prima Übungsstelle, um den Umgang mit turbulentem Wasser zu üben!

 Der Himmel sieht recht vielversprechend aus. Zwar hängen über dem Festland ziemlich dicke Wolken, aber auf der offenen See ist der Himmel strahlend blau. Der  Wind hat gegenüber gestern deutlich nachgelassen, aber die Richtung beibehalten. Die ist ziemlich genau quer zu unserer Fahrtrichtung, so dass der Wind weder großartig hindert, noch dass er hilft. Für die Festlegung unseres Kurses müssen wir erst einmal länglich gegen die Sonne plieren, um in schier unendlicher Entfernung etwas zu erkennen, was wir als südwestliche Begrenzungstonne des Schießgebietes vor Schwansen deuten können. Die Tonne liegt auf einer Kompasspeilung von 150 Grad, aber Jörg kann seinen Kompass eh nicht ablesen, weil die Sonne so blendet.

Ich bin immer wieder überrascht, wie groß dieses Schießgebiet ist und wie lange man benötigt, um es zu passieren. Als wir unsere Orientierungstonne fast erreicht haben, zeigt sich in weiter Ferne genau südlich davon eine weitere Tonne, deren Farbe wir auf die Entfernung natürlich nicht ausmachen können. Und dann ist da in noch größerer Entfernung südöstlich noch so etwas, das man als Tonne deuten könnte. Wir sind uns nicht mehr sicher, ob wir hier wirklich die südliche Begrenzung des Sperrgebietes unmittelbar vor uns haben, oder ob das weitere Tonnenpaar diese Linie bildet. Aber da es einen Umweg bedeuten würde, lassen wir die neu aufgetauchten Tonnen liegen, wo sie sind und fahren weiter einen direkten Kurs auf unser Ziel. Leider musste ich im Nachhinein erkennen, dass das Sperrgebiet gar nicht von nur vier Tonnen eingerahmt wird, sondern von sieben! Und natürlich sind wir dadurch mitten durch gefahren😏. Das kommt davon, wenn Amateure sich aufs Wasser begeben!

Als wir uns auf der Linie Damp-Leuchtturm Kiel wähnen, machen wir eine Pause. Die Doppelstulle, die ich mir dafür geschmiert hatte, passte leider nicht in die dafür vorgesehene Tupperdose. Also musste ich sie mit sanfter Gewalt überreden, darin Platz zu finden. Leider hat der leichte Zwang dazu geführt, dass das Brot total zerbröselt ist und nicht mehr wirklich als Stück zu greifen. So muss ich mir die kleinen Brösel und die Bruchstücke des Käses einzeln in den Mund stecken. Aber bei dem Hunger, den ich habe, ist mir die Form der Kalorien herzlich egal. Die Drift während unserer etwa zehnminütigen Pause beträgt keine dreihundert Meter, was gut ist, denn wir werden genau quer zu unserer Fahrtrichtung abgetrieben.

Mittlerweile haben wir uns auch darauf geeinigt, welche Erscheinungen wir als Kieler Leuchtturm interpretieren und was man für das Ehrenmal von Laboe halten kann. Bei der "Mühle von Laboe" sind wir uns jedoch uneins, und wir müssen noch eine Weile paddeln, bevor wir beide der Meinung sind, dass es sich dabei um den Bülker Leuchtturm handelt. Normalerweise ist der nämlich so gut wie gar nicht zu erkennen, und heute sticht er nur deswegen so prägnant hervor, weil er renoviert wird und eingerüstet ist.

Kurzzeitig sind wir der Meinung, dass wir viel zu früh ankommen werden. Weil unsere Abholgelegenheit erst ab halb vier am Zielort aufschlagen kann, versuchen wir, etwas langsamer zu machen - aber das gelingt uns nicht wirklich gut. Und natürlich ist es auch noch viel weiter, als es aussieht - das werden wir nie lernen. So sind wir noch nicht einmal mit Umkleiden fertig, als Doro schon mit dem Bulli aufkreuzt, um uns nach Hause zu holen.

Ich kann sogar den Luxus genießen, dass ich direkt bei mir zu Hause abgeladen werde, und die beiden mein Boot und meine Ausrüstung, insbesondere meine Schwimmweste, für mich zurück zur Bootshalle bringen. Das hartgekochte Ei in einer der zahlreichen Taschen meiner Schwimmweste wartet immer noch darauf, mit Genuss verspeist zu werden

Sonntag, 18. Mai 2014

Leuchtturm im Nebel

Meine Testtour zum roten Leuchtturm stand noch immer aus und heute sollte optimales Wetter dafür herrschen: Trocken, sonnig und kaum Wind aus nördlicher Richtung. Diese Chance wollte ich mir nicht entgehen lassen.

Als ich gegen halb zehn Uhr morgens mein Boot ans Wasser rollere, ist die Sicht leicht diesig - wie so häufig früh morgens, wenn ein sonniger Tag bevorsteht. Ich habe alle unbedeckten Hautpartien dick mit Sonnenschutz gesättigt, damit Marie-Theres keinen Grund zum Tadel hat. Die MSC Orchestra läuft in die Förde ein und tut mir den Gefallen, genau vor unserem Steg ihr Wendemanöver zu vollführen. Eine einmalige Gelegenheit, einem so großen Schiff genau Aug in Aug gegenüber zu stehen und es dabei zu fotographieren. Der Kapitän war wohl etwas ittitiert, dass ich so dicht vor seinem Bug auftauchte, und ich muss mir daraufhin eine Ermahnung der Wasserschutzpolizei anhören. Ich hätte im Leben nicht damit geerechnet, dass der Kreuzfahrer überhaupt Notiz von mir nimmt.

Ich bin recht warm angezogen mit Flies und Paddeljacke, denn momentan ist es noch recht frisch. Aber ich bin überzeugt, dass ich im Laufe der Tour das eine oder andere Kleidungsstück werde ablegen müssen. Die Sicht auf der Förde ist ziemlich zweigeteilt, die linke Seite liegt in strahlendem Sonnenschein und unter blauem Himmel, die rechte dagegen eingehüllt in dichten Dunst. Aber die Sonne ist bereits dabei, die Schwaden aufzulösen. Als ich Mönkeberg passiere, ist kaum noch Nebel zu sehen. Dafür herrscht eine emsige Betriebsamkeit auf dem Wasser: Aus den Kanalschleusen quellen unentwegt und in dichter Folge dicke Frachter. Das muss noch lichter werden, wenn ich eine Chance haben will, die Fahrwasserseite zu wechseln. Ich wundere mich etwas, dass ich den Friedrichsorter Leuchtturm noch nicht sehen kann, aber bis dahin ist es ja noch ein Weilchen. Als ich aber sehe, dass etwas auf Höhe von Möltenort die Frachter einer nach dem anderen von jetzt auf gleich vom Nebel verschluckt werden, dämmert mir, dass ich unmöglich dort an der eigentlich günstigsten weil engsten Stelle das Fahrwasser wechseln kann. Ich entschließe mich also, bereits kurz hinter der Tonne 14 die Seite zu wechseln, solange ich mich noch einigermaßen im sichtigen Bereich aufhalte.

Bald wird der Nebel dicker und ich muss mein GPS vom Vordeck auf die Spritzdecke holen, damit
ich sehen kann, wo die Tonnen des Sperrgebietes vor MAK liegen. Allerdings herrscht um mich herum ein derartiges Gehupe aller möglichen Pötte und der Fördedampfer fährt auch genau hier entlang, so dass ich am Ende doch diagonal durch das Sperrgebiet fahre. Hinter dem Leuchtturm nutze ich die weißen Bälle, die das Badegebiet von Falkenstein nach außen begrenzen, als Leitlinie. Ich muss ja noch am Anleger vorbei, und hier herrscht mittlerweile eine so dichte Suppe, dass die Dampfer es auch bei einem Vollbremsversuch schwerlich schaffen würden, mir auszuweichen. Und genau als ich am Steg ankomme, verlässt auch ein Fördedampfer den Anleger, um einem weiteren, der anlegen will, Platz zu machen. Ich fahre einfach unter dem Steg hindurch und gehe so allen Kollisionsangeboten aus dem Weg.

Ich kann auf keinen Fall in gerader Linie über die Strander Bucht fahren, denn auch hier fahren die Linienschiffe heraus und hinein. Also hangele ich mich weiter an den Bällen entlang, und als die aufhören nutze ich das Ufer selbst als Geländer. Meine Entfernung zum Strand beträgt weniger als fünfzig Meter, aber ich kann die Spaziergängerin dort kaum erkennen. Da ich schon deutlich über eine Stunde unterwegs bin, lege ich meine erste Pause sein, in der ich die dicke Stulle verdrücke, die ich mir unter die Schwimmweste gesteckt habe.

