Dienstag, 30. März 2010

Die Trave zur Münde

Klaus-Peter, der Gewissenhafte, fährt die Touren, die er anbietet, immer im Vorhinein ab. Diesmal soll der letzte, noch fehlende Teil der Trave bezwungen werden. Richard und ich haben das Angebot zur Mitfahrt dankend angenommen.

Allerdings ist dieses Angebot mit der unangenehmen Tatsache verbunden, dass wir um 6:00 Uhr aufstehen müssen, denn Lübeck ist weit und verkehrstechnisch schlecht zu erreichen. Zum Teil geht der frühe Start aber auch auf meinen Wunsch zurück, dass ich abends gerne noch an meinem Schwedisch-Kurs teilnehmen möchte, wenn irgend möglich. Aber für eine schöne Fahrt nehmen wir manches Manko in Kauf.

Wir starten beim Lübecker Ruderklub, wo unsere letzte Tour ihren Abschluss gefunden hatte, und umrunden eben noch die gesamte Altstadt, denn das kostet nichts extra. Vorbei am Holstentour kommen wir wieder zu der Stelle, wo tatsächlich noch Wäsche auf Leinen im Freien getrocknet wird. Ein seltener Ablick heutzutage. Richards Erinnerungen an diese Stelle sind allerdings geringfügig andere: "Hier lag doch damals die Frau im Bikini in der Sonne!".

Aus der Altstadt heraus tauchen wir in ein länger ausgedehntes Industriegebiet, in dem es nach den unterschiedlichsten Dingen riecht: Als erstes nach den Cornflakes der Firma Brüggen, dann nach Zuckerwatte und gebrannten Mandeln unbekannten Ursprungs. Etwas weiter riecht es nach Melasse, was wohl von der Marmeladenfabrik "Schwartau" herrührt. Die Fabrikanlagen an den Ufern machen einen eher verschlafenen Eindruck an diesem Dienstag Vormittag, einzig bei den Speditionen herrscht etwas Leben.

Es wechselt vom Winter noch nicht erwachte Natur mit vom Menschen nach ökonomischen Kriterien optimierten Flächen. Am südlichen Ufer liegt verschlafen das Fischerdorf Gothmund, das aus lauter reetgedeckten Häusern besteht.
 


Auf der anderen Seite beherrschen große Sandhaufen die Szene. Hier stand bis vor kurzem noch die Herrenbrücke, die nun unter Tage verläuft und seitdem Herrentunnel heißt.


Der Wind bläst uns nun ziemlich grimmig ins Gesicht, aber die Landschaft lädt hier auch nicht unbedingt zum Verweilen ein und so kämpfen wir uns wacker an aller Zivilisation vorbei bis zu einem kleinen Sandstrand, an dem wir unsere verdiente Pause machen.
Die Trave wird hier sehr breit, aber die Ufer sind schön hügelig und bewaldet. Am südlichen Ufer gibt es allenthalben schöne Sandstrände, wo man fast überall problemlos Pause machen könnte.

Kurz vor Travemünde macht unser Fluss eine Biegung nach Norden und wir kommen damit endlich in den Genuss eines guten Rückenwindes. Damit sind wir deutlich schneller als bislang. Kurz vor dem Übergang in die offene Ostsee liegt die Viermastbark Passat, die wir uns aus der Nähe ansehen.


Wir verlassen kurz die Trave Richtung Ostsee und legen am frisch geharkten Strand von Travemünde im Schatten des kollossalen Maritim-Hotels an. Klaus-Peter macht sich auf die Socken, mit dem Bus nach Lübeck zurückzufahren und unser Auto zurückzuholen. Währenddessen schleppen Richard und ich unsere Boote in den Kurpark - der bei weitem anstrengendste Teil der Tour! Während wir auf die Rückkehr von Klaus-Peter warten, haben wir Gelegenheit, uns das verhaltene Treiben zwischen Kasino und Kurhaus anzusehen. Im Sommer ist es hier vermutlich nicht halb so beschaulich.

Ich bin Klaus-Peter ehrlich dankbar, dass er immer so schöne Flusstouren anbietet. Ohne ihn wäre ich um etliche Erfahrungen ärmer!



Alle Fotos hier.

Sonntag, 7. März 2010

Eisfahrt

In letzter Zeit war es schwierig, aufs Wasser zu kommen. Das ist ganz wörtlich gemeint, denn das Wasser war nur noch teilweise flüssig. Jörg meinte, dass heute ein wunderbarer Tag wäre, mit Sonnenschein und ohne Wind. Diesmal war er es aber, der sich mit der Vorhersage etwas vertun sollte: Kein Wind kam noch hin, wenn man drei Beaufort als kein Wind bezeichnen will, aber Sonnenschein war eher gestern.

Das größere Problem, womit ich auch überhaupt nicht gerechnet hätte, war aber die Tatsache, dass das Wasser von unserem Steg aus über mehr als 100 Meter hin gefroren war. Eigentlich hatte ich innerlich schon mit dem Winter abgeschlossen und in den letzten Wochen war es zumindest tagsüber durchgängig über Null Grad gewesen. Aber an diesem Wochenende hatte der Winter noch einmal einen Rückfall, heute Nacht war es minus 10 Grad und noch beim Frühstück um zehn war es sechs Grad unter null. Ich war etwas irritiert, aber Jörg meinte, das wird schon gehen und außerdem hatten wir uns schon komplett umgezogen und aufgerödelt.

So richtig freiwillig sanken die Boote nicht ein, als wir sie ins "Wasser" ließen. Und Jörg, der zwar hinter mir am Steg eingesetzt hatte, aber früher fertig war, kam nicht recht an mir vorbei. Er konnte zwar dem Bug folgend das Eis nach vorne durchbrechen, aber sein Kajak keinen Zentimeter gegen die Eisschicht zur Seite bewegen. Zum Glück war das Eis noch dünn genug, dass man es mit dem Paddel durchstechen konnte. Man musste nur beherzt zustechen, denn sonst ist man abgerutscht, und das war der Gleichgewichtslage abträglich.

Zuerst bin ich in der von Jörg gebrochenen Rinne hinter ihm her gefahren. Aber das war einfach und langweilig, so dass ich mir irgendwann meine eigene Rinne neben ihm gebrochen habe. Dabei habe ich so darüber nachgedacht, was wir wohl machen würden, wenn einer von uns umkippen würde. Rollen ist eher keine Option, denn mit dem Paddel das Eis von unten zu durchstoßen, verlangt ein gerüttelt Maß an Kaltblütigkeit und wird eher nicht gelingen. Dem Partner zu Hilfe zu eilen, wird ziemlich dauern, da ja seitliches Versetzen, so schön ich das bei flüssigem Wasser kann, bei Eis schlicht unmöglich ist, und man mühselig und umständlich vor und zurück manörieren müsste. Bis ich meine Gedanken abgeschlossen habe und zu der Überzeugung gekommen bin, dass es auf jeden Fall angezeigt wäre, in ein und derselben Furche hintereinander zu fahren, sind wir auch schon aus dem Bereich des problematischen Aggregatzustandes heraus und Boot und Paddel verhalten sich wieder wie gewohnt - was sich anfangs aber ziemlich ungewohnt anfühlt!

Wir queren das Fahrwasser brav, wie ich das in meinem Kurs für den Sportbootführerschein gelernt habe, und sind bald östlich davon. Die Bucht vor dem Kraftwerk ist komplett flüssig - auch ohne, dass wir uns vorher Gedanken darüber gemacht oder es gar angezweifelt hätten. Aber wir haben uns auch über die Wasserfläche weiter nördlich keine Gedanken gemacht - und trotzdem ist sie zugefroren. Anfangs will ich es noch gar nicht wahrhaben und glaube, dass es sich nur um einen schmalen Streifen handelt, hinter dem wieder freies Wasser ist. Aber nix da: komplett gefroren! Wir müssen nach Westen abdrehen und bis ins Fahrwasser zurück. Übrigens macht es einen höllenmäßigen Lärm, wenn man mit einem Kajak durch Eis fährt. An Unterhaltung oder auch nur Kommunikation ist da nicht zu denken!

Das Eis zieht sich bis zum Vorsprung bei Kitzeberg, die Heikendorfer Bucht scheint frei zu sein. Von Jörgs versprochenem Sonnenschein ist nichts zu sehen, dafür setzt Schneefall ein. Allerdings ist der Horizont nicht so bedrohlich, dass mit einer völligen Eintrübung zu rechnen wäre. Wir fahren bis zur Versorgungsbrücke, bestätigen uns gegenseitig, das wir auf der Höhe unserer Winterschlappheit sind und drehen um. Vor dem Kurstrand von Möltenort setzen wir unsere Buge auf den Sand, um uns einen warmen Tee und eine Stulle reinzuschrauben. Drei kleine Kinder, denen sichtlich kalt ist, sind etwas ungläubig, wie man auf die Idee kommen kann, bei so einem Wetter zu paddeln.

Um gleich gar nicht mit der ColorLine-Fähre in Konflikt zu geraten, gehen wir direkt hinter Tonne 16 aufs Westufer. Allerdings scheint sich so ein Fahrwasser bei Kälte in der Breite auszudehnen: früher ging das schneller, es zu queren! Hin und wieder kreuzt eine Eisscholle unseren Weg, aber wir hätten hier in Lee mit mehr Eis gerechnet nach unseren Beobachtungen auf der Hintour am anderen Ufer. Inzwischen hat ergiebiger Schneefall eingesetzt.

In der Nähe unseres Steges ist das Wasser natürlich immer noch fest und wir suchen unsere alte Rinne. Die ist bald gefunden und durch den Wind noch breiter aufgeweitet worden, so dass es kein Problem ist, durch sie zum Steg zurück zu gelangen. Leider habe ich versäumt auszuprobieren, nach wie vielen Sekunden der heftige Schmerz einsetzt, wenn man seine Hände ins Wasser hält. Jörg, der mal kurz ins Wasser gefasst hatte, hat mir aber versichert: "Ist frisch!".

Samstag, 9. Januar 2010

Totensamstag

Heute ist der Tag, an dem die Republik zeigen muss, ob sie genug Streusalz gebunkert hat! Es ist für das ganze Land heftiger und ergiebiger Schneefall angesagt. Für das ganze Land? Nein, ganz im Norden ragt ein  Zipfelchen aus der Republik, das vom Schneefall verschont bleibt. Hier wird nur der reichlich vorhandene Schnee neu umverteilt: Es herrscht Windstärke sieben, am Leuchtturm acht!



Jörg und ich haben etwas gezuckt bei Betrachtung der Vorhersage, aber wir wollten gerne aufs Wasser und es würde schon etwas gehen, da waren wir uns sicher. Als ich am Hindenburgufer entlang fuhr, war ich mir nicht mehr so sicher, denn hier tobte ein Chaos wild clapotierender Wellen, die nach Belieben über die Kaimauer schwappten. Auch die vorsorgliche Begutachtung unseres Steges war nicht gerade vielversprechend: Neben der Tatsache, dass der feste Mittelteil mal wieder vollkommen unter Wasser lag, bereitete uns die etwa fünf Zentimeter dicke Eisschicht am Rand etwas Kopfzerbrechen. Aber wir lassen und nicht so leicht entmutigen und so kam es, dass wir erst mal mit zwei soliden Spaten bewaffnet zum Steg schritten, um ihn gängig zu machen..



Der Weg zum Steg war etwa knietief mit Schnee verweht. Das erwies sich als ungemein praktisch, denn so braucht man sein Boot nicht zu tragen sondern kann es vollkommen problemlos hinter sich her ziehen - oder vor sich her schieben, wie Jörg es bevorzugt!

 

Auf der Förde herrschte wie erwartet ziemlicher Wind. Die Wellen hielten sich in recht erträglichen Grenzen, die Richtung war halt mit Nordost dafür nicht optimal. Trotzdem empfand ich es unangenehm anstrengend, denn meine Muskulatur war natürlich ziemlich kalt und entsprechend widerwillig. Erst am Eingang der Schwentinemündung war ich einigermaßen eingepaddelt.

Das Umsetzen in Neumühlen ging recht problemlos. Zwar stand der untere Teil des Steges komplett unter Wasser, aber wir sind einfach drüber gepaddelt und haben die Boote nicht durch den Schwall nach oben gezogen, sondern direkt auf dem dick mit Schnee bedecktem Steg.



Unsere Befürchtungen, dass wir vielleicht wegen Eisganges gar nicht in die Schwentine einsetzen können würden, erwiesen sich als knapp unbegründet. Das Eis war dünn genug, dass wir es noch problemlos brechen konnten.

