Wir tragen unsere Boote diesmal nicht einzeln nach unten sondern beide gleichzeitig, denn sonst müssten wir dem zurückgelassenen hinterher schwimmen. Das Einsetzen und Einsteigen ist ein bisschen ein Problem, denn sobald man das Boot loslässt, ist es im Nu entschwunden. Auch das Schließen der Spritzdecke verlangt Konzentration und kühles Blut. Der Wind kommt aus Ostnordost und treibt mit seinen sieben Stärken erstaunlich große Wellen gegen die Kaimauer hinter uns, die sie trotzig zurück wirft. Dadurch schwabbelt unsere Umgebung recht heftig, und nur wenn man dem mit einer gewissen Lockerheit begegnet, kann man darin auch locker bleiben.
Ich lasse mein GPS-Gerät mitlaufen und wir nähern uns dem anderen Ufer mit der moderaten Geschwindigkeit von vier bis fünf Stundenkilometern. Immerhin! Das ist nicht von schlechten Eltern hier und wir wollen keine Rekorde aufstellen sondern möglichst ausgiebig Spaß haben. Um wirklich in den Windschutz der Uferbebauung zu gelangen, muss man tatsächlich extrem dicht an sie heran fahren. Bis Kitzeberg gelingt uns das ganz gut, wir schlängeln uns sogar mitten durch den Segelhafen von Mönkeberg, wo es tatsächlich vollkommen windstill ist. Aber an der Landspitze vor der Heikendorfer Bucht ist Schluss mit Windschutz und wenn wir noch weiter wollen, müssen wir uns den Weg selbst erarbeiten. Jörg und ich wollen weiter - Peter läuft die Zeit leer und er kehrt um.
Die Heikendorfer Bucht liegt vor uns. Das wird windig! |
Ich sage Jörg noch, dass - sollte er heute zum Leuchtturm fahren wollen - er die Strecke ab Möltenort ohne mich zurücklegen muss. Aber auch für ihn soll heute hier gut sein und wir laufen den südlichen Strand zu einer gemütlichen Pause in der Sonne an. Die eine erste Schwalbe, die ich am vergangenen Mittwoch gesichtet hatte, hat sich Verstärkung geholt, damit sie nun endlich "Sommer" machen können. Man merkt, dass sie dabei bereits einigen Erfolg gehabt haben, denn die Sonne wärmt schon deutlich mehr als während vergangener Pausen.
Pause in Lee. |
Als wir schließlich dichter ans Westufer kommen, von dem die Wellen reflektiert werden, befinden wir uns in einem herrlichen Wellenchaos, das so richtig nach unserem Geschmack ist. Es erfordert hohe Aufmerksamkeit, denn man kann die Wellen nicht vorausahnen und muss sich vorsehen, nicht in ein Loch zu stützen. Aber man bekommt total warme Beine, weil man unheimlich mit dem Unterkörper am Arbeiten ist und es macht einfach einen Heidenspaß über dieses nasse Kopfsteinplaster zu hubbeln!
Den Steg zu fassen zu bekommen und sich aus dem Boot auf die Bohlen zu befördern, ist nicht ganz einfach und es gelingt uns nicht in der Eleganz, die man sonst von uns gewohnt ist - aber geschenkt! Wir steigen zutiefst zufrieden aus den Booten, genehmigen uns die obligate Dusche und lassen uns zu einem entspannenden Kaffee im Pennekamp nieder. Der einzige dort freie Tisch steht nicht ganz im Windschutz, so dass die Sahne, die wir bestellt hatten, eigentlich vom Nachbartisch hätte bezahlt werden müssen - dort ist sie nämlich gelandet, nachdem eine heftige Böe durch unsere Tassen gefegt ist.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen