Donnerstag, 28. März 2013

Schwentine im Schnee

Einen ganzen Monat bin ich nicht mehr auf dem Wasser gewesen. Und das, obwohl das Licht es gut wieder zulassen würde - und Zeit hätte ich prinzipiell auch gehabt! Woran also lag es? Dieser März führt sich wettertechnisch als Rekordjäger auf: Vor  ein paar Tagen erreichten die Nachttemperaturen in MacPomm -17 Grad, überall liegt noch dick Schnee und vor allem: seit Wochen bläst ein dermaßen unerbittlicher Wind mit Stärken konstant zwischen sechs und sieben aus penetrant östlicher Richtung, dass selbst der härtestgesottene NoPa nur eine lächerliche Vier-Kilometer-Tour bis Kitzeberg zustande gekriegt hat. Diese katastrophale Situation hat zu dem Umstand geührt, dass die "Sollkurve" in meinem Fahrtenbuch (knappe 2 Kilometer am Tag, um am Ende des Jahres auf 600 Kilometer zu kommen!) die Ist-Kurve überragt - das hat es seit Jahren nicht mehr gegeben!

Jörgs gesundheitliche Einschränkung in den letzten Wochen hat eigentlich nichts zu der Misere beigetragen. Er hätte den Termin für die Auszeit nicht passender wählen können - es gab nichts zu versäumen. Am heutigen "Grün"donnerstag, der eigentlich "Weiß"donnerstag hätte heißen sollen, wollen wir mal wieder in unsere Boote steigen und auch die Gelegenheit nutzen, sie nach der Tour ins Bootshaus zu legen. In der Hoffnung, sie in Zukunft dann schneller, öfter und spontaner nutzen zu können.

Der Wind ist heute nicht gar so grimmig wie zuletzt, weht aber immer noch mit fünf bis sechs aus Osten. Wegen Rekonvaleszenz und weil wir nicht gleich so doll auf die Kacke hauen wollen, geht es heute in die Schwentine. Es ist ein normaler Arbeitstag und es ist Mittagszeit, entsprechend wenig Betrieb herrscht auf dem Wasser. Einige Ruderboote voller Rentner begegnen uns. Ruderboote können nicht umkippen oder absaufen, sonst müssten ihre Insassen ja Schwimmwesten tragen oder Kälteschutzkleidung. Die Wassertemperatur liegt zwischen ein und zwei Grad, da würde man nicht mal die fünfzig Meter vom umgekippten Boot bis zur rettenden Leiter schwimmen können.


Statt Paddlern und Ruderern treffen wir auf der Schwentine nur noch Vögel an. Eine empörte Graugans macht nur unwillig und unter Protest Platz für uns, ein wunderschönes Schellentenpaar lässt uns dicht passieren, ein Schwarzspecht schwingt sich schimpfend in die Wälder, ein junger Fischreiher steht regungslos am Ufer. Die Vögel haben heute eine deutlich geringere Fluchtdistanz als üblich. Vielleicht weil sie Hunger haben, weil ihnen kalt ist und eh alles egal, was da an ihnen vorbeizieht. Vielleicht ist es auch ein Effekt der Gewöhnung, der sie gelassener mit Begegnungen umgehen lässt.

Wir umrunden die Klausdorfer Insel und lassen und von der Strömung und dem Rückenwind zurück treiben. Es war keine gewaltige Tour, aber wir waren auf dem Wasser und an der frischen Luft und haben uns bewegt. Das ist alles gut so. Wenn ich über Himmelfahrt aber nach Ärö padden möchte, muss ich mein Training ab jetzt aber deutlich intensivieren.

Samstag, 2. März 2013

Präsidialer Ausflug


Am Sonnabend, den 2. März sollte die Vollversammlung der Schleswig-Holsteinischen Sportjugend in Glücksburg stattfinden. Kein Problem eigentlich, da ich herzlich wenig damit zu tun habe. Eigentlich. Aber dann ist mein Verein dem Bildungsreferenten doch noch eine Gefälligkeit schuldig und wie es der Zufall will, sind alle anderen Alternativen auf Kindergeburtstagen unabkömmlich eingebunden - und der Präsident muss doch selber ran. Da will ich wenigstens die Gelegenheit nutzen, das Nützliche mit dem Angenehmen zu verbinden und rufe Trenk an. "Prima! Dein Tagungsort liegt gleich neben meinem Klub!"