Bald danach trafen wir auf Olaf und Andrea vom TSV Klausdorf und begrüßten sie frohgemut. Es war gleich zu sehen, dass sie nicht in der Stimmung waren, diese freundliche Kontaktaufnahme zu erwidern. Der Gesichtsausdruck der beiden ließ auf ein unangenehmes Erlebnis schließen.



Und so war es dann auch. Noch sichtlich bewegt erzählten sie uns, dass sie vor ein paar Minuten einen toten Menschen im Wasser entdeckt haben. Das möchte ich lieber nicht erleben und fast bin ich dankbar, dass die beiden vor uns dort vorbeigekommen sind. Als wir die Stelle passieren, liegt die Leiche noch auf dem kleinen Holzsteg und mehrere Polizisten halten Wache.



Die Landschaft ist wunderbar verschneit, aber an einigen Stellen pfeift der Wind stramm durchs schüttere Gehölz und erzeugt eine unwirkliche Stimmung (die sich leider nicht fotografieren ließ :-( ). Auf dem oberen Teil der Schwentine herrscht ein erheblicher Wasserdruck und wir müssen uns schon durch die Kehrwasser entlanghangeln, um nicht allzu sehr in Schweiß zu kommen. Es wimmelt hier von Vögeln. Fischreiher, Blesshühner, Gänsesäger, Reiher- und Tafelenten, aber auch jede Menge Greifvögel, wie Bussarde und mindestens ein Habicht.

Im Schutz eines toten Seitenarmes, der zum größten Teil zugefroren ist und auf dem eine Unzahl alter Brötchen und eine eingeschneite Entenattrappe liegen, machen wir unsere Pause, in der wir unsere Stullen und heißen Tee genießen. Einige dick eingepummelte Spaziergänger, die die nahe Brücke passieren, sehen teils mitleidig, teils respektvoll zu uns herunter.




Die Schwentine bergab geht erheblich schneller, die Leiche ist immer noch nicht abtransportiert und bevor wir auf die Förde hinausfahren, verfeinern wir nochmals unsere Kopfbedeckung. Windstärke, Wellen und Wasserstand sind gestiegen und machen die Rückfahrt interessant. Ich genieße es, mit einem Partner zu fahren, um den ich mir keine Sorgen machen muss.

Samstag, 2. Januar 2010

Shackleton-Tour





Mit Corinna habe ich mich heute verabredet. Das war ein bisschen kompliziert, weil sie von Jörg erfahren hatte, dass ich am Sonntag paddeln wollte und sie sich dann gerne anschließen wollte. Offensichtlich hat Jörg genau wie ich den 2. Januar für einen Sonntag gehalten. Da ich demselben Irrtum erlegen war, habe ich Corinnas Anfrage nach einer Paddeltour am Sonntag per Mail freudig zugesagt. Zum Glück war sie so pfiffig zu erkennen, dass ich an der Shackleton-Tour des TSV-Klausdorf teilnehmen wollte - und die findet eben am Samstag, den 2. Januar statt.

Das Wetter war fantastisch: Kein Wind und Sonnenschein. Die Temperatur lag bei minus drei Grad, entsprechend pummelig dick waren wir eingekleidet. Nach wenigen Minuten haben wir es fast bereut und uns eingeredet, dass es beim Rumstehen am Grill nachher bestimmt kalt wird.

Die Umsetzstelle bei Neumühlen zu passieren war nicht ganz leicht, weil der Steg großenteils überfroren war und Neoprenschuhe keine wirklich griffige Sohle haben. Direkt danach begegnet uns schon die Gruppe des TSV-Klausdorf zusammen mit Valborg und Klaus-Peter, die mit dem Wagen dorthin gefahren und von dort gestartet sind.

Obwohl wir seit einigen Tagen durchgängig Frost haben, bin ich überrascht, wie wenig Eis auf der Schwentine ist. Allerdings sind die Boote der Klausdorfer ziemlich vereist, denn sie sind ja durch Süßwasser gekommen. Corinnas und mein Boot sind so gut wie eisfrei - durch das Salzwasser der Förde.

Wir fahren noch um die Schwentineinsel und gesellen uns beim TSV zum Grillen dazu. Da die Sonne für diese Jahreszeit erstaunlich kräftig scheint, ist es unter dem "Grillpilz" auch einigermaßen angenehm. Anfangs habe ich noch ein klammes Gefühl in meinem Trockenanzug, aber im Laufe der Zeit scheint die Feuchtigkeit in meiner Kleidung entweder zu entweichen oder sich besser zu verteilen, so dass mir recht angenehm ist. Lediglich die Füße werden auf die Dauer etwas kalt.

Die Rückfahrt geht zügig und so gut, dass wir beschließen, den schönen Tag noch etwas länger zu nutzen und die Förde hinaus zu paddeln. Von der Sonne beschienen, von der "Color Fantasy" überholt, genießen wir die Wohltaten der frischen Luft und der Bewegung. Es hat die ganze Zeit immer schon einzelne Schneeflöckchen geschneit, aber so richtig in Gange kommen, wollte es dann doch nicht. Auf Höhe Kitzeberg ist es dann soweit: Es schneit dicke, wunderweiche Flocken leise und sacht von oben auf uns herab. Da die Sicht deutlich schlechter wird, kreuzen wir das Fahrwasser und machen uns auf den Rückweg.

Samstag, 12. Dezember 2009

Adventspaddeln

Seit langem haben Jörg und ich es mal wieder geschafft, einen gemeinsamen Termin fürs Paddeln am Wochenende zu finden. Es soll heute nordöstlicher Wind herrschen und nach meiner Theorie trocken sein, während Jörg Schneeschauer erwartet. Leider ist es Jörg, der Recht behält und "trocken" ist nicht das Wort, das das heutige Wetter charakterisiert!


Die Graupelschauer wären nur halb so schlimm, wenn ich meinen schönen Südwester nicht in der Bootshalle zurückgelassen hätte :-( So muss ich die Augen einfach zu machen, damit es nicht allzu weh tut.

Nördlich des Friedrichsorter Leuchtturm ist deutlich die Dünung der offenen Ostsee zu spüren. Ab Laboe weht uns der Wind mit 10 Metern pro Sekunde konstant entgegen, so dass die letzten zwei Kilometer bis zur Glockentonne ziemlich lang werden und "man ordentlich am Stock ziehen muss", wie Jörg zu sagen pflegt. Hier gehen einige Wellen bis auf eineinhalb Meter. Das macht Spaß.

Draußen sehen wir die Gorch Fock unter vollen Segeln von großer Fahrt zurückkommen. Wir gehen noch etwas an die Kante zum Flach und spielen in den sich dort brechenden Wellen.

Auf der Rücktour überholt uns die Gorch Fock, sie ist halt doch schneller, auch wenn sie schon etwas Zeug abgenommen hat. Wir ziehen uns ins geschützte Wasser vor dem Strand von Möltenort zurück, wo wir in der Abendsonne (es ist etwa 15:00 Uhr!) unseren Tee trinken und eine Stulle verdrücken.

Da die Gorck Fock zwar einen genauen Ankunftstermin hat, aber immer deutlich vorher in ihren Heimathafen zurückkommt, liegt sie die Zeit bis dahin auf der Reede in der Heikendorfer Bucht. Wir passieren sie und sehen den Kadetten dabei zu, wie sie Klar-Schiff machen.

Die "WWW.ALPHA.LV" (Low Volume?) begegnet uns und läuft aus der Förde aus. Als wir südlich von Heikendorf sind, läuft sie plötzlich wieder ein. Sie ist nur wenig schneller als wir. Nach unserer Einschätzung will sie wieder zum Liegeplatz vor dem Kraftwerk, muss also entweder vor oder hinter uns durchgehen. Wir müssen auf die andere Seite des Fahrwassers, müssen also unsererseits vor oder hinter ihr durchgehen. Da sie recht langsam fährt und eben demnächst nach Backbord abdrehen muss, entschließen wir uns, vor ihr auf die Westseite der Förde zu gehen. Da kommt aber sofort ein zwar dünnes aber hörbares Schallsignal, so dass wir weiter nach Süden fahren. Wir wollen einfach abwarten, bis der Frachter abdreht und unseren Kurs dann danach richten. Sie fährt stur weiter nach Süden, wie wir auch, und kommt dadurch immer näher zu uns auf. Das macht den Kapitän irgendwann nervös, so dass er wieder Schallsignale gibt. Da sie mittlerweile erkennbar nach Backbord dreht und fast auf uns zu hält, gehen wir unsererseits nach Steuerbord und vor ihr durch. Das hätten wir auch gleich so haben können!

Am Klub angekommen, sind wir beide ziemlich geschafft. Aber ich habe mir vorgenommen, meinen Trocki einmal auszuprobieren, wie dicht er denn nun wirklich hält. Ich setze meine Neoprenhaube auf und stürze mich in die Fluten. Die Wassertemperatur beträgt sieben Grad aber bis auf die Tatsache, dass die Kälte mir in die Stirn beißt, sind weiter keine Unanehmlichkeiten festzustellen!

Dienstag, 1. Dezember 2009

Zeitreise

Seit einigen Jahren mache ich regelmäßig zum Ende des Jahres eine Wochenendtour vom Klub in die Eckernförder Bucht, übernachte dort und fahre am nächsten Tag zurück. Mit ihr schließe ich das Paddeljahr innerlich ab. Wegen des frühen Sonnenunter- und späten Sonnenaufganges gilt es, eine lange Nacht zu durchstehen. Das wirkt wie geschenkte Zeit - alles kann in Ruhe vonstatten gehen, es gibt keine Tide, die drängt, keine Mitfahrer, die schneller gepackt haben.

Dieses Jahr habe ich die Fahrt immer wieder verschoben. Ursprünglich für Ende Oktober geplant, ist sie dann bis ans Ende des November gerückt. Entweder war das Wetter grausam, meine Erkältung allzu arg oder Marie-Theres legte ihr Veto ein, weil für die Firmung noch zu viel vorzubereiten war. Dank der Wirtschaftskrise hatte ich am Montag einen Tag frei wegen Kurzarbeit, und die Idee, die Tour von diesem Sonntag bis zum Montag zu legen, hätte nicht besser gewählt sein können! Nach Wochen gräßlichsten Wetters mit schwerem Wind war es zwei Tage hintereinander trocken. Sogar die Sonne kam heraus - und in der Nacht herrschten laue sieben Grad!



Da um 16:00Uhr bereits Sonnenuntergang ist und die Strecke etwa 30 Kilometer beträgt, wollte ich möglichst frühzeitig losfahren, um mein Zelt nicht im Dunkeln aufbauen zu müssen. Auf der Hinfahrt herrschte mäßiger Südwind, der mich bis Bülk deutlich schob. So habe ich nicht einmal vier Stunden Fahrtzeit benötigt, und war schon um halb drei vor Ort. Da war es nicht überraschend, dass bei dem guten Wetter noch reichlich Spaziergänger den Strand bevölkerten.



Es herrschte eine wunderschöne ruhige Stimmung und auch ich bin lange am Strand spazieren gegangen, bis ich mich in meine Hütte verzog und meine Tortellini zubereitete. Einen Großteil der "geschenkten" Zeit verbrachte ich auch damit, die kleine Katastrophe auszubügeln, die mir auf der Hinfahrt passiert ist: Da ich alleine unterwegs war, brachte ich mein Boot mit dem Bootswagen von der Halle zum Steg. Also musste ich den Bootswagen wieder zurück in die Halle bringen und diese abschließen. Da ich den Schlüssel in meine 120%ig wasserdichte Tagesluke werfen wollte, hatte ich den Deckel nur lose drauf gelegt. Leider hatte ich den Schlüssel auf dem Rückweg von der Halle zum Steg an meinem Karabinerhaken vergessen und ihn nicht mehr in die 120%ig dichte Luke getan. Mit nur lose aufgelegtem Deckel ist die Luke aber nicht einmal zu 20% dicht und so teilten sich schätzungsweise gute drei Liter Salzwasser die Tagesluke mit meinem Müsli, Brot, Portmonnaie, Radio, Handy, Klopapier und was sonst noch so auf gar keinen Fall feucht werden soll! Trotz der dramatischen Umstandes war ich überrascht, wie wenig durch dieses Missgeschick letztlich verdorben ist: Nur mein TCM-Radio hat mir meine Laxheit übel genommen! Alles andere war entweder so gut verpackt, dass es unbeschadet blieb oder hat die kleine Dusche dankenswerter Weise unbeschadet überlebt!