Mittlerweile hege ich arge Zweifel, ob mein Unternehmen, zum Leuchtturm zu fahren, heute überhaupt durchzuführen ist. Als ich nach der Pause nur wenige Meter gepaddeln bin, reißt die Sicht urplötzlich auf, so dass man Schilksee und Strande ohne Probleme sehen kann. Na also - es geht doch! Mit dem Aufreißen der Sicht setzt auch ein deutlicher Wind ein. Er kommt genau aus Norden und nach meiner Überzeugung hat der Nebel damit noch weniger Chancen, sich zu halten. Leider klemmt aber über der Bülker Landspitze penetrant eine Nebelbank, die weder durch Sonne noch durch Wind beeindruckt von ihrer Existenz lässt.

Aber die Aussichten sind gut und wenn der rote Leuchtturm auch noch nicht zu sehen ist, die Sicht beträgt meiner Einschätzung nach mehr als ein Kilometer, unterhalb dessen man überhaupt erst von Nebel spricht. Zum einen kenne ich den Kurs und zum anderen bin ich mit GPS-Gerät bewaffnet, in das ich die erste Kabeltonne als nächsten Wegpunkt einprogrammiere. Der Kurs ist 30 Grad und leicht zu halten, und als ich die Tonne erstmals sehe, sagt mir mein elektronischer Helfer, dass sie noch neunhundert Meter entfernt ist. Okay, mit gutem Willen ist das ein Kilometer Sicht und damit kein Nebel: Auf zu nächsten Kabeltonne! Der Kurs ist jetzt leicht östlicher und nicht mehr ganz so einfach auf dem Kompass abzulesen. Eigentlich empfinde ich die Sicht als ganz passabel, aber bei neunhundert Metern Entfernung ist immer noch keine Tonne zu sehen und bei sechs hundert Metern auch nicht. Bei dreihundert Metern ist nullkommanichts zu sehen und bei zweihundert Metern dasselbe milchig-weiße Nichts. Ich komme langsam ins Grübeln, als bei 180 Metern vor mir schüchtern eine gelbliche Tonne schemenhaft durch den dichten Nebel lugt. Meine Entscheidung steht fest: hier werde ich umdrehen!

Zwar wäre es absolut kein Problem, den Leuchtturm zu finden, aber wenn die Losten mich entdecken, würden sie die Wasserschutzpolizei rufen und ich hätte jede Menge Stress. Das muss nicht sein. Während der Rücktour wechselt die Sicht immer wieder zwischen schlecht und nicht vorhanden hin und her, so dass ich manchmal Schiffe sehe, die mehrere hundert Meter entfernt vorbei fahren, nur um sich dann gleich wieder im milchigen Weiß aufzulösen. Irgendwo im Off tuckert der Rettungskreuzer der DGzRS an mir vorbei. Bei Bülk angekommen muss ich erkennen, dass die Sache mit dem Auflösten des Nebels nicht eingetreten ist: Der Leuchtturm ist erst aus weniger als zweihundert Metern zu erkennen. Witzigerweise ist aber die Strander Bucht wie schon auf der Herfahrt so gut wie nebelfrei. Nur das andere Ufer ist nicht zu sehen. In Laboe ragt nur die Spitze des Marineehrenmals aus dem dichten Nebel.

Der Nordwind weht beständig uns schiebt mich geduldig nach Hause. Ich paddele nachhaltig, ohne besonders auf die Geschwindigkeit zu achten, aber mit ständigem Druck. Durch meine vorzeitige Wende habe ich nur 41 Kilometer auf der Uhr, als ich am heimischen Steg anschlage.Aber mein Vorhaben bestand nicht eigentlich darin, zum roten Leuchtturm zu fahren, sondern eine lange Zeit im Boot zu sitzen und eine weite Strecke in nachhaltiger Weise zu paddeln. Wenn ich mir die Trackaufzeichnung des GPS ansehe, ist mir das voll gelungen: Ich war knappe fünf einhalb Stunden unterwegs, habe nur eine richtige, nicht einmal zehnminütige Pause gebraucht, und mein Tempo hat über die gesamte Zeit nicht nachgelassen. Dass es auf der Rücktour sogar über dem der Hintour lag, schreibe ich dem leichten Nordwind zu. Ach ja: ich habe kein einziges Kleidungsstück abgelegt! Die meiste Zeit habe ich mich halt doch im Nebel aufgehalten und auch in der Sonne war es dann doch noch nicht so warm wie erwartet. Besonders bemerkenswert ist noch der Umstand, dass ich nach der Tour nicht malad darnieder lag, sondern durchaus noch für das folgende familiäre Grillen, Brotbacken und Chillen zu gebrauchen war.