Ich sitze zwischen der sportpolitischen Sprecherin der CDU-Landtagsfraktion, der Bildungsreferentin der Deutschen Sportjugend, die extra aus Frankfurt angereist ist, schräg gegenüber von der zweiten Vorsitzenden des Deutschen Sportjugend, dem Vorsitzenden der Hamburger Sportjugend - und direkt gegenüber dem von mir besonders verehrten Vorsitzenden des Landessportverbandes, dem ehemaligen Innenminister des Landes Schleswig-Holsten. Ich bin immer wieder angetan davon, wieviele engagierte und großartige Menschen sich finden, die sich dem Sport ehremamtlich widmen.

Nachdem ich also ein kurzes Statement vor den knapp hundert Delegierten und hochrangigen Ehrengästen abgegeben habe, verabschiede ich mich - wieder einmal, bevor das Buffet eröffnet ist. Trenk ist von seinem Klub hergepaddelt und nachdem wir mein Kajak vom Auto zum Wasser getragen haben, hilft er mir, "trockenen Fußes" auf die Förde zu kommen. Ich habe heute nämlich nur einen Neoprenstiefel dabei, der andere muss mir zu Hause beim Packen aus der Kiste gefallen sein!

Es ist kurz vor vier und es herrscht ziemlicher Wind, eine glatte sechs die gesamte Zeit über. Er weht genau aus West und es wellt recht ordentlich. Ich hatte im Vorfeld darum gebeten, dass wir die Tour so organisieren, dass ich für die Rückfahrt auf die Unterstützung des Windes setzen könnte. Also steht fest, dass wir anfangs grob nach Westen orientieren müssen. Aber wir wollen auch noch die Landabdeckung am dänischen Ufer ausnutzen und so queren wir die Förde zuerst einmal in Richtung Ochseninseln und hangeln uns erst dann dicht unter Land gen Westen.

Ich bin ganz zufrieden, dass ich die ganze Zeit recht locker gegen den Wind ankomme, ohne dass ich große Probleme habe. Aber nach anderthalb Stunden muss ich doch  einsehen, dass ich etwas zu essen brauche, denn ich habe seit dem Frühstück nichts mehr zu mir genommen. Im Windschatten der ehemaligen Fähranlage stärke ich mich mit meinen zwei Stullen und heißem Apfelsaft.

Trenk zeigt mir noch das Gelände seines Paddelklubs am Südufer. Eine mögliche Alternative für meine Vereinstour im späten August. Nachdem er noch ein kleines Stückchen mit mir und dem Wind gesurft ist, verabschieden wir uns und ich bin auf mich allein gestellt. Es herrscht kräftiger Wind, das Wasser ist rattenkalt und es wird langsam dunkel. In solchen Umständen sollte man den sich bietenden Surfgelegenheiten nur zweite Priorität einräumen und zuvorderst an eine sichere Ankunft denken. Entsprechend gemäßigt gestalte ich meine Fahrweise. Als ich mich am Schwimmsteg mühselig aus dem Boot hangele (mein Schuh darf ja nicht nass werden), ist es bereits ziemlich dunkel. Die ersten Meter trage ich mein Boot noch alleine, muss aber schnell einsehen, dass es nicht wirklich tragbar ist. Zum Glück ist die Tagung noch nicht ganz beendet, so dass ich jemanden finde, der mir hilft. Das nächste mal muss ich daran denken, meinen Bootswagen einzupacken!

Samstag, 16. Februar 2013

"Was hältst du vom Leuchtturm?"

Ein bisschen sind Jörg und ich schon wie ein altes Ehepaar. Ich habe meinen Vorschlag noch nicht richtig ausgesprochen, da entgegnet er schon: "Ich wollte vorschlagen, dass wir heute dem Leuchtturm einen Besuch abstatten!". Wieder keine Gelegenheit für Streit. Die Sicht ist nicht berauschend, aber wir denken, dass es reicht - bis wir die Förde in den Blick bekommen! Das sind keine 500 Meter Sicht! Natürlich habe ich in der Hektik vorhin mein GPS-Gerät nicht eingepackt und den exakten Kurs zum Leuchtturm wissen wir auch nicht auswendig. Wenn uns jemand erzählen würde, dass er mit einer derartig lausigen Vorbereitung unter den gegebenen Bedingungen zum Leuchtturm fahren wollte, würden wir ihm abraten. Das muss auch für uns gelten. Also wird es wohl auf "eine gute Stunde nach links" hinauslaufen.

Mit dem Abladen der Boote und sie und uns betriebsfertig zu machen, sind wir mittlerweile recht fix. Nur ein ausführlicheres Gespräch mit einem interessierten Ornitologen verhindert eine rekordverdächtige Zeit. Kaum sind wir auf dem Wasser, meine ich, dass die Sicht besser geworden ist. Ich bilde mir sogar ein, Strukturen am anderen Ufer zu erkennen. Ich habe zwar ziemlich gute Augen, aber im Einbilden, etwas zu sehen, bin ich leider noch besser. Trotzdem ist auch Jörg der Meinung, dass es hier besser aussieht, als der erste Eindruck uns es vorhin weismachen wollte. Da nur moderater Wind herrscht, wollen wir nun doch versuchen, den roten Leuchtturm im weißen Dunst zu finden. Zumindest wollen wir versuchen, die erste Kabeltonne zu finden und dann entscheiden, wie wir weiter vorgehen.

Es dauert nicht lange, da schaukelt das kleine Beiboot des DGzRS-Kreuzers heran. Als die Besatzung uns entdeckt, ändert es seinen Kurs und fährt zu uns ran. Wo es denn hin ginge, ist die Frage. Wir wollen niemanden beunruhigen und erwidern, dass wir ein bisschen raus fahren und eine kleine Tour machen wollen. Es gibt keine weiteren Fragen oder Ermahnungen. Aber man hat seine Aufmerksamkeit und sein Interesse gezeigt. Eine sehr dezente Art, daran zu erinnern, dass ernsthafte Bedingungen herrschen, denen man sich nicht ohne entsprechende Kenntnis und Fertigkeiten aussetzen sollte.

Der Leuchtturm ist zu erkennen - mit viel Phantasie!
Zu sehen ist nichts. Wenn man mal von dem bewaldeten Ufer absieht, dass ich in unserer Fahrtrichtung überall am Horizont zu erkennen glaube. Wir schätzen den Kurs zum Leuchtturm irgendwo bei 45 Grad(*), die erste Kabeltonne liegt etwas nördlich. Sie und ihre Schwester unterteilen die gut sieben Kilometer in drei ziemlich gleich lange Teile, jedes also ungefähr zweieinhalb Kilometer lang. Es dauert gar nicht so lange, da entdecke ich vor dem bewaldeten Ufer eine Struktur, die die Kabeltonne sein könnte. Sie liegt auf jeden Fall in der richtigen Richtung. Irgendwann erklärt Jörg die Tonne für rot und ich bin verunsichert, weil das bedeuten würde, dass wir uns total verfahren haben. Aber ziemlich bald bin ich mir sicher, das wir auf dem richtigen Weg sind.

Der Leuchtturm ist zu erkennen - auch ohne Phantasie!
Die Tonne zeigt uns aber auch, dass wir sehr deutlich nach Westen versetzt werden. Von meinen anderen Touren weiß ich, dass hier nicht nur der Wind daran arbeitet, sondern dass auch immer eine merkliche Strömung herrscht, die einen zusätzlich vom Kurs abbringt. Wir fahren etwa sechzig Grad und hoffen, dass uns das zum Ziel bringen wird. Irgendwann zeigt sich eine weitere Struktur, der erst noch eine Bedeutung zugeteilt werden muss. So rein aus dem Gedächtnis eine Seekarte zu rekonstruieren, ist aber doch zu anspruchsvoll und eine kurze Zeit rechnen wir mit der Möglichkeit, dass das der Leuchtturm sein könnte. Aber mir behagt die Form nicht. Nach einer Weile steht fest, dass es sich um die Tonne Eins handelt, die in ihrem früheren Leben eine glückliche Kuh auf einer grünen Wiese war und nun unermüdlich ihr schreckliches Schicksal beklagt, einen öden Dienst auf der Förde verrichten zu müssen, wo das einzig grüne ihr eigener Anstrich ist. Zum Glück erkenne ich bald im Dunst vor dem bewaldeten Ufer eine weitere zwar schwache Struktur, aber deren Form entlarvt sie sofort als den wirklichen Leuchtturm.