Am Montag ging es wieder zurück. Es herrschte die vorhergesagte Flaute. In der Eckernförder Bucht sind um diese Jahreszeit viele Seevögel versammelt - vorwiegend Eiderenten. Sie haben durchweg eine sehr hohe Fluchtdistanz und fliegen schon auf, wenn ich noch hunderte von Metern entfernt bin. Da gibt es keine Chance, ihnen auszuweichen. Aber damit müssen sie leben lernen.


Da ich keine Eile hatte, bemühte ich mich, ein nachhaltiges Tempo zu fahren. Zwar kannte ich die genauen Entfernungsangaben nicht, aber nachdem ich Bülk in weniger als zwei Stunden erreicht hatte, wusste ich, dass das ich ziemlich zügig unterwegs war. Was mich mit großer Zufriedenheit und auch einem bisschen Stolz erfüllte, war die Tatsache, dass ich auch den Rest der Strecke mit demselben Tempo durchgefahren bin. Das war im Schnitt fast siebeneinhalb Stundenkilometer über einen Zeitraum von vier Stunden - mit vollbeladenem Boot! Das macht Mut für weitere Langstreckenunternehmungen.


Bei dieser Tour kommt mein neuer Trockenanzug das erste Mal zum Einsatz. Ich bin in der Summe ganz zufrieden. Das wirklich ernste Problem mit dem rückwärtigen Reißverschluss habe ich zufriedenstellend gelöst, indem ich eine gut zu fassende Schnur an den Toggel binde und ihn damit über den Rücken öffne. So kann ich ihn also auch auf Solotouren nutzen und muss nicht das nächste Haus aufsuchen und jemanden bitten, mich aus meiner Pellerine zu befreien. Natürlich waren meine Sachen nicht wirklich trocken, aber nach vier Stunden schweißtreibender Paddelei habe ich auch nichts anderes erwartet. Ich werde demnächst mal mit ihm eine Kenterung vornehmen.

Freitag, 20. November 2009

Der neue Trockenanzug

Nachdem ich mich vor Jahren von der Idee, mir einen Trockenanzug zu kaufen, verabschiedet hatte, hab ich nun doch zugeschlagen. Bisher habe ich immer gesagt, dass meine Kombi aus Trockenjacke und Long-John vollkommen hinreichend für meine Unternehmungen ist. Das eine oder die zwei Male im Jahr, dass ich im kalten Wasser aussteige und Wiedereinstiege übe, friere ich eben ein bisschen. Grund für die Umkehr ist nun, dass ich nächstes Jahr gerne nach Anglesey möchte und keine Lust habe, eine ganze Woche lang zu frieren!

Ich habe lange gesucht und mich dann für die englische Firma Lomo entschieden. Die stellt die Dinger her und vertreibt sie direkt. So kann sie recht gute Qualität zu einem konkurrenzlos günstigem Preis anbieten. Die Tatsache, dass im Internet mehrere ausgesprochen positive Bemerkungen zum Service der Firma zu finden waren, hat mich letztlich überzeugt.





Ich habe den Anzug am Sonntag über das Internet bestellt. Am Montag habe ich per EMail nachgefragt, ob ich meine Bestellung noch um eine Spritzdecke erweitern könnte, aber da bekam ich als Antwort, dass mein Auftrag schon bearbeitet und das Paket an mich unterwegs sei. Am Donnerstag traf der Anzug bei mir ein!


Die erste In-Augenscheinnahme zeigte ein solide verarbeitetes Teil. Alle Nähte sorgsam abgeklebt nirgends steht etwas über oder ist lose. Die Größenangaben waren ausgesprochen korrekt, da hatte ich etwas Bedenken. Größe M sitzt mir wie angegossen. Den Reißverschluss am Rücken zuzukriegen gestaltete sich etwas schwierig. Schon ohne, dass ich in dem Anzug steckte, musste ich ziemliche Kraft aufbringen, den Reißverschluss zu schließen. Im Anzug steckend musste mir meine Tochter helfen. Sie hat es fast nicht geschafft! Ich habe den ganzen Abend herumprobiert, eine Schnur an der Türklinke festgebunden und es damit versucht. Es blieb ausgesprochen schwierig und hat mich etwas geschockt.

Erst als ich mit einer der beiden beigefügten Tuben Silikonpaste die Reißverschlüsse eingefettet und einen kräftigen Tampen am Toggel befestigt hatte, fasste ich wieder Mut, es im Ernstfall auch alleine bewerkstelligen zu können.