Mittwoch, 2. Januar 2013

Erste Leuchtturmfahrt des Jahres


Heute gibt das schöne Wetter ein kurzes Intermezzo. Ich will die Gelegenheit nutzen und lasse mich von Birke zum Bülker Leuchtturm fahren. Ich bin bereits in voller Paddelmontur, so dass ich keine langen Umzieh-Arien vollführen muss, sondern direkt ins Boot steigen und losfahren kann. Ich will heute zum Außenleuchtturm. Es weht ein kaum spürbarer Wind aus Westen und die Sonne scheint, so dass ich keine Bedenken habe, die ausgesetzte Tour trotz der kalten Jahreszeit alleine zu wagen.

Ich bin keine hundert Meter gepaddelt, als ich feststellen muss, dass mein Skeg sein Gehäuse nicht von alleine verlässt. Ich überlege kurz, ob ich für diese Tour einfach auf die Skeg-Unterstützung verzichten soll, denn die Bedingungen sind ja wirklich nicht widrig. Aber dann gehe ich doch auf Nummer Sicher und fahre noch einmal zurück an den Strand, um das Skeg zum Mitzuspielen zu überreden

Es herrscht ausgesprochen gute Sicht und um mich herum sind Unmengen an Seevögeln auf dem Wasser und in der Luft. Bei Sonnenschein scheint die Bereitschaft, sich in die Luft zu schwingen deutlich höher zu sein, als bei trübem Wetter. Ich kann wieder vornehmlich Eiderenten und Trauerenten ausmachen. Keine Samtenten, so sehr ich auch versuche, welche zu sichten. Und Eisenten - sollte ich hier jemals geschrieben haben, Spießenten gesichtet zu haben, dann werden die hiermit allesamt zu Eisenten umdeklariert! Spießenten sind Gründelenten und eher gar nicht auf der offenen Ostsee anzutreffen!

Der Wind kommt ziemlich genau aus Westen. Und natürlich werden die Wellen größer mit zunehmender Entfernung vom Land. Einige erreichen bald einen halben Meter. Ich bin doch etwas überrascht, wie viele weiße Schaumkronen sich jetzt auftun. Je weiter ich mich dem Leuchtturm nähere, desto höher werden die Kämme, desto tiefer die Täler und desto häufiger brechen sie rauschend. Ich bin mittlerweile heilfroh, dass ich mein Skeg nutzen kann, denn so ist es doch erheblich entspannter, den Kurs zu halten.

Hier sind die Wellen schon wieder deutlich kleiner
Alle fünfzehn Minuten mache ich ein Foto, um das Näherkommen der Navigationsmarke zu dokumentieren. Die Angelegenheit wird von Mal zu Mal wackliger und als ich das finale Foto mache, ist die See derart bewegt und hoch, dass das Ergebnis total schief und unscharf ausfällt. Ich umfahre den Leuchtturm in einem ziemlich deutlichen Abstand, denn an seinem Betonsockel werden die Wellen reflektiert und schaffen eine unangenehme Umgebung. Direkt hinter dem Sockel im Windschutz ist es für ein paar Sekunden sogar richtig ruhig, bevor ich wieder aus der Abschattung herauskomme und einer unerwartet aufgewühlten See ins Auge blicke. Das muss eine satte Windstärke fünf sein, sonst sähe das hier nicht so aus. Wenn man gegen Wind und Wellen fährt, sieht es zwar viel schlimmer aus, als wenn man die Widersacher im Rücken hat, es ist natürlich anstrengender aber technisch auch viel einfacher zu handhaben und damit eigentlich auch wieder entspannter. Man wird zwar deutlich nasser, aber die Wellen nehmen einem kaum die Kontrolle über das Boot oder das Gleichgewicht, so dass man nur geduldig seine Paddelblätter abwechselnd mal an der einen mal an der anderen Seite eintauchen muss - und so gewinnt man Land.

Schneller als gedacht bin ich wieder im Windschutz des Ufers und kann den Telefonanfruf absetzen, der meinen Rücktransport sichern soll. Bei der nachträgliche Auswertung der Windgeschwindigkeiten bin ich doch etwas überrascht, aber eigentlich auch nicht, denn die Daten sind durchaus mit den erfahrenen Verhältnissen im Einklang.
Fahrtzeit: ca. 11:15 bis 13:45

Sonntag, 22. Mai 2011

"Heute wird es schön...

... aber morgen wird's ungemütlich!" So lautete gestern die Schlagzeile der Kieler Nachrichten. "Morgen" ist also heute und wir sind gespannt, was da so auf uns zukommt. Für eine Fahrt zum Leuchtturm stehen die Zeichen nicht günstig, denn es soll Gewitter geben und Böen mit sieben bis acht Beaufort. Gestern wäre ganz klar die bessere Wahl gewesen - ging aber nicht.
Zu Beginn herrschte eitel Sonnenschein

Wie immer stellt sich die Frage nach der Kleidung, weil es bei der Abfahrt zwar mollig warm ist, die Aussicht auf Gewitterschauer aber damit konkurriert. Wir entschließen uns für leichte Kleidung, führen aber Paddeljacke und Südwester griffbereit mit (auch ich habe ihn diesmal dabei!). Ein kaum spürbarer Südwind unterstützt uns auf dem Weg nach Norden, so dass wir beständig über acht Stundenkilometer fahren, wie mir mein GPS mitteilt. Ich lasse es die ganze Zeit mitlaufen, merke aber erst hinterher, dass ich das Aufzeichnen des Tracks nicht eingeschaltet habe. Das lag schlicht daran, dass ich die kleine Schrift auf dem Gerät nicht lesen konnte und die beiden Optionen "An" und "Aus" verwechselt habe. Ich muss auf lange Sicht mal sehen, wie ich mir eine Brille an die Schwimmweste binden kann. Zum Glück ist Jörg kurzsichtig und ich bin weitsichtig, so dass wir uns im Ernstfall, sollten wir beide unserer Brillen verlustig gehen, gegenseitig helfen könnten. So ist das, wenn Greise aufs Wasser gehen!

Ankunft in Bülk
Vor Bülk machen wir eine ausgiebige Pause, bleiben aber im Boot. Während wir unseren Proviant verputzen, treiben wir langsam auf den mit Anglern besetzten Molenkopf zu. Ich wundere mich, dass wir nicht angepfiffen werden, aber wir machen uns schließlich freiwillig aus dem Staube.

Als wir unsere Rücktour antreten, sind wir noch guter Hoffnung, dass wir es vielleicht komplett im Trockenen zurück schaffen könnten. Es ist lediglich eine einzige Kummuluswolke zu sehen, und die sieht noch nicht sehr bedrohlich aus. Als wir in der Strander Bucht eine Segelyacht überholen, auf der ein Regattaschiedsgericht postiert ist, machen sie uns drauf aufmerksam, dass "Schietwetter aufzieht". Es ist nun nicht mehr zu übersehen, dass sich hinter Schilksee etwas zusammenbraut. Der Wind hat auch deutlich aufgefrischt. Aber es ist noch nicht akut. Ich beobachte die Szenerie die ganze Zeit und muss erkennen, dass es sich - natürlich wie immer - schneller entwickelt, als man glauben will. Da wir recht weit draußen fahren und ich weiß, dass Gewitterböen, wenn sie denn einmal kommen, heftig sind, ändere ich meinen Kurs, um schneller dicht unter Land zu kommen.
Das Wasser kocht!

In unmittelbarer Nähe zum Strand kramen wir unsere Paddeljacken und Südwester raus. Wir haben sie gerade auf, da setzt auch schon heftigster Gewitterregen ein mit böigem Wind aus einer um 180 Grad geänderten Richtung. Es grummelt auch schon, aber wir wollen, solange es geht, noch weiterfahren. Hier gibt es absolut keine Möglichkeit, sich unterzustellen. In ein paar hundert Metern ist eine Segelschule, dort könnten wir mehr Glück haben. Während wir im komfortablen Schutz des Steilufers durch den fulminanten Regen paddeln, beobachtet Jörg eine Jolle, die von einer Bö jäh umgerissen wird. Die beiden Segler schwimmen im Wasser Richtung Ufer. Sie könnten es leicht schaffen, aber sie versuchen, ihre Jolle zu ziehen und gegen die heftigen Böen haben sie nicht den Hauch einer Chance. Als ich sehe, dass sie mit der Jolle rausgetrieben werden, fahre ich hin. Das Wasser ist immer noch zu kalt, um hier lange Spierenzchen zu machen. Die beiden wollen ihre Jolle aber nicht aufgeben und bitten mich, ihnen beim Ziehen zu helfen. So schleppen wir unerwarteter Weise ein Segelboot hinter uns her und ich ärgere mich, dass ich mein erstklassiges Schleppgeschirr zu Hause gelassen habe und stattdessen mit einer zweitklassigen Gummileine von Jörg agieren muss!
Da hinten war eben noch Schilksee!

Nach der Front klart die Sicht in wenigen Minuten auf und der Wind legt sich wieder. Den Rest der Strecke legen wir wieder bei bestem Wetter zurück. Die schöne Tour wird mit einem Stück Kuchen und Kaffee bzw. Kakao im Pennekamp gemütlich beendet. Erst als ich mit dem Fahrrad nach Hause fahre, werde ich von einem ausgedehnten Wolkenbruch geduscht.