Wir machen einen großen Bogen um die Lotsenstation. Auf ihrer Ostseite herrscht ein interessantes Kabbelwasser durch die an den Betonsockel klatschenden Wellen, die dort reflektiert werden. Aber unsere regelmäßigen Ausfahrten zeigen Wirkung und wir sitzen sicher und entspannt im Boot. Für den Weg zurück müssen wir uns kurz den Kurs ausrechnen und einigen uns auf 220 Grad. Es dauert eine erhebliche Weile, bis wir die erste Kabeltonne entdecken und sehen, dass unsere Berechnung goldrichtig war. Der Wind weht zwar nur mit guten fünf Metern pro Sekunde aber die Wellen sind, wie Wellen eben sind, wenn das Wasser groß ist und tief, dass sie sich aufbauen können. Aber sie sind rund und gutmütig und die Fahrt ist ausgesprochen entspannt und unangestrengt.

Doch das Frühstück ist lange her und wir sind fast zwei Stunden unterwegs und langsam kriecht der Hunger und der Durst in Magen und Kehle und so werden die letzten zehn Minuten dann doch noch lang. Ich muss mich erst einmal in Jörgs VW-Bus setzen und meine Stulle verdrücken und den heißen Apfelsaft einnehmen, bevor ich mich stark genug fühle, die Boote zu verstauen.

Beeindruckend finde ich die Tatsache, dass die Spuren unseres Hin- und Rückweges fast deckungsgleich verlaufen. Und wir hatten keine Sicht und kein GPS sondern nur unseren Kompass zur Navigation! Ohne Kompass allerdings wären wir vermutlich in Eckernförde gelandet - und auch das nur mit Glück!

(*) Der exakte Kurs von Bülk zum Kieler Leuchtturm beträgt übrigens 43,8 Grad!

Samstag, 2. Februar 2013

Günstige Gelegenheit

Oben auf der Wetterkarte ragt ein Zipfel aus der Republik heraus, der grüne Landschaft erkennen lässt. Der Rest der Heimat liegt unter schweren Wolken mit reichlich Symbolen für reichlich Regen verborgen. Das ist die Gelegenheit, in dieser an selbigen armen Jahreszeit unsere Boote mal wieder bestimmungsgemäß zu nutzen. Der Wind kommt aus Nordwest, das Wasser hat zweieinhalb Grad ebenso wie die Luft. Und der Himmel ist, wie die Wetterkarte es gestern Abend prophezeit hat, strahlend blau!

Wir setzen wieder am Strand vor Bülk ein. Das Wasser ist blau und grün, aber da ist auch ein brauner Streifen, der sich von der Mole auf die offene Förde zieht. Wir sind uns nicht sicher, ob das einfach Sand ist, der da vertrieben wird, oder ob es sich um eine Abwasserfahne aus dem Klärwerk handelt. Zumindest können wir absolut keine Geruchsentwicklung feststellen, als wir den trüben Bereich passieren.

Die Wellen gehen gleich recht hoch, denn der Wind kommt über das freie Wasser von Damp her. Es sind überall Bäckermützchen zu sehen. Wir fahren leidlich direkt gegen den Wind - ohne festes Ziel, der Sinn steht uns nur danach, Zeit auf dem Wasser zu verbringen, das Wetter, das Wasser und die frische Luft zu genießen. Der Wind weht mit gut vier Windstärken an der Grenze zur Fünf. So etwas verursacht auf der Innenförde nur mickrige Wellchen, hier draußen sind sie über einen halben Meter hoch und unser Boote dürfen sein, was sie sind: Seekajaks!

Nach etwas über einer Stunde drehen wir um. Ein Teil der Eirigkeit dabei ist dem Seegang geschuldet, ein nicht unerheblicher aber vermutlich auch der Wassertemperatur, die eine Unachtsamkeit im wahrsten Sinne des Wortes eiskalt bestrafen würde. Zurück geht es dann deutlich hurtiger. Unsere Geschwindigkeit liegt im Gegensatz zu den fünf Stundenkilometern auf der Hintour nun meist um die neun Stundenkilometer und nicht selten bei deutlich über zehn. Mit zunehmender Dauer legt sich auch die jahreszeitlich bedingte Zurückhaltung und wir nutzen die sich bietenden Surfs immer hemmungsloser. Trotz der deutlichen Unterstützung des Rückenwindes kommen wir bei der Rückfahrt mehr ins Schwitzen als bei der Hintour.

Gegen den Wind ist es ein gleichförmiges Geschäft, bei dem man den Krafteinsatz wohl dosieren kann. Mit dem Wind muss man im rechten Moment alles dreinsetzen, sonst nimmt einen die Welle nicht mit. Und auch dann klappt es nicht mit Sicherheit und man muss dranbleiben und noch einmal kräftig beschleunigen und alles geben! Und wenn der erste Surf dann vorbei ist, kommt gerade wieder eine günstige Welle, die man noch mitnehmen möchte, und man muss alles geben... Am Ende ist man vollkommen fertig, obwohl man ohne diese Keulerei nicht wesentlich langsamer wäre. Aber man hätte nicht halb so viel Spaß!

Sonntag, 20. Januar 2013

Glockentonne einmal anders

"Holla!" Als wir um die Ecke biegen und der Blick auf das Wasser frei wird, sind wir einigermaßen überrascht vom Geschäum, das sich auf der Förde zeigt. Eigentlich sind die Verhältnisse genau im Einklang mit den Tabellen über Windstärke, Fetch und Wirkdauer, die ich gerade für meinen Navigationsvortrag zusammentrage. Aber irgendwie will man es doch nicht so recht wahrhaben, dass eine laue Windstärke vier solch grimmige Wellen erzeugt. Aber der Ostwind bläst seit vier Tagen aus östlicher Richtung und seit zwei Tagen sogar nordöstlich. Und da sind schäumende Wellen, die auf den Strand brechen, vielleicht unerwünscht oder unangenehm aber eben nicht ungewöhnlich.


Wir tigern etwas unentschlossen am Ufer herum, werfen einen Blick um die Ecke Richtung Stohl, erfreuen uns an der fantastisch guten Sicht, aber das mulmige Gefühl in der Magengegend lässt sich nicht durch Beschwichtigungen aus der Welt schaffen. Hier gibt es keine Gelegenheit zum Einpaddeln, die Wellen sind gleich am Anfang am bissigsten, die Wassertemperatur ist mittlerweile unter drei Grad, da ist kein Spielraum, und Spaß und Entspannung sind nach anderswo verweht.

Wir setzen um zum anderen Leuchtturm: Friedrichsort. Hier ist es viel geschützter und die vier Windstärken können bei den 2 Kilometern Fetch, die ihnen hier zur Verfügung stehen, nichts Schlimmes zusammenschieben. Wir queren in Ruhe das Fahrwasser und sichten zu unserer Überraschung einen weiteren Paddler, der sich von Norden her nähert. Es ist einer der seltenen echten Seekajaker aus dem Nachbarklub. Chapeau! Bei den Verhältnissen alleine hier heraus zu fahren, ist nicht ohne!


Wenige hundert Meter von der Glockentonne entfernt, beginnt die See deutlich höher zu werden. Hier kommen wir in den Bereich, in den noch die um die Ecke gebogenen Wellen von der offenen Ostsee rollen. Es ist wirklich beeindruckend, wie groß der Unterschied nach nur wenigen hundert Metern sein kann. Es soll heute eine betont kleine Tour werden, denn sowohl Jörg als auch ich selbst wollen den Tag noch anderweitig nutzen. So wenden wir uns hier nach Süden, fahren gemütlich mit den Wellen und dem Wind bis kurz hinter die Tonne 10 und  wenden uns dann wieder dem anderen Ufer zu. Beim Anlanden am Strand will ich es besonders gut machen, öffne meine Spritzdecke sehr rechtzeitig und lasse ein Bein bereits aus dem Cockpit hängen. Zwar komme ich recht schnell aus dem Boot, aber ein besonders gemeiner Brecher nutzt den kleinen Moment, den ich brauche, um meinen Bug zu fassen und flutet das Cockpit zu drei Vierteln. Das muss ich noch etwas üben!

Samstag, 5. Januar 2013

Zweite Leuchtturmfahrt des Jahres

Ich hänge kopfüber unter Wasser. Es ist quasi Winter und das Wasser ist sehr kalt. Ich weiß, dass ich unbedingt hochrollen muss und ein Fehlversuch fatale Folgen hätte. Ich erinnere mich an mein Scheitern damals in Wales, als ich so lange passiv auf die Entscheidung meines Auftriebs gewartet hatte, mich an einer Seite des Bootes nach oben zu bringen. Und dass keine Entscheidung fiel innerhalb der Luft, die ich zur Verfügung hatte. Und dass ich mich von Trenk wie ein Anfänger retten lassen musste. Und trotzdem bin ich vollkommen ruhig und entspannt. Ich weiß zwar nicht, wie es diesmal wirklich ausgegangen ist, denn an dieser Stelle ist mein Traum zu Ende. Aber es stimmt mich schon nachdenklich, dass mir die Begebenheit von vor über zweieinhalb Jahren so lange nachhängt. Es ist nicht allein diese Begebenheit sondern die Summe  aus ihr und der Wintertour zusammen mit Trenk und Jörg, bei der wir damals für die Umstände eindeutig zu sorglos waren, dem "Heute solltest du besser nicht reinfallen" der Tour vor zwei Tagen und der Aussicht, morgen mit Trenk eine Tour an gleicher Stelle und zu ähnlicher Jahreszeit wie unsere legendäre Wintertour zu machen. Aber vor allem stimmt es mich zuversichtlich, dass meine Sinne noch funktionieren und mich zur Räson rufen - wenn auch nur im Traum.
Im vergangenen Jahr habe ich keine einzige Tour mit Trenk zusammen unternommen. Nun haben wir uns kurzfristig verabredet, auf der Flensburger Förde paddeln zu gehen. Es soll ein leichter Wind aus West wehen, aber da sich die zuständigen Stellen in letzter Zeit recht häufig recht gründlich zur harmlosen Seite vertan haben, bin ich skeptisch und behalte mir vor, erst vor Ort zu entscheiden, wohin die Reise geht. Vor Ort sieht man, dass sich die zuständigen Stellen wieder einmal vertan haben - diesmal aber zur anderen Seite: Es ist genau gar kein Wind festzustellen!

Somit steht der Plan fest: Nach meinem Ausflug zum Kieler Leuchtturm folgt nur drei Tage später ein Ausflug zu meinem Lieblingsleuchtturm Kalkgrund. Die Förde liegt so plan da, wie ich sie noch nie erlebt habe und das Paddeln ist wunderbar entspannt. Auch deswegen, weil Trenk offensichtlich seine Jahre als Heizsporn durchlebt und abgelegt hat und ein gänzlich gesittetes Tempo hinlegt. Sehr angenehm - so könnte ich auch bis nach Helgoland paddeln.

Auch hier sind außer uns im wesentlichen fröhlich schnatternde Enten auf dem Wasser und auch hier sehen wir wieder einen Tordalk. Am Leuchtturm nutzt Trenk die Gelegenheit, erklimmt das Bauwerk und tut, was er bei einer längeren Tour immer zu tun pflegt: er korrigiert den Wasserstand der Förde. Da immer noch Flaute herrscht, wir noch nicht recht angestrengt sind und auch noch Zeit haben, beschließen wir, statt zurück nach Sonderburg zu paddeln. Aber das ist letztendlich doch etwas arg weit, so dass wir irgendwann mittendrin nach Broager abdrehen und von dort zurück zu unserem Ausgangspunkt. Ohne dass wir es beabsichtig haben, gleicht unsere Spur damit fast einem Quadrat, was mich auf eine Idee bringt: Man könnte doch versuchen, einmal einen möglichst ideal quadratischen Kurs mit vorgegebener Kantenlänge zu fahren - sagen wir 1 Kilometer. Das wären dann in der Summe 4 Kilometer und derjenige mit der geringsten Abweichung hat gewonnen! Natürlich darf man das GPS nur zur Spuraufzeichnung einsetzen, weil das sonst ne Nullnummer wäre. Eine gute Übung für exakte Navigation!

Obwohl das Wasser auch bei der Annäherung an Broager noch spiegelglatt daliegt, können wir keinen Schweinswal sichten. Trenk behauptet, dass die Dinger Winterschlaf halten, aber ich glaube das nicht.

Alle Bilder dieser entspannten Tour gibt's hier.

Mittwoch, 2. Januar 2013

Erste Leuchtturmfahrt des Jahres


Heute gibt das schöne Wetter ein kurzes Intermezzo. Ich will die Gelegenheit nutzen und lasse mich von Birke zum Bülker Leuchtturm fahren. Ich bin bereits in voller Paddelmontur, so dass ich keine langen Umzieh-Arien vollführen muss, sondern direkt ins Boot steigen und losfahren kann. Ich will heute zum Außenleuchtturm. Es weht ein kaum spürbarer Wind aus Westen und die Sonne scheint, so dass ich keine Bedenken habe, die ausgesetzte Tour trotz der kalten Jahreszeit alleine zu wagen.

Ich bin keine hundert Meter gepaddelt, als ich feststellen muss, dass mein Skeg sein Gehäuse nicht von alleine verlässt. Ich überlege kurz, ob ich für diese Tour einfach auf die Skeg-Unterstützung verzichten soll, denn die Bedingungen sind ja wirklich nicht widrig. Aber dann gehe ich doch auf Nummer Sicher und fahre noch einmal zurück an den Strand, um das Skeg zum Mitzuspielen zu überreden

Es herrscht ausgesprochen gute Sicht und um mich herum sind Unmengen an Seevögeln auf dem Wasser und in der Luft. Bei Sonnenschein scheint die Bereitschaft, sich in die Luft zu schwingen deutlich höher zu sein, als bei trübem Wetter. Ich kann wieder vornehmlich Eiderenten und Trauerenten ausmachen. Keine Samtenten, so sehr ich auch versuche, welche zu sichten. Und Eisenten - sollte ich hier jemals geschrieben haben, Spießenten gesichtet zu haben, dann werden die hiermit allesamt zu Eisenten umdeklariert! Spießenten sind Gründelenten und eher gar nicht auf der offenen Ostsee anzutreffen!

Der Wind kommt ziemlich genau aus Westen. Und natürlich werden die Wellen größer mit zunehmender Entfernung vom Land. Einige erreichen bald einen halben Meter. Ich bin doch etwas überrascht, wie viele weiße Schaumkronen sich jetzt auftun. Je weiter ich mich dem Leuchtturm nähere, desto höher werden die Kämme, desto tiefer die Täler und desto häufiger brechen sie rauschend. Ich bin mittlerweile heilfroh, dass ich mein Skeg nutzen kann, denn so ist es doch erheblich entspannter, den Kurs zu halten.

Hier sind die Wellen schon wieder deutlich kleiner
Alle fünfzehn Minuten mache ich ein Foto, um das Näherkommen der Navigationsmarke zu dokumentieren. Die Angelegenheit wird von Mal zu Mal wackliger und als ich das finale Foto mache, ist die See derart bewegt und hoch, dass das Ergebnis total schief und unscharf ausfällt. Ich umfahre den Leuchtturm in einem ziemlich deutlichen Abstand, denn an seinem Betonsockel werden die Wellen reflektiert und schaffen eine unangenehme Umgebung. Direkt hinter dem Sockel im Windschutz ist es für ein paar Sekunden sogar richtig ruhig, bevor ich wieder aus der Abschattung herauskomme und einer unerwartet aufgewühlten See ins Auge blicke. Das muss eine satte Windstärke fünf sein, sonst sähe das hier nicht so aus. Wenn man gegen Wind und Wellen fährt, sieht es zwar viel schlimmer aus, als wenn man die Widersacher im Rücken hat, es ist natürlich anstrengender aber technisch auch viel einfacher zu handhaben und damit eigentlich auch wieder entspannter. Man wird zwar deutlich nasser, aber die Wellen nehmen einem kaum die Kontrolle über das Boot oder das Gleichgewicht, so dass man nur geduldig seine Paddelblätter abwechselnd mal an der einen mal an der anderen Seite eintauchen muss - und so gewinnt man Land.

Schneller als gedacht bin ich wieder im Windschutz des Ufers und kann den Telefonanfruf absetzen, der meinen Rücktransport sichern soll. Bei der nachträgliche Auswertung der Windgeschwindigkeiten bin ich doch etwas überrascht, aber eigentlich auch nicht, denn die Daten sind durchaus mit den erfahrenen Verhältnissen im Einklang.
Fahrtzeit: ca. 11:15 bis 13:45